Der Pakt mit dem Biber

Seedorf

Der Museumsverein von Seedorf kümmert sich auch um das eigentliche Juwel der Gemeinde, den Lobsigensee.

Die Informationsstele liefert Besuchern Wissenswertes über die jungsteinzeitliche Siedlung am Lobsigensee.

Die Informationsstele liefert Besuchern Wissenswertes über die jungsteinzeitliche Siedlung am Lobsigensee.

(Bild: PD)

Simone Lippuner

Seit 2011 gehört der Lobsigensee mit seinen Schätzen aus einer 6000 Jahre alten Pfahlbauersiedlung zum Unesco-Weltkulturerbe. Doch sein Zustand ist fatal. Die Wasserqualität ist so schlecht, dass keine Fische mehr im See leben, somit wird er auch nicht mehr verpachtet. Das Fischerhaus schwimmt derzeit beinahe davon, weil der Biber das Ufergelände unter Wasser setzt. Und die Bäume am Ufer sterben ab.

Auf kleinem Raum prallen hier viele Interessen aufeinander; ­Biber gegen Bauern gegen Archäologen gegen Naturschützer, könnte man sagen. «Es ist erklärtes Ziel, den Lobsigensee wieder zum Naherholungsgebiet zu machen», sagt Gemeinderat Ueli Hügli (Grüne). Rettungsszenarien gibt es verschiedene, einen konkreten Lösungsweg aber noch keinen.

Das Weltkultur-Label bringt auch Verpflichtungen mit sich. Das Gebiet muss geschützt, die Bevölkerung für die historischen Schätze sensibilisiert werden. So hat der Museumsverein in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Dienst Infobroschüren produziert, die in der Gemeindeverwaltung aufliegen. Und vor zwei Jahren wurde am Seeufer eine Informationsstele angebracht. Besucher erfahren hier Wissenswertes über die jungsteinzeitliche Siedlung am Lobsigensee.

Nur: So weit ist das Gelände gar nicht mehr begehbar, der Biber hat hier volle Arbeit geleistet. «Das Positive daran ist, dass die historischen Schätze wegen der Dämme im Wasser bleiben und dadurch geschützt sind», sagt Beat Schütz, Mitglied des Museumsvereins und der Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft des Lobsigensees auseinandersetzt. «Wir haben einen Pakt mit dem Biber», sagt er weiter und lacht.

Nebst der Stele und den Broschüren arbeitet der Museumsverein momentan auch an neuen Vitrinen. In der Gemeindeverwaltung soll nächstens eine ganze Schrankfront verglast werden und als Ausstellungsort für die Fund­objekte aus dem Lobsigensee dienen.

Ein Teil dieser Objekte, zum Beispiel Werkzeuge, Knochen oder Keramikgefässe, sind bereits im Dorfmuseum ausgestellt. Der grössere Teil des Fundus aber ist im Historischen Museum Bern gelagert. Dieses wird für die neuen Vitrinen mit dem Seedorfer Museum zusammenarbeiten. Ziel ist, diese nächstes Jahr einzuweihen.

Gegenstände aus der Pfahlbauerzeit im Dorfmuseum. Bild: Christian Pfander

Berner Zeitung

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