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Der Rasen ist nicht wirklich «grün»

Parkanlagen gelten als grüne Lungen der Städte. Eine Studie zeigt nun aber, dass Rasenflächen ökologisch nur Sinn ergeben, wenn sie von den Stadtgärtnern mit Bedacht gepflegt werden. Das geschieht in Bern und Thun.

Rasenflächen sind  nur bedingt eine grüne Lunge für Städte. Im Bild der Berner Rosengarten.
Rasenflächen sind nur bedingt eine grüne Lunge für Städte. Im Bild der Berner Rosengarten.
Walter Pfäffli

Tragen Rasenflächen in privaten Gärten und öffentlichen Parkanlagen dazu bei, die Luftqualität zu verbessern? Die Forscherinnen Amy Townsend-Small und Claudia Czimczik von der Universität von Kalifornien in Irvine wollten wissen, ob Rasenflächen im übertragenen Sinn als «grün» zu bezeichnen seien. Das Ergebnis ihrer Ökobilanz stellten sie gemäss dem Onlinewissenschaftsmagazin «Scienceticker» im Fachblatt «Geophysical Research Letters» vor.

Damit Rasen stets saftig grün aussieht, muss er bewässert und gedüngt werden. Durch das Düngen entsteht Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) – ein starkes Treibhausgas. Bereits diese Gasemissionen machen gemäss den Berechnungen der beiden US-Forscherinnen 10 bis 30 Prozent des Kohlendioxids (CO2) wett, das das Gras bei der Fotosynthese der Luft entzieht. Zusätzlich verschlechtert wird die Umweltbilanz etwa durch die Abgase von Rasenmähern und anderen Maschinen. «Derart behandelte Rasenflächen können unter dem Strich schlicht keine Kohlendioxid-Senker mehr sein, weil die Maschinen zu viel Treibstoff verbrauchen», betont Townsend-Small.

Sanfter Unterhalt in Bern

Im Kanton Bern sind sich die Stadtgärtner dieser Probleme sehr wohl bewusst. «Pärke wie die Quaianlage, der Schadaupark oder der Bonstettenpark sind für uns schon grüne Lungen», sagt Markus Weibel, Leiter Stadtgrün von Thun. «Wir düngen diese Flächen äusserst minim – schon in unserem Interesse, weil das Gras sonst stärker wächst und der Mähaufwand grösser ist.» Weibel lässt in den Pärken einen «einfachen Hausrasen» anpflanzen. Der entspricht den Nutzungsbedürfnissen der Thuner am besten: Man kann sich auf den Rasen legen oder auch Fussball darauf spielen: «Dieser Belastung hält der Rasen stand.»

Gemäht wird selten. Und das abgeschnittene Gras lassen die Mitarbeiter der Abteilung für Stadtgrün jeweils liegen. Markus Weibel: «Auf einem solchen Rasen wächst gelegentlich eine Feldblume oder Klee. Das ist kein englischer Rasen und auch keiner, wie er in Sportanlagen erforderlich ist.»

Ähnlich vorsichtig gehen auch die Berner Gärtner mit den Parkanlagen um. «Wir pflegen sie sehr umweltgerecht», sagt Stadtgärtner Christoph Schärer. «Die Pflegestandards richten sich aber nach der Nutzungsintensität der jeweiligen Grünanlage. Sportanlagen erfordern natürlich eine höhere Pflegeintensität als Pärke, weil ihre intensive Nutzung sonst nicht mehr gewährleistet ist.» Das Gaswerkareal sei eine Anlage mit sehr umweltfreundlicher Pflege, während der Berner Rosengarten wegen seiner häufigeren Nutzung und seiner optischen Bedeutung intensiver bearbeitet werde. Gedüngt wird auch dort nicht. Aber der Rasen wird öfter gemäht, und die Rosen machen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nötig.

Vorsicht auf Golfplätzen

Grösste Vorsicht in Sachen Umweltverträglichkeit müssen auch die Betreuer von Golfplätzen walten lassen. «Unser Platz umfasst 110 Hektaren Land», sagt Pascal Guyot, Greenkeeper des der Migros gehörenden Golfplatzes Moossee bei Münchenbuchsee. «Ein Drittel davon besteht aus Ausgleichsflächen, die wir wie Biotope behandeln. Gedüngt wird da nichts.»

Intensiv gemäht werden nur die «Greens», die Flächen rund um die Golflöcher. Guyot: «Dort mähen wir mit Spezialmaschinen täglich – auf eine Schnitthöhe von 3,8 Millimetern.» Die übrigen Spielflächen werden weniger oft gemäht, und das «Rough», die Fläche um die eigentlich Spielfläche, bleibt naturbelassen. Botaniker der Universität Bern nahmen die Gelegenheit sogar wahr, an den Ufern der Teiche des Platzes selten gewordene Schweizer Pflanzenarten zu setzen.

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