Der Rat im Streit mit der Pfarrerin

Kappelen

Ende Jahr tritt der gesamte Kirchgemeinderat von Kappelen zurück. Das habe nichts mit einer Trotzreaktion zu tun, beteuern die Räte – räumen jedoch auch Konflikte zwischen Pfarrerin Hulda Gerber und ihnen ein.

Es droht die externe Verwaltung: Der gesamte Kirchgemeinderat der Kirche Kappelen tritt auf Ende Jahr ab.

Es droht die externe Verwaltung: Der gesamte Kirchgemeinderat der Kirche Kappelen tritt auf Ende Jahr ab.

(Bild: Susanne Keller)

Simone Lippuner

Seit vor zwei Wochen der neue «Gmeinshusblitz» in die Briefkästen Kappelens flatterte, ist die Kirchgemeinde in Aufruhr. Der Kirchgemeinderat lädt in der Dorfzeitung zur Infoveranstaltung und führt als Grund ein hochbrisantes Thema an: Per Ende Jahr treten die Präsidentin wie auch alle fünf Mitglieder des Kirchgemeinderates zurück. Was ist passiert?, fragten sich die Kappeler. Ein Konflikt? Eine Trotzreaktion? Ein seltsamer Zufall?

Konkrete Antworten gab es am Infoabend vom Montag nicht. Und doch war im kleinen und voll besetzten Saal im Pfarrhaus die Luft so dick, dass Besucher bereits nach einer halben Stunde die Fenster öffnen mussten. Es lag auf der Hand: Der Kirchgemeinderat und Pfarrerin Hulda Gerber haben Differenzen, als Lösung bleibt die Trennung.

«Die Vertrauensbasis fehlt»

Ja, es habe Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse gegeben, räumen sowohl Ratspräsidentin Tabea Mantsch wie auch Pfarrerin Hulda Gerber ein. Bei einigen Mitgliedern hätten diese für den Rücktritt sicher eine Rolle gespielt, so Mantsch einerseits. «Es ist uns nicht gelungen, die nötige Vertrauensbasis wiederherzustellen.» Aber nein, beteuerte Mantsch anderseits, es handle sich nicht um eine «Trotzreaktion»: Purer Zufall sei es, dass gleich alle Kirchgemeinderatsmitglieder Ende dieses Jahres zurücktreten würden, führte Tabea Mantsch aus. Man spreche daher von sechs Einzelrücktritten, nicht von einem Gesamtrücktritt. Mantsch: «Die Gründe dafür waren vielseitig, abgesprochen war nichts, die einzige Gemeinsamkeit liegt im Zeitpunkt.»

Pfarrerin Hulda Gerber verliert auf einen Schlag ihr ganzes Team. Und auch wenn an diesem Abend viel und doch nichts gesagt wurde: In Gerbers Rede wurde der Konflikt schon spürbarer. «Ich würde jede andere Aufgabe lieber erledigen als diese jetzt», sagte sie, als sie vors Publikum trat.

Nebst allem Gelungenen der letzten Jahre klebe nun das Gewicht von etwas Missglücktem am Ganzen. Ja, sie habe einen «Bärner Gring» und viel Temperament, doch damit sei sie nicht allein. Sie brauche einen Kirchgemeinderat, der das Pfarramt in seinen Belangen unterstütze «und in dem man die Rollen und Kompetenzen des anderen achtet».

Pfarrerin und Kirchgemeinderat haben Stillschweigen vereinbart: Man wolle vor der Versammlung weder konkret werden noch sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Hulda Gerber verlieh ihren Gefühlen schliesslich noch eine akustische Note und spielte Mani Matters «Dr Hansjakobli und ds Babettli» ab – ein humorvoll-philosophischer Spiegel der Machtspiele in unserer Gesellschaft. Gutes Hinhören lohne sich, so Gerber, «das Lied hat einen tieferen Sinn».

Eine Hauruck-Aktion

Einig war man sich an diesem Abend in einem Punkt: Die Ausgangslage ist schwierig. Im Eilzugstempo muss nun der gesamte Kirchgemeinderat neu bestellt werden. Noch hat niemand Interesse bekundet.

Im besten Fall wählt die Kirchgemeinde an der Versammlung vom kommenden Sonntag ein Präsidium und drei bis vier neue Mitglieder. Mindestens drei braucht es, damit das Gremium beschlussfähig ist, doch dazu muss die Versammlung zuerst eine Reglementsänderung bewilligen, die eine Reduktion auf fünf Mitglieder vorsieht.

Das Notfallszenario wäre im Kanton kein neues: Stellt sich niemand oder zu wenig Leute zur Wahl, wird das Regierungsstatthalteramt eine externe Verwaltung einsetzen.

Berner Zeitung

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