Bern

Der Shaqiri der Tischfussballer

Bern Pascal Salzgeber gehört zu den besten Tischfussballern des Landes. An der Schweizer Meisterschaft am Wochen­ende will er eine Lücke in seinem Palmarès schliessen.

Am Tisch im Element: Tischfussball-Schweizer-Meister Pascal Salzgeber.
Video: Nicole Philipp

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Ein Missgeschick kann manchmal auch ein Glücksfall sein. Die Pokale und Medaillen in der Wohnung von Pascal Salzgeber sind ein Beweis dafür. 2009 wars, als der Bündner auf den Free­styleskiern in der Halfpipe zum Sprung ansetzte. Die Landung aber missglückte, und Salzgeber zog sich eine Knieverletzung zu, die ihn zu vier Monaten Nichtstun zwang. Wobei, Nichtstun ist nicht ganz richtig. Denn er entdeckte im Pub seine grosse Leidenschaft: Tischfussball.

«Vom Grundprinzip her ist es einfach, aber gleichzeitig ist es in taktischer Hinsicht sehr komplex», sagt er und demonstriert an einem seiner Tische gleich verschiedene Passvarianten. Wenn der Ball nicht genau dort durchrollt, wo er will, wiederholt er eine Übung, bis es klappt. Bis zu vier Stunden täglich trainierte Salzgeber in seinen intensivsten Zeiten, mittlerweile hat er den Aufwand reduziert. «In erster Linie sollte Tischfussball Spass ­machen, und für mich ist es ein Riesenspass», sagt er.

«In erster Linie sollte Tischfussball Spass ­machen.»Pascal Salzgeber

Seine Lockerheit und seine Akribie haben Salzgeber hierzulande zu einem der Besten seines Fachs gemacht – quasi zum Shaqiri der Tischfussballer. An der letztjährigen Schweizer Meisterschaft holte er zusammen mit seinem Doppelpartner Hannes Wallimann seinen ersten nationalen Titel. Im Einzel musste er damals mit dem zweiten Platz vorliebnehmen. An der diesjährigen Austragung heute und morgen in der Berner Wankdorfhalle (siehe Kasten) will er, der das Jahresranking als Nummer 1 ab­geschlossen hat, diese Lücke in seinem Palmarès schliessen.

Video statt Bier

Seit November ist Tischfussball bei Swiss Olympic offiziell als Sportart anerkannt. Für Salzgeber die Konsequenz der steten Weiterentwicklung der letzten Jahre. Das ganze Umfeld sei professioneller geworden, und während es früher oft gereicht habe, einfach zu spielen, würden viele Spieler nun auch auf ausgewogene und gesunde Ernährung achten. «Die Bierflaschen neben den Tischen sind verschwunden.»

Eine gute Vorbereitung ist für den Erfolg essenziell, dazu gehört, dass die Gegner im Videostudium auf ihre Stärken und Schwächen durchleuchtet werden. Salzgeber hat zudem schon mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet. «Auch wenn es nicht danach aussieht – die Belastung ist beachtlich.» Ein Spiel, das in der Regel über fünf Sätze (5 Tore/1 Satz) ausgetragen wird, kann über eine Stunde dauern. «Tischfussball wird im Kopf gewonnen.»

Schwierige Vermarktung

Mit Darts hat sich in den letzten Jahren ein anderes Spiel vom Kneipenzeitvertreib zu einem globalen Phänomen entwickelt, das die besten Spieler längst zu Multimillionären gemacht hat. Davon ist Tischfussball weit entfernt, und dass er eine ähnliche Entwicklung durchmacht, hält Salzgeber für unwahrscheinlich. «Das wäre sicher der Traum von jedem Tischfussballer, aber unser Sport lässt sich schwer vermarkten.»

Unter anderem auch, weil er für Zuschauer nicht einfach nachzuverfolgen ist. Als Salzgeber zum Schuss ansetzt und die Kugel mit circa 50 Stundenkilometern aufs Tor befördert, lässt sie sich von blossem Auge kaum erkennen.

«Auch wenn es nicht danach aussieht – die Belastung ist beachtlich.»Pascal Salzgeber

Aktuell gibt es weltweit etwa sechs Spieler, die vom Tischfussball leben können. Die allermeisten gehen jedoch ganz normal zur Arbeit wie Elektromonteur Salzgeber und können erst am Abend ihrer Passion frönen. Erst eine Aufnahme ins olympische Programm würde daran wohl etwas ändern, da der globale Stellenwert auf einen Schlag viel höher wäre und die Sportler entsprechend auch besser gefördert würden. Doch der Weg dahin ist weit.

Spielen in der Spielerhochburg

Salzgeber beschäftigt dies momentan wenig. «Dafür bin ich wahrscheinlich eine Generation zu früh zur Welt gekommen», sagt der 30-Jährige. Vorerst bereitet er sich auf die Schweizer Meisterschaft vor, wobei er gleichzeitig auch im OK tätig ist.

Ende März folgt dann der Saisonhöhepunkt. Als Weltnummer 15 der vergangenen Saison wurde Salzgeber ans World Masters nach Las Vegas eingeladen, bei dem sich die besten Spieler der Welt messen. Zudem bestreitet er in der Spielerhochburg den Intercontinental Cup, bei dem die besten Spieler Europas auf diejenigen Asiens und der USA treffen.

Egal, wo Pascal Salzgeber in diesem Jahr antreten wird – eines ist sicher: Seine Pokal- und Medaillensammlung darf gerne weiterwachsen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.02.2018, 11:16 Uhr

Tischfussball Total im Wankdorf

Am Wochenende ist die Wankdorfhalle fest in der Hand der Tischfussballer. 35 Tische haben die Organisatoren nach Bern verfrachtet, damit die neuen Schweizer Meister im Einzel und Doppel gekürt werden können. Doch nicht nur die lizenzierten Spielerinnen und Spieler sollen ihren Spass haben, sondern auch diejenigen, die einfach «töggele» wollen. Am heutigen Heroes-Cup werden sich die Plauschspieler an die ­Tische begeben und um ein Gesamtpreisgeld von 1000 Franken spielen. Das Interesse ist gross. Über sechzig Teams haben sich bereits angemeldet, selbst nach Ablauf der offiziellen Frist trafen noch Anfragen ein. Pascal Salzgeber hofft, dass viele Leute den Weg in die Wankdorfhalle finden und sehen, was den ­gemeinen Pubspieler von den besten des Landes unterscheidet. sis

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