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Der TCS will umziehen

Der Touring-Club Schweiz (TCS) will 500 Arbeitsplätze in einen Neubau beim Bahnhof Ostermundigen verlegen. Dafür sollen die Standorte Schönbühl und Bern aufgehoben werden.

Acifer-Areal: Wo einst Armierungseisen produziert wurden, ist nun ein Bürokomplex geplant.
Acifer-Areal: Wo einst Armierungseisen produziert wurden, ist nun ein Bürokomplex geplant.
Urs Baumann

Seit einiger Zeit befasst sich der Touring-Club Schweiz mit dem Gedanken, die Administration mehr zu zentralisieren. Der Hauptsitz in Vernier im Kanton Genf steht nicht zur Disposition; er bleibt, wo er ist. Die weiteren Büros befinden sich in Schönbühl, Bern und Emmen. «Die Strukturen sind historisch gewachsen», sagt Mediensprecher Daniel Graf.

Die dezentrale Struktur sorge aber für Reibungsverluste. Zudem seien etwa die Büros in Schönbühl renovationsbedürftig. Deshalb hat der TCS nach Möglichkeiten gesucht, «wie Abläufe vereinfacht und Synergien genutzt werden können». Dabei entstand die Idee, die Standorte Schönbühl und Bern sowie einen Teil des TCS-Standorts Emmen im Raum Bern zusammenzufassen.

Nun hat der TCS einen konkreten Standort im Visier: das Areal Poststrasse Süd, vis-à-vis dem Bahnhofs Ostermundigen. Hier steht die alte Acifer-Halle, in der früher Armierungseisen hergestellt wurden. Aus Lärmschutzgründen ging der Betrieb vor vier Jahren zu. Das Totalunternehmen HRS übernahm das Areal und begann mit der Planung eines Neubaus.

Die Stiftung Tilia wollte ein Alters- und Pflegeheim mit 128 Betten einrichten, dazu waren Wohnungen, Büros, Praxen und Läden vorgesehen. Doch dann liess Tilia das Projekt aus Kostengründen fallen – und die Zukunft der «grossen Kiste», wie Gemeindepräsident Thomas Iten den Neubau nennt, war zwischenzeitlich ungewiss.

Ausschliesslich Büros

Der TCS hat dem Projekt nun neues Leben eingehaucht. Zwar sind noch keine Verträge unterschrieben, wie Sprecher Daniel Graf betont. Das Interesse sei aber vorhanden. «Der Standort ist verkehrstechnisch gut erschlossen, und die geplanten Büroräume entsprechen unseren Bedürfnissen.» Der TCS hat vor, rund 500 Arbeitsplätze nach Ostermundigen zu verlegen.

Es sind ausschliesslich Büroarbeitsplätze: die Verwaltung, die Zentrale des Pannen- und Pikettdiensts oder die Redaktion der Zeitung «Touring». Nicht vom Umzug betroffen sind die technischen Zentren des TCS. Diese werden von den Sektionen betrieben. Geplant ist, dass der TCS die heutigen Standorte in Schönbühl und Bern nach dem Umzug schliesst. Jener in Emmen bleibt in reduzierter Form bestehen.

Noch mehrere Hürden

Kommt nichts dazwischen, soll der Neubau Poststrasse Süd im Jahr 2021 bezugsbereit sein. Hinter den Kulissen an der Ostermundiger TCS-Lösung mitgewirkt haben auch Gemeinde­präsident Thomas Iten und Sebastian Friess, Leiter Standortförderung des Kantons Bern. Beide bezeichnen die Lösung als Glücksfall. «Es ist grossartig, wenn sich ein so renommierter Verband wie der TCS für den Grossraum Bern entscheidet», sagt Friess.

Iten spricht von einem «Signal des Aufbruchs» für Ostermundigen. «Es zeigt, dass wir ein attraktiver Standort sind und mit all den angestossenen Projekten» – gemeint ist unter anderem das Tram Bern–Ostermundigen – «noch attraktiver werden.»

Thomas Iten ist sich aber auch bewusst: Das Projekt Poststrasse Süd ist noch nicht in trockenen Tüchern. In wenigen Tagen reicht die Gemeinde die Überbauungsordnung (ÜO) dem Kanton zur Vorprüfung ein. Dann folgt die öffentliche Auflage, und voraussichtlich im ersten Halbjahr 2019 entscheidet das Gemeindeparlament über die ÜO. Parallel dazu wird das Baugesuch öffentlich aufgelegt.

BKW? Und Migros?

Der geplante Neubau ist 18 000 Quadratmeter gross. Der TCS würde nur einen Teil davon beanspruchen. Für die restlichen Flächen liegen ebenfalls bereits Interessenten vor, wie der «Bernerbär» in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Interessiert sei zum einen die BKW. Deren Sprecherin Sabrina Schellenberg tönt zurückhaltender: Der heutige BKW-Standort an der Ostermundiger Bahnhofstrasse 20 müsse in den kommenden Jahren erneuert werden. Deshalb prüfe man verschiedene Optionen, eine davon sei die Poststrasse Süd. «Spruchreif ist aber noch nichts», sagt Schellenberg.

Zum andern soll auch die Migros am Projekt Poststrasse Süd interessiert sein. Mediensprecherin Andrea Bauer bestätigt dies grundsätzlich. «Wir prüfen an diesem Standort verschiedene Optionen, sei es für einen Supermarkt oder einen Voi», erklärt sie.

Unklar ist, ob es noch andere Interessenten gibt. Die alte Acifer-Halle sowie angrenzende Gebäude, die dem Neubau weichen sollen, gehören dem Totalunternehmen HRS. Dort war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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