Schrottplatz will Emissionen in den Griff bekommen

Thörishaus

Anwohner des Entsorgungshofs Thörishaus klagten über Staub, Lärm und brennende Augen. Dank einer Schutzmauer soll nun alles besser werden.

Im Entsorgungshof geht es lärmig zu und her: Hier wird gerade ein Auto verschrottet. Fotos: Christian Pfander

Im Entsorgungshof geht es lärmig zu und her: Hier wird gerade ein Auto verschrottet. Fotos: Christian Pfander

Julian Seidl

Fährt man mit der S2 von Bern nach Thörishaus, reihen sich unzählige graue Bauten die Bahnstrecke entlang. So auch am Reiseziel selbst. Nach dem Ausstieg ist die riesige Betonschutzmauer auf der rechten Fahrtseite nicht zu übersehen. 220 Meter ist sie lang. 12 Meter reicht sie in die Höhe.

Die Mauer soll die Anwohnerinnen und Anwohner auf der anderen Seite der Zugstrecke vor Emissionen aus dem Entsorgungshof der Kaufmann AG schützen. Immer wieder habe man sich über den «unangenehmen Anblick» auf dem Entsorgungsgelände beschwert, erzählt eine Anwohnerin. Eine weitere berichtete vor einigen Jahren sogar davon, dass ihre Augen brannten, wenn sie die Fenster zu lange offen liess.


Die Schutzmauer aus der Sicht der Siedlung.

Ihre Wohnungssiedlung liegt etwas erhöht auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise, sodass die Bewohnerinnen und Bewohner direkt über die zuvor nur 5 Meter hohen Schutzwände in den Entsorgungshof sahen, wo Berge von Waschmaschinen, auf einem Stapel aufgereihte Autos und Tonnen von Altmetall deponiert sind.

Mauer bringt Besserung

Mit dem neuen Betonbau bleibe den Nachbarn des Entsorgungshofs dieser unangenehme Anblick erspart. Auch über Dreck und Lärm beschwere sich niemand mehr, bestätigen Werner Nydegger, Geschäftsführer der Kaufmann AG, sowie der zuständige Könizer Gemeinderat Hansueli Pestalozzi (Grüne). «Die Grenzwerte werden knapp eingehalten. Wir arbeiten gemeinsam daran, die Emissionen weiter zu senken», sagen sie.

Das war nicht immer so, sei aber teilweise vom technologischen Fortschritt der Maschinen abhängig, «weshalb die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Berner Wirtschaftsamt Beco die im Gesetz vorgesehenen Fristen einräumt und der Kaufmann AG Zeit gibt», wie Pestalozzi mitteilt. Allerdings zeigten Messungen, welche die Gemeinde auf Aufforderung der Anwohnerinnen und Anwohner der Siedlung in Thörishaus 2012 veranlasste, klar, dass nicht alle Limiten eingehalten wurden.


Der Schrottplatz ist ein Unternehmen, das man hört und sieht.

Allen voran der Lärmpegel. Dieser sei regelmässig zu hoch gewesen, gibt Nydegger zu. «Heute können wir dank der neuen Schutzmauer die Grenzwerte aber einhalten.» Ausreisser gebe es lediglich, wenn Gasflaschen nicht ordnungsgemäss entsorgt würden und so Explosionen entstünden. «Diesbezüglich sind wir auf die Mithilfe der Entsorger angewiesen, die getrennt und richtig entsorgen sollten.»

Kontakt zu den Leuten

Auch punkto Staubemissionen besteht nach wie vor Verbesserungspotenzial. «Diesbezüglich ist die Kaufmann AG bemüht, bis Ende dieses Jahres neue Lösungen zu finden. Zusätzlich führt die Gemeinde regelmässig Kontrollmessungen durch», sagt Hansueli Pestalozzi und lobt im gleichen Atemzug die Öffentlichkeitsarbeit der Firma, um die Werner Nydegger sehr bemüht sei.

«Wir sind ein Unternehmen, das man hört und sieht. Uns ist es deshalb wichtig, mit den Leuten zu kommunizieren.» Dies sei in den letzten Jahren besonders im Vordergrund gestanden. Die nebst der Mauer geplante neue Strasse sowie die Verlegung der Büros haben sich um mehrere Jahre verspätet.

«Wir mussten deshalb vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner immer auf dem neuesten Stand halten.» Mit der Fertigstellung der Mauer im vergangenen Juni ging die zweite Bauetappe der Sanierungsarbeiten zu Ende. In einem letzten Schritt sollen nun die Bürogebäude bis Ende 2020 in den nördlichen Teil des Areals verlagert werden.


Am Samstag findet auf dem Gelände ein Tag der offenen Tür statt.

Das langjährige Projekt kostete bis anhin acht Millionen Franken. Geplant waren ursprünglich sechs. Dies sei unter anderem auch der Verzögerung geschuldet, zu der es durch den Wechsel der Architekten zu Beginn der Sanierungsarbeiten gekommen war.

Tag der offenen Tür

Am Samstag wird nun ein Blick hinter die neue Schutzmauer des Entsorgungshofes möglich. Dann lädt die Kaufmann AG zum Tag der offenen Tür. Werner Nydegger will diesen als Chance nutzen, den Entsorgungshof bei den Leuten beliebter zu machen. «Wir wollen unseren optimalen Standort hier unbedingt behalten, da ist es wichtig, dass uns die Bevölkerung akzeptiert», sagt er. Zudem wird den Besucherinnen und Besuchern der neue «Recy-Hof» vorgestellt.

Der Entsorgungsplatz ist ebenfalls im Rahmen der Sanierung entstanden. Dabei will Nydegger den Gästen zeigen, wie ordnungsgemäss entsorgt wird, damit jenseits der Schutzmauer künftig auch keine ungewollten Explosionen mehr zu hören sind.

Tag der offenen Tür: 9–16 Uhr auf dem Gelände der Kaufmann AG.

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