Die Antennen-Frage

Ostermundigen

Seit kurzem gelten in der Gemeinde strengere Regeln für den Bau von Handyantennen. Jetzt ­erfahren sie ihren ersten ­Praxistest.

Neue Antennen sollen in Ostermundigen primär an bereits bestehenden Antennenstandorten oder in Arbeitszonen aufgestellt werden (Symbolbild).

Neue Antennen sollen in Ostermundigen primär an bereits bestehenden Antennenstandorten oder in Arbeitszonen aufgestellt werden (Symbolbild).

(Bild: Melanie Duchene)

Markus Zahno

Der Fall sorgte für Aufsehen. 340 Leute wehrten sich mit Einsprachen gegen eine neue Handyantenne, die am Ostermundiger Wegmühlegässli aufgestellt werden sollte. In einem Wohngebiet. Der Widerstand bewog die Gemeindebehörden, sich grundsätzliche Gedanken zu machen: Wo sollen Handyantennen in Zukunft erlaubt sein und wo nicht? Drei Jahre dauerten die Abklärungen. In dieser Zeit waren alle Gesuche für neue Antennen auf Eis gelegt.

Die Grundsatzfrage ist mittlerweile geklärt. Ostermundigen übernimmt das sogenannte Kaskadenmodell: Neue Antennen sollen primär an bereits bestehenden Antennenstandorten oder in Arbeitszonen aufgestellt werden. Nur falls dies nicht möglich ist, können die Mobilfunk-anbieter auf fünfgeschossige oder höhere Häuser in Wohnzonen ausweichen. Denn: «Je höher eine Antenne steht, desto weniger stark sind die umliegenden niedrigeren Häuser von der Strahlung betroffen», erklärt Peter U. Müller, Leiter der Ostermundiger Hochbauabteilung.

Zwischen den Fronten

Zum ersten Mal zur Anwendung kommt die neue Regelung beim Baugesuch der Firma Salt. Diese plant eine neue Antenne – nicht in einer Arbeitszone, sondern im Wohngebiet, auf dem Hochhaus an der Unterdorfstrasse 2. Das Baugesuch wurde soeben publiziert. Die inhaltliche Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagt Müller. Insbesondere wird Salt noch den Nachweis erbringen müssen, dass die Antenne weder an einem bestehenden Standort noch in der Arbeitszone gebaut werden kann.

Handyantennen sind nach wie vor ein emotionales Thema. Anwohner, die je nachdem selber ebenfalls ein Handy benutzen, fürchten sich vor der Strahlung. «Auf der anderen Seite möchten die Mobilfunkanbieter beim Bau neuer Antennen möglichst wenige Einschränkungen», sagt Müller. Zwischen den Fronten stünden die Gemeindebehörden. «Deshalb ist es für uns wichtig, nun klare Regeln zu haben.»

Ein Problem ist erledigt

Mediensprecher Benjamin Petr­zilka von der Salt Mobile SA erklärt derweil: «Mobilfunkanlagen werden dort benötigt, wo sich die Nutzer aufhalten. Deshalb sollten sie immer möglichst zentral erstellt werden.» Der Standort auf dem Hochhaus an der Unterdorfstrasse sei die beste Lösung. Zumal auf den beiden Hochhäusern nebenan ebenfalls bereits Handyantennen eingerichtet seien: je eine von Swisscom und von Sunrise. Die Verantwortlichen von Salt gehen deshalb davon aus, die Baubewilligung für ihr Vor­haben zu erhalten.

Auch Peter U. Müller von der Hochbauabteilung rechnet mit weniger Einsprachen als damals am Wegmühlegässli. Dieses Baugesuch hat sich übrigens von allein erledigt: Die Carrosserie, bei der die Handyantenne damals aufgestellt werden sollte, ist nun abgerissen.

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