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Die Berner Füchse erholen sich

Seit 2008 grassiert im Kanton Bern die Fuchsräude. Mittlerweile ebbt die Krankheitswelle ab. Es gibt nun weniger Füchse, dafür sind diese wieder gesünder.

Sandra Rutschi
Das Fell der Berner Füchse ist wieder schön – die Räude setzt den Tieren nicht mehr so zu.
Das Fell der Berner Füchse ist wieder schön – die Räude setzt den Tieren nicht mehr so zu.
Keystone

Milben setzten den Füchsen im Kanton Bern in den letzten Jahren heftig zu. Von der juckenden Räude befallen, kratzten sich die Tiere die Haut blutig und ver­loren ihr Fell. Wie ein Häufchen Elend verendeten sie dann in der Kälte oder starben an einem Kreislaufzusammenbruch – wenn sie nicht ein Jäger oder ein Wildhüter von ihrem Leiden erlösen konnte.

Einfach war das gerade im Siedlungsgebiet nicht: Denn die Tiere suchten Schutz an Orten, an denen der Wildhüter nicht schiessen durfte – in Hauseingängen oder bei Schaufenstern zum Beispiel. Bis zu zehnmal rückte Rudolf Zbinden manchmal aus, um einen räudigen Fuchs in der Agglomeration Bern zu erlegen. Manchmal war ihr ganzer Körper nur noch eine vernarbte Kruste.

Ab 2008 schwappte die Krankheitswelle über den ganzen Kanton. Besonders stark grassierte sie 2012. Obschon keine Zahlen speziell zu den räudigen Füchsen erfasst wurden, zeigt die Abschussstatistik des Jagdinspektorats etwa das Ausmass auf: 2008 wurden 3606 Füchse erlegt, 2012 waren es 5852, 2015 dann wiederum 2603.

Natur reguliert sich selbst

Auch heute noch begegnen die Wildhüter Füchsen, die von den mikroskopisch kleinen Spinnen befallen sind. Aber anstatt des ganze Körpers ist beispielsweise noch ein Hinterlauf kahl. «2016 sind die Krankheitsfälle stark zurückgegangen», sagt Zbinden für den Raum Bern-Mittelland. Seine Kollegen aus dem übrigen Kanton haben das Gleiche festgestellt.

Die Krankheit hat den Fuchsbestand im Kanton Bern dezimiert – wie stark, kann Zbinden nicht sagen, weil keine Erhebungen gemacht wurden. Theoretisch kann die Räude bis zu 90 Prozent einer Tierart dahinraffen. Doch sie rottete noch nie eine Art aus.

Das gilt auch für die Füchse in Bern: Meister Reineke ist hier nach wie vor unterwegs. Doch gerade in Gebieten wie der Agglomeration Bern, wo der Bestand zuvor hoch war, hat er sich nun normalisiert. «Die Räude wütete hier deshalb so stark, weil es so viele Füchse gab. So übertrug sich die Krankheit schneller, gerade in der Ranzzeit im Winter», sagt Zbinden.

Jetzt, da es weniger Füchse gibt, stecken sie sich weniger rasch an – und die Tiere werden wieder gesünder. Es sei üblich, dass solche Krankheitswellen nach acht bis zehn Jahren wieder vorbeigehen würden, sagt Zbinden. Die Natur reguliert sich damit also selber.

Hartnäckige Tiere

Zbinden mag indes nicht von einer Fuchsplage sprechen, wenn er an die Situation in der Agglomeration Bern vor der Räude denkt. «Es hatte nicht zu viele Füchse – nur gibt es halt im Siedlungsgebiet immer wieder Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren, die auf dem Land gar kein Thema sind.»

Füchse seien tatsächlich sehr intelligent und merkten sich sofort, wenn sie von jemandem gefüttert würden. Ein Rädchen Cervelat im Garten, um den Freunden kurz den Fuchs von nebenan zu zeigen – und das Tier erwartet danach wochenlang täglich seine Wurst. Wenn es diese dann nicht erhält, wird es hartnäckig.

Zbinden erzählt von einer Familie, die einen friedlich schlummernden Fuchs im Kinderbett fand, als sie von den Ferien heimkam. Das Tier war durch die ­Katzentür hineingehuscht. Der Wildhüter empfiehlt deshalb, Füchse auf keinen Fall zu füttern und auch keinen Müll über Nacht auf die Strasse zu stellen.

Immerhin: Jetzt, da die Räude nicht mehr so grassiert, sind auch Haustiere und somit der Mensch weniger gefährdet, sich damit anzustecken. Zwar ist die Krankheit für Menschen ungefährlich, und der Tierarzt kann sie kurieren – aber so etwas Übles wünscht man definitiv niemandem an den Pelz.

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