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Die Frau hinter der Fleischtheke

Alexandra Ingold steht hinter der Verkaufstheke einer Metzgerei in Hindelbank. Ihr Arbeitsalltag besteht aber aus weit mehr als dem Anpreisen von Schnitzel und Spiessli.

Lieblingsplatz: Alexandra Ingold möchte ihren Job um nichts in der Welt tauschen. Sie ist Fleischfachfrau bei «Metzg und Markt» in Hindelbank.
Lieblingsplatz: Alexandra Ingold möchte ihren Job um nichts in der Welt tauschen. Sie ist Fleischfachfrau bei «Metzg und Markt» in Hindelbank.
Beat Mathys

Ein saftiges Cordon bleu ist ihre Lieblingsspeise: Alexandra Ingold ist Fleischfachfrau und weiss genau, was es braucht, damit das Stück Schweinefleisch, gefüllt mit Greyerzerkäse und Schinken, gelingt. Die 25-Jährige Frau steht hinter der Theke der Metzgerei «Metzg und Markt» in Hindelbank, und das seit sechs Jahren. «Ich kann mir keine andere Arbeit vorstellen, mit der ich mich täglich beschäftigen möchte», sagt sie.

Ingold wirkt fröhlich und aufgeschlossen. Sie berate gerne. «Es ist das, was mir an ­meiner Arbeit besonders gefällt.» Die dreijährige Ausbildung zur Fleischfachfrau hat sie nie absolviert. Das nötige Wissen hat ihr Stefan Holzer, der Inhaber der Metzgerei sowie des angrenzenden Volg-Ladens, vermittelt. Die in Herzogenbuchsee aufgewachsene Ingold ist gelernte Bäckerin-Konditorin.

«Ein schöner Beruf. Ich merkte aber bald, dass mir in der Backstube der Kontakt zur Kundschaft fehlt.» Nach Lehrabschluss fand sie bei Holzers eine Anstellung als Verkäuferin im Volg-Laden. Ein Jahr später wechselte sie in die Metzgerei. «Es war mein Wunsch, da ich gerne mit meinen Händen arbeite.»

Chefin der Fleischplatten

Der Beruf der Fleischfachfrau ist aufgeteilt in Fachrichtungen: Schlachten, Metzgen, Veredeln. Letzteres ist Ingolds Gebiet. «Ich paniere, mariniere und vakuumiere, was unsere Metzger täglich zubereiten.» Dazu steht sie an fünf Tagen in der Woche ab halb sieben Uhr in der Küche der Metzg und bestückt anschliessend die Theke mit der frischen Ware. Jetzt sei Saison für Suure Mocke, Siedfleisch und Speck.

Mindestens einmal pro Woche werde zudem eine Fleischplatte bestellt. Sie herzurichten liegt in der Verantwortung von Ingold – und das passt. «Es ist meine liebste Tätigkeit», sagt sie, «wobei es nichts gibt, das ich nicht gerne tue.» Eine Platte zu gestalten, die zünftig beladen ist und dennoch schön aussieht, das könne bis zu einer Stunde dauern.

Eigene Spezialitäten

Gerne kreiert Ingold auch Eigenes für die Fleischtheke: «Vergangenen Frühling kam meine Pouletbrust im Teig, gefüllt mit weissen Spargeln, bei den Kunden gut an.» Die Ideen dazu kämen ihr bei den Gesprächen mit Kunden, daheim beim Kochen oder wenn sie in den Ferien in einer Metzgerei etwas Neues entdecke. Im Ausland sei sie übrigens kritisch, wenn es ums Fleischessen gehe, so Ingold, «da ich nicht weiss, wie das Produkt gelagert und verarbeitet worden ist.» Bei ihrer Arbeit freue sie, wenn sie die Erfahrungen aus ihrer eigenen Küche an die Kunden weitergeben könne und positive Rückmeldungen erhalte.

Mit Reklamationen wie etwa, dass die Zubereitung des Fleischs nicht gelungen sei, müsse man umgehen können. «Wir besprechen dann mit dem Chef, was für Tipps wir beim nächsten Verkauf geben können.»

Ein Tierfan

Der Arbeitsalltag von Ingold ist streng. Ausserdem sind die Räume in der Metzgerei kühl, besonders im Winter. Wenn der Laden um halb sieben Uhr schliesst, müssen die Arbeitsbereiche erst noch gründlich gereinigt werden. Die knapp zweistündige Mittagspause verbringt Ingold, die mit ihrem Partner im Krauchthal wohnt, meist daheim. Und wenn sie frei hat, dann geht sie gerne spazieren. An den Fleischgeruch, den sie mit nach Hause nimmt, hat sie sich längst gewöhnt. «Mein Freund weniger», sagt sie und schmunzelt. «Mit Duschen und einem Kleiderwechsel ist der Geruch aber schnell verschwunden.»

Ingold ist ein Tierfan und hat zwei Katzen. «Ich bin aber auch überzeugt, dass zu einer gesunden Ernährung Fleisch dazugehört.» Doch jeder soll das essen, wozu er Lust hat, findet sie. Einmal habe sie beim Schlachten ­zugeschaut. «Das ist nichts für schwache Nerven. Aber ich muss alles kennen, was mit meinem ­Beruf zusammenhängt.» Und schliesslich esse sie ja auch Fleisch, zwar nicht täglich, aber etwa dreimal in der Woche. Dann koche sie Cordon bleu, Schweinsbratwurst oder Schweinebraten. «Ich esse gerne währschaft», sagt sie. Nie auf den Teller kommt bei der Fleischfachfrau Kalbfleisch. «Die jungen Tiere tun mir leid.»

In ihren Ferien fahre sie gerne ans Meer. «Irgendwohin, wo die Sonne scheint und ich schwimmen kann.» Und vielleicht verreise sie später auch einmal für längere Zeit. Doch egal, wie schön das Baden und An-der-Sonne-Liegen auch sei: «Ich freue mich immer wieder auf meine Arbeit in der Metzg und möchte sie mit nichts in der Welt tauschen.»

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