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Die Kunst des Archivierens

Objekte aus der Zeit vor den ­­papier­losen Büros: In der Abegg-Stiftung sind Ledersäcklein aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt, in denen Dokumente archiviert ­wurden.

Die Archivsäcklein waren aus Schafleder gefertigt...
Die Archivsäcklein waren aus Schafleder gefertigt...
Christoph von Viràg?/?zvg
...und schützten die Dokumente vor Licht und Feuchtigkeit.
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Wie waren oft mit den Wappen der Besitzer verziert.
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Im 16. Jahrhundert war Pergament kostbar, Urkunden und Verträge wurden von Hand geschrieben, verziert und sorgfältig aufbewahrt. Man achtete darauf, sie vor Feuchtigkeit und Licht zu schützen.

Zu diesem Zweck liess der Freiburger Staatsschreiber Wilhelm Techtermann während seiner Amtszeit (1579 bis 1593) 50 Beutel aus Schafleder anfertigen. 14 dieser Säcklein sind im Freiburger Staatsarchiv erhalten. Sie wurden im letzten Jahr in der Abegg-Stiftung Riggisberg restauriert. Dies geschah im Rahmen der Masterarbeit der Dresdnerin Stefanie Penthin im Studiengang Textilkonservierung und -restaurierung.

In einer kurzzeitigen Sonderausstellung ist in der Abegg-Stiftung noch bis zum 12. November eine kleine Auswahl dieser Ledersäcklein zu sehen. Sie sind mit 31 mal 25 und 65 mal 37 Zentimeter gross, bemalt und mit Seidenquasten und Fransenborten geschmückt.

Zuerst skeptisch

Die Freiburger Historikerin Katrin Utz Tremp ist letztes Jahr auf die Abegg-Stiftung zugekommen. «Sie sagte, im Staatsarchiv seien 14 lederne Archivbeutel. Sie erkundigte sich, ob die bei uns restauriert werden könnten», erklärt Bettina Niekamp, Leiterin der Textilkonservierungswerkstatt, und gesteht: «Wir waren zuerst skeptisch, weil unser Atelier auf Textilien und nicht auf Le­der spezialisiert ist.» Glücklicherweise war die Studentin Stefanie Penthin aus Dresden gerade in der Abegg-Stiftung und auf der Suche nach einem Thema für ihre Masterarbeit. Sie erfasste alle 14 Beutel, restaurierte und dokumentierte sie.

«Die Oberflächen ­wurden gereinigt, die Malschichten gefestigt und stabilisiert, die Risse unterlegt und geklebt, Löcher mit Intarsien ergänzt», sagt Niekamp. Das alaungegerbte Leder habe sich in einem erstaunlich guten Zustand befunden, und trotz des hohen Alters waren die meisten Malereien gut sichtbar, die Schrift gut zu entziffern.

Gut erhaltene Dokumente

Jetzt liegen 6 der 14 Säcklein in Vitrinen der Abegg-Stiftung, daneben einige dazugehörige Dokumente mit Siegelkapseln. Bei acht Pergamenten ­handelt es sich um Burgrechtsverträge, die Freiburg mit den Grafen von Neuenburg abgeschlossen hatte. Das älteste Dokument stammt von 1290. Techtermann verwahrte alle acht Schriftstücke in ein und demselben Säcklein. Dass sich diese Verträge in der Form erhalten haben, wie sie einst im Beutel steckten – nämlich gefaltet –, grenzt an ein Wunder.

Das prächtigste Dokument der Sammlung besiegelt ein Bündnis von 1586, das die katholischen Orte Freiburg, Uri, Unterwalden, Solothurn, Zug, Schwyz und Luzern miteinander abgeschlossen hatten. Am unteren Rand des Pergaments hängen fünf der sieben Wachssiegel der Orte. ­Dieser sogenannte Goldene Bund war ein Zusammen­schluss mit dem Zweck, sich gemeinsam gegen reformierte Orte zu ­verteidigen.

Rechnungen vorhanden

Die aufwendig gearbeiteten Lederbeutel sind sich in Material, Form und Dekor ähnlich. Sie sind aus in Rot- oder Brauntönen gefärbtem Schafleder, mit Lederbändchen verschliessbar und an den Nähten mit seidenen Fransenborten – zum Teil in den Wappenfarben Freiburgs – dekoriert.

Erstaunlich: Nebst den zu­gehörigen Dokumenten sind im Freiburger Staatsarchiv noch alle Rechnungen vorhanden, welche die verschiedenen Hand­werker für das Anfertigen der Beutel gestellt hatten: Ger­ber, Seckler, Maler und für die Siegelbüchsen Tischmacher, Kupfer- oder Blechschmiede.

In einer Zeit, als es weder Computer noch papierlose Büros gab, wurde mit höchster Sorgfalt und Präzision gearbeitet. Davon kann man sich in der Ausstellung in der Abegg-Stiftung überzeugen.

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