Bern/Innertkirchen

Die lange Historie der Grimselbahn

Bern/InnertkirchenHeute wird in Bern das Projekt für eine Grimselbahn präsentiert. Vorhaben für einen Schienenstrang zwischen dem östlichen Berner Oberland und dem Oberwallis gibt es seit über 160 Jahren.

Die Meiringen-Innertkirchen-Bahn, anfänglich eine Werkbahn, fährt seit 1946 öffentlich. Der Ausbau Richtung Grimsel scheiterte bislang.

Die Meiringen-Innertkirchen-Bahn, anfänglich eine Werkbahn, fährt seit 1946 öffentlich. Der Ausbau Richtung Grimsel scheiterte bislang. Bild: KWO

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Die Kantone Bern und Wallis, die Grimselbahn AG und die Stromnetzgesellschaft Swissgrid informieren heute über ihr Projekt Grimselbahn. Es geht um eine Strecke von Innertkirchen im Oberhasli nach Oberwald im Goms. Kernstück ist ein 22 Kilometer langer Tunnel, der sowohl die Bahn als auch eine Starkstromleitung aufnehmen soll. Mit dieser Verbindung würden durchgehende Züge von Interlaken nach Zermatt oder nach St. Moritz möglich. Das Projekt setzt eine lange Reihe von Bahnplänen an der Grimsel fort.

Ringen um Transitstrecke

In einer ersten Phase Mitte des 19. Jahrhunderts stand die Alpenquerung mit normalspurigen Transitstrecken im Vordergrund. Denn nach dem Bau von Bahnen im Flachland wagten sich die Ingenieure in die Berge. Als erste Gebirgsstrecke Europas ging 1854 zwischen Wien und Graz die Semmeringbahn in Betrieb. Während deren Bauzeit schlug der piemontesische Politiker Vegezzi eine Bahn durch Eschental (Val d’Ossola), Goms, Hasli und Obwalden als Verbindung zwischen Genua und dem Norden vor, wie es in der Chronik «Geschichte der Landschaft Hasli» heisst.

Ein anderes Projekt gab es für eine Linie von Bern respektive Luzern (über den Brünig) nach Meiringen, weiter über die Grimsel nach Brig und über den Simplon. Angedacht war ein etwa 9 Kilometer langer Tunnel zwischen dem Haslital und Oberwald. Alterna­tiven sahen gemäss der Denkschrift «Bernische Alpenbahnpolitik» statt des Simplons eine Verbindung via Albrun- oder Griespass ins Piemont vor.

Ein Berner Komitee und anfänglich auch der Berner Alt-Bundesrat Jakob Stämpfli setzten sich 1864 für eine andere Idee ein. Demnach sollte eine Grimselbahn weiter ins Tessin via ­Bedrettotal führen. Doch auch Stämpfli musste anerkennen, dass im In- und Ausland die Gotthardbahn bevorzugt wurde. Diese ging 1882 in Betrieb. An der Grimsel bauten Bund, Kantone und Gemeinden stattdessen den Saumpfad zu einer Passstrasse aus. Auf dem Schienenweg erhielt Bern 1913 via Lötschberg Anschluss an die Simplonstrecke nach Italien.

Projekte für Touristenbahnen

Während die Transitstrecken anderswo entstanden, folgten an der Grimsel in einer zweiten Phase um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert diverse Projekte für touristische Schmalspurbahnen. Dazu gehörte eine Strassenbahn über Grimsel und Furka nach Andermatt. Ein anderes Projekt sollte Meiringen via Grimsel mit Visp verbinden.

Bereits damals propagierten die Initianten das touristische Potenzial: «Die Fremdenzentren Interlaken, Luzern und Zermatt sollen einander näher gerückt und der Touristenverkehr gefördert werden.» Tatsächlich zu bauen begann die Brig-Furka-Disentis Bahn. Diese Gesellschaft ging aber im Zuge des Ersten Weltkrieges pleite.

Erst nach dem Krieg konnte diese Strecke fertig gebaut werden und damit der Glacier Express von Zermatt bis nach St. Moriz fahren.Im Winter war das Netz wegen der Lawinengefahr jeweils unterbrochen. So kam der Wunsch nach einem ganzjährig befahrbaren Furka-Basistunnel auf. Der Walliser Bundesrat Roger Bonvin propagierte 1968 gar ein Tunnelkreuz zwischen dem Haslital, dem Goms, dem Bedrettotal und Furka/Oberalp.

Gebaut wurde nur der Furka-Basistunnel, der wegen grosser Kostenüberschreitungen den Übernamen Furkaloch erhielt. Die weiteren Projekte verschwanden in der Versenkung. Auch der beim Bau für den Zwischenangriff im Furka-Basistunnel ausgebrochene Stollen ins Bedrettotal blieb danach unbenutzt.

Neuer Anlauf

Die Idee für eine Grimselbahn griff der der HSG-Student Alain Hadorn 2008 in seiner Masterarbeit wieder auf. Auf die Idee brachte ihn der Meiringer Bau­ingenieur Ulrich Blatter. Präsident der Grimselbahn AG ist inzwischen Peter Teuscher, der ehemalige operative Leiter der BLS Alptransit, die den Lötschberg-Tunnel baute. Durch die Kombination mit dem Bau einer Starkstromleitung durch den Berg ­erhoffen sich die Initianten, dass der Traum nun doch Wirklichkeit wird. (Berner Oberländer)

Erstellt: 04.02.2016, 07:48 Uhr

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