Die Miss BEA muss nicht nur schön sein

Bern

Wird an der BEA die schönste Berner Kuh gekürt, platzt die Grosse Arena aus allen Nähten. Es geht um hohe Euter, schöne Fundamente und elegante Ausstrahlung – aber nicht nur.

Kühe der Rasse Swiss Fleckvieh drehen in der Arena mit ihren Besitzern ihre Runden.

Kühe der Rasse Swiss Fleckvieh drehen in der Arena mit ihren Besitzern ihre Runden.

(Bild: Raphael Moser)

Michael Bucher@MichuBucher

Es ist kurz nach 9 Uhr, und die Halle 15 an der BEA ist schon gut gefüllt. Es herrscht gemütliche Stimmung. Die Leute schlürfen ihr Morgenkafi und verzehren in Frischhaltefolie verpackte Sandwiches. Hie und da ist ein Edelweisshemd auszumachen. Gebannt warten die Freunde der Viehzucht auf den Start der 33. bernischen Eliteschau, welche in der Prämierung der schönsten Kuh gipfelt – der Miss BEA.

Die ersten Kühe der Rassen Holstein und Red Holstein betreten die grosse Arena. Ihre Besitzer tragen ein Nummernschild auf der Brust, sodass man glauben könnte, sie sind es, die bewertet werden. Langsam drehen die Männer ihre Runden mit den Tieren. Ein Richter steht in der Mitte und begutachtet die Prachtsexemplare. 15 Mal findet am Morgen ein solches Schaulaufen statt – jedes Mal in einer anderen Kategorie. Die jeweils erst- und zweitplatzierte Kuh schafft es ins Finale.

Adel und Harmonie

«Es ist wie in der Schule», sagt Adrian Weber vom Bernischen Fleckviehzuchtverband, als die Kühe ihre Runden drehen. Damit meint er, dass die Kategorien nach Altersklassen gebildet werden. Nur so sei ein fairer Wettbewerb möglich. Der 51-Jährige aus Niederried hilft heuer zum fünften Mal bei der Austragung des Fleckviehtages mit.

Auf der Tribüne haben sich mittlerweile rund 600 Interessierte eingefunden – zwischen 3 und 80 Jahren ist praktisch alles vertreten. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Während aus den Boxen ein «Jutz» erklingt, betreten zweieinhalbjährige Kühe der Rasse Simmentaler die Arena – die klassische Schweizer Rasse, die in die ganze Welt exportiert wird. Der in Chüjermutz gekleidete Richter tigert mit strengem Blick um die einzelnen Kühe. Er geht auch mal in die Knie, um das Euter zu begutachten.

Nach zehn Minuten sind die Favoriten bestimmt. Elina aus Lauenen machte das Rennen. Eine «sehr komplette Kuh» sei es, mit «viel Adel und Harmonie in der Bewegung», sagt der Richter ins Mikrofon. «Die Ausstrahlung ist nur einer von vielen Punkten, auf die geachtet wird», sagt Weber. Sogar die Beine, genannt Fundament, sind wichtig.

Weiter wird die «gute Tiefe» des Tieres gelobt, was meint, die Kuh hat einen voluminösen Pansen. Das hat weniger mit Schönheit zu tun als mit gesundheitlichen Aspekten. Eine solche Kuh frisst vorwiegend Raufutter – also Heu und Gras. Das wird generell von den Milchverarbeitern gewünscht. «Bei der Show geht es nicht nur um Schönheit, sondern auch um wirtschaftliche Aspekte wie etwa die Milchproduktion», sagt Weber.

Auch die Euter erhalten viel Beachtung. Tierschützer werfen den Viehhaltern immer wieder vor, sie würden die Kühe vor der Show zu lange nicht melken, um ein fülliges Euter präsentieren zu können. «Das kommt heute nur noch selten vor, die Aussteller sind dafür stärker sensibilisiert als früher», sagt Weber dazu.

Ausserdem würden vor der Show die Euter der Kühe genau kontrolliert werden. Wer durchfällt, muss melken. Bei Elina aus Lauenen lobt der Richter «schöne und hohe Euter», auch die Zitzen zeigen gerade nach unten. «Das ist wichtig beim Anhängen der Melkmaschinen», erklärt Weber. Auch hier: Wirtschaftlichkeit geht über Schönheit.

Siegerin kommt aus Aeschi

Es ist 13.45 Uhr. Die Halle ist bis auf den letzten Platz besetzt. Der Berner Marsch ertönt, die Leute stehen auf und klatschen mit. Mit der Krönung der Miss BEA steht der Höhepunkt an. Um die Spannung zu erhöhen, dreht der Richter zu den Klängen von «Eye of the Tiger» noch ein paar Runden durch die Arena.

Dann tippt er Azalea von Ueli Schärz aus Aeschi an. Tosender Applaus bringt die Halle zum Beben. Eine «unvergessliche Eleganz» attestiert der Richter der Simmentaler Kuh, während aus den Boxen Tina Turner «You ’re simply the best» singt.

Berner Zeitung

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