Die Post verhandelt noch mit Coop

Uettligen

Der Gemeinderat Wohlen hat sich erfolglos gegen die Umwandlung der Poststelle Uettligen in eine Agentur gewehrt. Wann die Änderung passiert, ist offen. 

Schon heute im gleichen Gebäude: Post und Coop. Foto: Christian Pfander

Schon heute im gleichen Gebäude: Post und Coop. Foto: Christian Pfander

Hans Ulrich Schaad

Die Tage der Poststelle Uettligen sind gezählt. Das hat die Post vor knapp einem Jahr dem Gemeinderat Wohlen mitgeteilt. Die Poststelle soll durch eine Agentur mit Bedientheke im Coop ersetzt werden.

An diesem Entscheid kann auch das grosse Engagement des Gemeinderats nichts mehr ändern. Die Wohlener Exekutive gelangte an die Postcom, die den Markt überwacht, und wusste rund 2400 Personen hinter sich, die eine Petition unterschrieben hatten. Doch die Postcom hat in ihrer Empfehlung von Ende August, die der Gemeinderat erst kürzlich veröffentlichte, zugunsten der Post entschieden. 

«In der Region ist eine gute postalische Grundversorgung weiterhin gewährleistet.»Postcom?

Der Gemeinderat wies in seiner Eingabe darauf hin, dass mehrere Poststellen in der Region bereits geschlossen worden seien. Uettligen habe damit einer wichtige Funktion übernommen, über die Gemeindegrenze hinweg. Mit der Umwandlung in eine Agentur fielen wichtige Dienstleistungen weg. Der Weg zur nächsten Poststelle würde länger und umständlicher. Zudem stellte der Gemeinderat die Zahlen der Post infrage betreffend die abnehmende Rentabilität der Poststelle Uettligen.

Verhandlungen dauern an

Auf letztgenanntes Argument ging die Postcom gar nicht ein. Das sei kein Kriterium, das sie bei der Schliessung einer Poststelle berücksichtigen müsse. Dies gehöre zur unternehmerischen Freiheit. Auch bei der Erreichbarkeit gebe es nach einer Umwandlung in eine Agentur keine Probleme.

Die nächsten Poststellen (Hinterkappelen, Zollikofen, Länggasse) seien mit dem öffentlichen Verkehr innerhalb von 20 Minuten erreichbar. Alle rechtlichen Vorgaben seien erfüllt, und in der Region sei eine gute postalische Grundversorgung weiterhin gewährleistet, schreibt die Postcom. Es gibt nur ein ganz kleines Aber: In der Agentur sei ein Schild aufzustellen, das die «wartende Kundschaft im Interesse der Diskretion zur Wahrung von Distanz» auffordert.

Der Termin, wann die Poststelle in eine Agentur im Coop umgewandelt wird, stehe noch nicht fest, schreibt Mediensprecherin Antoinette Feh auf Anfrage. Zu den Verhandlungen mit Partnern nehme die Post «grundsätzlich keine Stellung». Mit der beabsichtigten Umwandlung der Poststelle, betont Antoinette Feh, profitiere die Kundschaft von attraktiven und langen Öffnungszeiten. Der Gemeinderat und die Bevölkerung würden rechtzeitig über «allfällige Veränderungen bei der Postversorgung» informiert. 

Warten auf Infos

Apropos Information: Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus) erklärt, dass er von der Post in den letzten Monaten nichts mehr gehört habe. Der Gemeinderat habe das Gespräch nicht gesucht und abgewartet, ob sich die Post meldet. Er selber habe regelmässig die Post Uettligen besucht, um allenfalls Informationen zu erhaschen, erzählt Müller.

Und auf einmal erhielt die Gemeinde doch noch elektronische Post der Post: Kurz nachdem sich diese Zeitung bei der Post über den aktuellen Stand erkundigte, erhielt die Gemeinde Wohlen eine E-Mail der Post, in der eben dieser Stand der Dinge dargelegt ist. Das Schreiben an die Gemeinde sei nicht wegen der Anfrage verschickt worden, betont Antoinette Feh. Es sei für diesen Tag programmiert gewesen. Die zeitliche Nähe sei «Zufall».

Berner Zeitung

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