Lorraine

Die Quartierbeiz darf bis 2020 bleiben

LorraineDas Haus an der Lorrainestrasse 22 mit dem Restaurant Feldschlösschen ist verkauft worden. Die Käuferin will sich mit der Sanierung Zeit lassen. Für Yvonne Schaad bedeutet dies, dass sie noch bis Frühling 2020 wirten kann.

«Felder»-Wirtin Yvonne Schaad kann bis im Frühling 2020 bleiben. Ob es danach im Haus weiterhin eine Beiz haben wird, ist offen.

«Felder»-Wirtin Yvonne Schaad kann bis im Frühling 2020 bleiben. Ob es danach im Haus weiterhin eine Beiz haben wird, ist offen. Bild: Claudia Salzmann

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Das Quartier rief «Spekulation» und geisselte den Richtpreis für das Haus an der Lorrainestrasse 22 – 1,5 Millionen Franken – als «obszön». Anwohnerinnen und Gäste des Restaurants Feldschlösschen unterschrieben 360-fach eine Petition und verlangten von der Stadt, auf die Verkäuferin einzuwirken: Der Verkauf der «Felder»-Liegenschaft wirbelte im Spätsommer einigen Staub auf. Das Haus umfasst in den zwei Stockwerken über der Beiz zwei 4½-Zimmer-Wohnungen, der Dachstock könnte zu einer weiteren ausgebaut werden.

Inzwischen ist der Handel abgewickelt, und man kann sagen: Es hätte wohl deutlich teurer werden können. Mit der Stadtwohnung Bern AG ging das Haus an eine gemeinnützige Bau­trägerin, an der die Stadt beteiligt und deren Mehrheitsaktionärin die SKV Immobilien AG ist, eine Tochter des Kaufmännischen Verbands Schweiz. Der Zweck der ursprünglich als Handwerker-Baugenossenschaft gegründeten Stadtwohnung Bern AG ist gemäss Handelsregister, preisgünstigen Wohnraum zu er­halten. «Gewinnstrebigkeit und jede spekulative Absicht» werden ausgeschlossen.

Mit 65 ist Schluss

Richtig günstig werden die Wohnungen an der Lorrainestrasse 22 nach der dringend nötigen Sanierung der Liegenschaft zwar nicht mehr sein: Laut Ruedi Tanner, Geschäftsführer der Stadtwohnung Bern AG, ist das Ziel, eine 4½-Zimmer-Wohnung inklusive Nebenkosten für unter 3000 Franken monatlich anbieten zu können. «Günstiger wird dies angesichts des notwendigen Unterhalts nicht zu machen sein.» Die Käuferin werde nur «eine moderate Rendite» erzielen, ver­sichert Tanner.

In der Lorraine dürfte man anerkennend zur Kenntnis nehmen – und die Entwicklung vielleicht auch der Petition zuschreiben –, dass im Haus keine teuren Eigentumswohnungen entstehen. Und vor allem: dass die Stadtwohnung Bern AG das weitere Vor­gehen langsam angehen will. «Vierzig Jahre lang wurde kaum etwas in das Haus investiert», so Tanner. «Da kommt es jetzt auf ein paar Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an.»

Für die «Felder»-Wirtin Yvonne Schaad heisst das, dass sie ihr Restaurant wie von ihr gewünscht bis im Frühling 2020 weiterführen kann. Dann wird sie 65-jährig sein und in Pension gehen. Sie sei glücklich über diese Entwicklung, sagt Schaad. «Ich war dankbar für den Einsatz des Quartiers und meiner Stammgäste, und jetzt bin ich es für den ange­nehmen Kontakt mit den neuen Hauseigentümern.»

Keine zweite Bieterrunde

Laut Ruedi Tanner wird die Stadtwohnung Bern AG 2018 die Haussanierung «sauber aufgleisen» und sich 2019 um die Baubewilligung kümmern. «Dann könnten wir mit den Bauarbeiten im Frühling 2020 los­legen.» Dieses Vorgehen lasse der Käuferin Zeit, die Erdgeschossnutzung für die Zeit nach der Ära Schaad in aller Ruhe zu prüfen. «Ob es wieder eine Beiz wird oder eine halb öffentliche Nutzung – wir sind sehr offen für Projekte.»

Über den Kaufpreis haben Verkäuferin und Käuferin Stillschweigen vereinbart. Tanners Aussagen lassen aber darauf schliessen, dass dieser nur wenig über dem Richtpreis gelegen haben dürfte – obwohl die von Graffenried AG, die mit dem Geschäft beauftragt war, im September gegenüber dieser Zeitung gesagt hatte, es lägen «mehrere Ange­bote wesentlich über 1,5 Millionen Franken» vor. Es habe keine zweite Bieterrunde gegeben, sagt Tanner. «Wir hätten bei einer solchen auch nicht mitgemacht.»

Auch hier darf das Quartier ­davon ausgehen, dass sein En­gagement eine gewisse Wirkung hatte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.11.2017, 22:04 Uhr

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