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Nez-Rouge-Fahrer trainieren den Ernstfall

Richtig im Auto sitzen, richtig ausweichen: Die Leute von Nez Rouge übten, wie sie in der anstehenden Festzeit ihre angeheiterten Kunden sicher heimfahren.

Voll konzentriert: Patric Flückiger muss mal die engen Kurven erwischen, mal einem Hindernis ausweichen.
Voll konzentriert: Patric Flückiger muss mal die engen Kurven erwischen, mal einem Hindernis ausweichen.
Marcel Bieri
Übung macht den Meister: Gleich zum Auftakt fahren die Freiwilligen von Nez Rouge einen Slalom.
Übung macht den Meister: Gleich zum Auftakt fahren die Freiwilligen von Nez Rouge einen Slalom.
Marcel Bieri
Er gibt den Teilnehmern per Funk Instruktionen.
Er gibt den Teilnehmern per Funk Instruktionen.
Marcel Bieri
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Auf den ersten Blick scheint die Aufgabe simpel zu sein. Zeigt das Tempomessgerät am Fahrbahnrand eine gerade Zahl an, gilt es das Hindernis rechts zu umfahren. Zeigt es eine ungerade, geht der Schwenker nach links.

Doch Patric Flückiger merkt sehr rasch, dass diese Annahme täuscht. Nicht etwa, weil er gleich auf einen Belag fahren wird, der um einiges glitschiger ist als im normalen Strassenalltag. Als er mit seinem Auto zu einer ersten Runde ansetzt, kommt er unvermittelt ins Dribbeln.

Erst soll er die gefahrene Geschwindigkeit erfassen, dann das Steuerrad in die richtige Richtung herumreissen und am Ende das Hindernis tatsächlich verfehlen – all diese Entscheide und Handlungen stehen in Sekundenbruchteilen an und sind so im ersten Anlauf fast nicht zu schaffen.

So kommt es, dass er die flexible Stange erst mal streift. Umso besser gelingt ihm die Übung bei der Wiederholung, und Schaden trägt er eh keinen davon. Immerhin bewegt er sich auf einem ­Trainingsgelände, wo Fehler erlaubt sind und Hindernisse keine Dellen an den Autos hinterlassen.

Den Sitz einstellen

Patric Flückiger ist nicht der Einzige, der zu einem Fahrtraining nach Safenwil im Kanton Aargau gereist ist. Neben dem Neuen­egger fahren an diesem Samstagmorgen 19 weitere Männer und Frauen aus dem Raum Bern auf dem Gelände des Driving Center Schweiz vor.

Eingeladen hat sie Nez Rouge: Die Organisation, die auch in der kommenden Festzeit wieder angeheiterte Leute aller Art sicher durch die Nacht nach Hause fahren will, sagt ihren freiwilligen Helfern Danke. Und verhilft ihnen gleichzeitig, ein willkommener Nebeneffekt, zu noch etwas mehr Sicherheit in dem, was sie tun werden.

Zu den Eigenheiten der Arbeit bei Nez Rouge gehört es, die Kunden in deren Auto heimzubringen (siehe Kasten). Die Fahrer setzen sich also regelmässig an ein fremdes Steuer, und da hakt Trainer Daniel Gohl gleich ein. Es sei unabdingbar, das Fahrzeug auf seine Bedürfnisse abzustimmen, sagt er.

Dabei denkt er nicht nur ans Einstellen von Rück­spiegel und Kopfstütze: ­Genauso wichtig sei es, die Lehne geradezurücken, damit sie den Rücken stütze. Weiter, die richtige Höhe des Sitzes zu finden, damit das Blickfeld der Frontscheibe möglichst gross sei. Schliesslich, das Lenkrad in den richtigen Winkel zu bringen, damit es sich leichter drehen lasse.

In einer ersten Übung kann Patric Flückiger gleich ausprobieren, was all diese Tipps bringen. Und während er durch den teils eng gesteckten Slalom fährt, erzählt er von seiner Arbeit für Nez Rouge.

Er macht die dritte Saison mit, stets im Team mit seiner Partnerin übrigens. Dazugekommen seien sie beide über jemanden, der schon länger fahre, und ja, auch heuer hätten sie sich wieder für fünf Nächte eingetragen. Unter anderem für Heiligabend und Silvester.

«Wir würden sonst eh nur fernsehen, zum Jahresende vielleicht ein paar Böller steigen lassen», sagt Patric Flückiger dazu. Weihnachten dagegen, das steht für ihn genauso fest, gehört der Familie. Im Gegensatz wohl zu anderen Fahrern ohne grosses Umfeld, die es gerade dann schätzen, unter den Leuten zu sein.

Auf den Kopf gedreht

Nun also die Übung auf dem glitschigen Belag, das Ausweichmanöver mit dem Schwenker nach links oder rechts. Für Instruktor Daniel Gohl zeigt es eindrücklich, «dass es fast unmöglich ist, mehrere Dinge gleichzeitig entscheiden zu müssen». Patric Flückiger erzählt derweil weiter, dass er bei seinen nächtlichen Einsätzen für Nez Rouge zum Glück noch nie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten sei. Das Wetter erleichtere die Sache halt auch: «Schnee gibt es mittlerweile ja meist erst nach den Festtagen.»

Trotzdem geht es später nochmals richtig zur Sache. Gohls Kollege Thomas Schwaller führt die Gruppe zu einem Simulator mit einem Auto, das sich auf den Kopf drehen lässt. Nicht alle wagen das Experiment, doch Patric Flückiger steigt mutig ein. Als er verkehrt in den Gurten hängt, soll er sich wieder befreien.

Wie das geht? Ganz einfach: Die Füsse am Armaturenbrett abstützen und sich fest in den Sitz drücken, gleichzeitig mit der einen Hand den Kopf halten und mit der anderen den Gurt lösen, zur Seite wegrollen, fertig.

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