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Die Sache mit dem Bindestrich

Warum Seftigen-Strasse? Und nicht Seftigenstrasse? Die Frage stellen sich in Wabern etliche. Selbst die Könizer Verwaltung gesteht ein, dass die Schreibweise mit ­Bindestrich den schweizerischen Gepflogenheiten eigentlich zuwiderläuft.

Überraschende Erkenntnisse: In Belp fahren die Autos auf der Seftigenstrasse...
Überraschende Erkenntnisse: In Belp fahren die Autos auf der Seftigenstrasse...
Christian Pfander
...in Wabern auf der Seftigen-Strasse...
...in Wabern auf der Seftigen-Strasse...
Christian Pfander
...in Bern wieder auf der Seftigenstrasse.
...in Bern wieder auf der Seftigenstrasse.
Christian Pfander
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Die Fahrt aus dem Gürbetal in die Stadt Bern beginnt auf der Seftigenstrasse. Setzt sich unterwegs auf der Seftigen-Strasse fort. Und endet schliesslich wieder auf der Seftigenstrasse. Alles klar?Offensichtlich nicht. An der Versammlung des Wabernleists jedenfalls drehte sich die Diskussion unvermittelt darum, wieso ein und dieselbe Strasse mal so und mal anders heisst.

Einverstanden, eigentlich geht es nur um ein Detail, um den klitze­kleinen Strich, der sich unterwegs so plötzlich zwischen die beiden Wortteile Seftigen und Strasse zwängt. Und einverstanden, ob mit oder ohne Bindestrich, ausgesprochen wird der Name immer gleich. Die Frage blieb trotzdem unentwegt im Raum stehen – wen wunderts, wenn in diesem Zusammenhang «unterwegs» nichts anderes be­deutet als Wabern, Quartier in der Gemeinde Köniz.

Die Gemeinde Köniz. Sie hat des Rätsels Lösung parat. Wer nämlich durch Berns Süden bis an den Schwarzwassergraben fährt, wird auf den kleinen blauen Strassenschildern wieder und wieder den ominösen Bindestrich antreffen. An der Köniz-Strasse im Liebefeld genauso wie an der Freiburg-Strasse in Thörishaus, an der Säge-Strasse in Köniz genau­so wie an der Halten-Strasse in Niederscherli.

Nicht aber am Inselrain in Oberwangen, am Schwendistutz in Niederwangen oder auch am Strassweidweg in Mittelhäusern.Tradition. In diesem kurzen Wort fasst der in Köniz für das Dossier verantwortliche Ivo Moser den Grund für das auf Aussenstehen­de so seltsam wirkende Durch­einander zusammen. Ohne Wenn und Aber ge­steht er ein, dass der Bin­de­strich sowohl der offiziellen Schreibweise als auch den Empfehlungen des Bundes für die Beschilderung der Strassen zuwiderläuft. Dass also die Seftigenstrasse im Gürbetal und in der Stadt Bern richtig, die Seftigen-Strasse in Wabern dagegen ei­gent­lich falsch angeschrieben ist.

Aber: Wahrscheinlich, mutmasst Moser, spiegle sich in der Könizer Schreibweise das alte Bestreben wider, mit dem Bindestrich den Kern des Namens besser zur Geltung zu bringen. In den Quartieren, wo die Strassen später benannt und mit den Endungen -rain, -stutz oder -weg versehen worden seien, hätten solche Überlegungen keine Rolle mehr gespielt.

Unique Selling Point. Der Ausdruck aus der Werbewirtschaft steht für eine Eigenschaft, durch die ein Produkt aus der Masse heraussticht. Für die Gemeinde Köniz könnte der Bindestrich im Strassennamen ein solcher USP sein, mit dem sie sich von der übrigen Agglomeration Bern ab­hebt. Trotzdem könnten die Tage dieses USP gezählt sein.

Denn Moser und sein Team überlegen sich, die alte Tradition über Bord zu werfen und konsequent auf den kleinen Strich zu verzichten. Entscheiden, wie die blauen Strassenschilder in Zukunft aussehen, wird der Gemeinderat. Hochoffiziell.

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