Die SBB versilbern eine Brache

Thörishaus

Die Überbauung mit 46 Wohnungen und einem grossen Dorfladen steht, Thörishaus hat sein neues Zentrum. Ihren Nutzen haben auch die SBB: Sie konnten eine Brache verkaufen.

Bahnhof Thörishaus Dorf: Die lang gezogene, neue Überbauung steht auf ehemaligem Land der SBB.

Bahnhof Thörishaus Dorf: Die lang gezogene, neue Überbauung steht auf ehemaligem Land der SBB.

(Bild: Stefan Anderegg)

Stephan Künzi

Maschinen und Arbeiter sind abgezogen, wieder ist Köniz etwas städtischer geworden. Diesmal in Thörishaus direkt an der Grenze zu Neuenegg: Fünf Jahre lang hat das Totalunternehmen Steiner AG auf dem Areal zwischen SBB-Trassee und Sense­matt­strasse geplant und gebaut, hat die SBB-Brache am Bahnhof Thörishaus Dorf zu neuem Leben erweckt. Dank der Überbauung mit dem klingenden Namen Zic Zac.

Jahrelang war das Areal einem Dornröschenschlaf verfallen gewesen. Nur die Baracke mit der Post sowie eine Reihe Parkplätze sorgten für Betrieb auf dem Stück Land mitten im Dorf.

Für Singles und Paare

Die Brachen – sie lassen die Bahn zu den grössten und wichtigsten Immobilienbesitzern des Landes aufsteigen. Zumal sie erst noch häufig in unmittelbarer Bahnhofnähe liegen, an Orten also, die mit Zug und Bus sehr gut erreichbar sind und in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden.

Die Behörden jedenfalls haben dies erkannt: Wenn Bern sich weiter entwickeln wolle, führte vor zwei Jahren zum Beispiel Kantonsplanerin Katharina Dobler aus, dann vor allem an den Knoten des öffentlichen Verkehrs. «Und dort sind die SBB ein entscheidender Player.»

Die Überbauung in Thörishaus zeigt augenscheinlich, wie das passieren kann. Auf den 4000 Quadratmetern, die die SBB an die Pensionskasse Previs als neue Eigentümerin verkauft haben, steht nun eine lang gezogene Überbauung mit 46 Wohnungen und Gewerbeflächen. Letztere belegt zu einem grossen Teil der Denner-Satellit, der früher in der alten Baracke jenseits der Sensemattstrasse geschäftete.

Während im Gewerbeteil noch ein kleiner Teil leer steht, sind die Wohnungen voll vermietet. Mit ihren 2½ und 3½ Zimmern zielen diese auf die Wünsche von Singles und Paaren, die ländliches Ambiente schätzen, aber in der Stadt arbeiten und froh über gute Verbindungen dorthin sind. Oder, wie Steiner-Sprecher Andreas Gurtner sagt: Zic Zac biete «attraktiven Wohnraum zwischen Stadt und Land».

Ob das Beispiel Thörishaus Appetit auf mehr macht? SBB-Sprecher Oli Dischoe lässt es offen. Im Moment seien im Raum Bern keine ähnlichen Projekte angedacht, sagt er. Um gleich nachzuschieben, dass die SBB ihr übeflüssiges Land anderswo sehr wohl in dieser Art versilbern. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Europaallee in Zürich, wo neben dem Hauptbahnhof ein neuer Stadtteil entsteht. Allerdings bauen die SBB dort selber, verzichten also auf den Verkauf der Brache.

Ostermundigen, Aebimatt

Dabei gäbe es auch in und um Bern weiteres SBB-Land, das für eine moderne, dichte Überbauung geeignet wäre. Wie in Ostermundigen, wo sich der Gemeinderat dafür einsetzte, dass die SBB ihr Bahnhofareal für mehr als nur ein Unterhalts- und In­terventions­zentrum nutzen. Allein, sein Kampf war vergebnes, und Sprecher Dischoe sagt, wieso: Wenn ein Areal für den Bahnbetrieb wichtig sei, geniesse diese Art der Nutzung Priorität.

Oder das Depot in der Berner Aebimatt: Als Ende 2013 bekannt wurde, dass die SBB den dortigen Mietvertrag mit der BLS 2019 auslaufen lassen wollen, rieben sich die städtischen Behörden bereits die Hände. Immerhin liegt das weitläufige Gelände fast so zentral wie die Europaallee, liesse sich also genauso gut in einen Wohn- und Arbeitsort umbauen. Doch auch hier traten die SBB umgehende auf die Bremse, erklärten, dass sie weiter auf das Land angewiesen seien. Genauer wird Dischoe noch heute nicht, «da Gespräche laufen».

Dann wird Dischoe allgemein, erinnert daran, dass die SBB nach dem Willen des Bundesrates ihre Immobilien «marktgerecht bewirtschaften» müssten. Das bringe Jahr für Jahr rund 150 Millionen Franken ein, die zum einen in die Infrastruktur, zum anderen in die Sanierung der Pensionskasse flössen. Zahlen zu einzelnen Projekten nennt der Sprecher keine, und so bleibt offen, wie viel Geld der Verkauf in Thörishaus in die Kasse gespült hat.

Steiner-Sprecher Gurtner betont derweil, dass Zic Zac Thörishaus ein neues Zentrum gebracht hat. Das stimmt – mit einer Einschränkung: Mit der Baracke ist die Post gleich aus dem Dorf verschwunden.

Berner Zeitung

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