Die Schüler gingen auch bei 10 Grad ins Wasser

Bis 1968 floss der «Löifu» durchs Marzili und trennte das Frauenbad vom «Bueber». Zeitzeuge Ruedi Hartmann erinnert sich das Freibad von damals.

Ruedi Hartmann erinnert sich ans vergangene Marzili.

Ruedi Hartmann erinnert sich ans vergangene Marzili.

(Bild: Nicole Philipp)

Claudia Salzmann@C_L_A

Bis 1968 existierte eine Geschlechtertrennung beim Baden, das kann man den Einteilungen des Marzilibads entnehmen: Flussaufwärts lag das Frauenbad, in der Mitte das Familienbad, unten das Männerbad mit dem «Bueberseeli». Verbunden waren sie mit dem Flussarm «Löifu». Wie historische Bilder zeigen, wurde er in mühsamer Handarbeit mit Schaufeln und Karetten ausgegraben.

Knietief im Schlamm

Die Kinder aus dem Mattequartier lernten damals im «Löifu» schwimmen, daran erinnert sich auch Ruedi Hartmann. Der 74-Jährige wuchs an der Gerberngasse auf und ging von 1952 bis 1961 in der Matte zur Schule. «Für den Schwimmunterricht wurde unsere Klasse getrennt. Die Buben gingen in den Bueber, die Mädchen ins Frauenbad», erzählt er. Der Lehrer habe den Schülern das Schwimmen beigebracht, indem er sie mit einer Rute und einem Karabiner an einem Lederring festmachte.

«Auch bei 10 Grad mussten wir ins Wasser», erinnert sich Hartmann und grinst. Er selber brachte sich das Schwimmen im «Chrotteweiher» selber bei. Damit meint er das so genannte «Akademische Bad», das im heutigen Dalmazipark war. «Wenn wir dort vom Sprungbrett hüpften, landeten wir knietief im Schlamm», so Hartmann. Idyllisch sei der Teich gewesen, mit Enten und überwachsen von Schilf.

Ruedi Hartmann erinnert sich auch daran, wie es war, als Familie ins Marzili zu gehen. Der Vater musste mit den Buben in den Bueber, die Mutter mit den Mädchen ins Frauenbad, wenn die Kinder noch zu klein für einen Aareschwumm waren. Denn im Familienbad gab es damals noch keine Becken, sondern nur die Aare als Abkühlungsmöglichkeit. Auch ein Restaurant gab es nicht, «aber wir hätten ja eh kein Geld gehabt», sagt Hartmann. Er lebt heute in Ostermundigen, ist noch immer Passivmitglied bei den Pontonieren und aktiv im Matte-Änglisch-Klub.

Soll Löifu fliessen?

In der Freizeit sei man damals wirklich nur zum Baden hergekommen und nicht auf den Pritschen rumgehangen. «Wir nutzten Melkfett als Sonnencreme. Und Sonnenschirme gab es natürlich auch keine», sagt er. An die drei Pappeln, die kürzlich aus Sicherheitsgründen gefällt wurden, erinnert er sich auch noch vage.

Gegen Ende der Schulzeit, als er und seine Kollegen gute Schwimmer waren, seien sie nicht mehr ins Marzili gegangen. Vielmehr sprangen sie bereits in der Matte ins Wasser, schwammen zum heutigen Bärenpark rüber und liefen auf dem andern Uferseite bis zum Schwellenmätteli hoch. «Doch den Respekt vor der Aare habe ich immer behalten», sagt Hartmann.

Heute zieht er für ein erfrischendes Bad das Ostermundigenbad aus geografischen Gründen vor. Der Mätteler Ruedi Hartmann erinnert sich aber gerne an seine Kindheit und die Zeit im Marzili. Dass der Löifu in Zukunft vielleicht wieder durch das Bad fliesst, begrüsst er. «Alles, was mal war, kommt irgendwann wieder.»

Berner Zeitung

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