Die Schule bleibt im Dorf

Belp

Der Belper Gemeinderat will am Dorfschulhaus festhalten und in den nächsten Jahren 70 Millionen Franken in die drei Schulanlagen stecken. Dafür sei eine Steuererhöhung unumgänglich, sagt der Gemeindepräsident.

Gemeindepräsident Benjamin Marti. Foto: Franziska Rothenbühler

Gemeindepräsident Benjamin Marti. Foto: Franziska Rothenbühler

Johannes Reichen

Auf der Karte von Google ist sie mit einem wenig schmeichelhaften Namen eingezeichnet: die «alte verranzte Mühlemattturnhalle» in Belp. Natürlich ist es nicht Gemeindepräsident Benjamin Marti (SVP), der sich diesen Spass ausgedacht hat. Aber Marti sagt, dass die Halle schon alt gewesen sei, als er noch zur Schule gegangen sei. Und das sei schon eine Weile her.

Die Turnhalle in der Mühlematt ist nur eines von vielen Beispielen für den Zustand der Belper Sport- und Schulanlagen. Mit Ausnahme des Standorts Neumatt wiesen sie «beträchtliche bauliche Defizite auf», teilte der Gemeinderat gestern mit. Geht es nach seinen Plänen, sollen sie in den nächsten zwanzig Jahren behoben werden.

Die Bau- und Sanierungsoffensive dürfte rund 70 Millionen Franken kosten. Sie ist das Ergebnis der «strategischen Schulraumplanung», die der Gemeinderat in den letzten Monaten hat erarbeiten lassen. Bis April können sich drei Kommissionen dazu äussern. Über die einzelnen Bauprojekte wird die Stimmbevölkerung an der Urne befinden.

Drei Standorte

Eine der zentralen Fragen der Planung lautete, ob das Dorfschulhaus auch in Zukunft bestehen bleibt. «Wir wollen an ihm festhalten», sagt Marti. Das über 100-jährige Haus, das sich neben dem Schloss befindet, sei ein Wahrzeichen. Dank dieses Standorts sei man in der Verteilung der Schüler auf die Standorte viel flexibler. Nun soll das Haus saniert und um ein Gebäude mit Kindergärten, Turnhalle und weiteren Schulräumen erweitert werden. Die Kosten: rund 20 Millionen Franken.

Das Neumatt-Schulhaus wiederum wurde erst vor wenigen Jahren saniert. Allerdings wird in ein paar Jahren ein Erweiterungsbau nötig. «Denn wir rechnen vor allem im Norden mit einem Bevölkerungswachstum», sagt Marti. Da befindet sich die Neumatt. Der Erweiterungsbau soll die alte Turnhalle ersetzen, die wegen eines Wasserschadens geschlossen ist. Kostenpunkt: rund 10 Millionen Franken.

Bleibt die Schulanlage Mühlematt: Sie geriet kürzlich in die Schlagzeilen, weil in manchen Räumen der Schadstoff Naphthalin festgestellt worden war. Nun ist noch offen, ob die Anlage saniert oder durch einen Neubau ersetzt wird. So oder so dürften die Kosten für die Mühlematt um die 40 Millionen betragen. Darin enthalten: der Abriss und Neubau der alten Turnhalle.

Hohe Kosten

Die Gemeinde rechnet in Zukunft mit einem Zuwachs von Schülern und auch Kindergärtelern, weshalb zwei neue Kindergartenklassen geplant sind. Die hohen Kosten seien aber nur zu einem geringen Teil auf das Wachstum zurückzuführen.

Die Finanzierung stütze sich auf drei Säulen, sagt Marti. Erstens werden die Einnahmen aus der Mehrwertabschöpfung eingesetzt. Zweitens müsse sich die Gemeinde neu verschulden. Und drittens sei eine Steuererhöhung unumgänglich. Marti: «Wir werden uns im Sommer in einer Klausur genau mit den Finanzierungsarten befassen.»

Berner Zeitung

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