Die Stadt baut im Eiltempo 25 Modulwohnungen

Bern

Wohnungsbau im Schnellverfahren: Vier Tage hat der Neubau an der Bahnstrasse 69 gedauert. Die Wohnungen werden für 600 Franken im Monat an benachteiligte Personen vermietet.

Die Wohnungen an der Bahnstrasse wurden innert vier Tagen aufgestellt.

Die Wohnungen an der Bahnstrasse wurden innert vier Tagen aufgestellt.

(Bild: Beat Mathys)

Die Wohnung Nummer 004 an der Bahnstrasse 69 im Steigerhubel ist spartanisch, aber zweckmässig: Sie besteht aus nur einem Zimmer, knapp drei Meter breit und zwölf Meter lang ist es. Mittendrin steht ein grüner Kubus mit einer Kochnische, einem Badezimmer und einem Schrank. Die Nachbarwohnung ist die gleiche, jedoch mit grauem Kubus.

Innert vier Tagen waren die 25 neuen Wohnungen zu einem dreistöckigen Neubau aufgeschichtet. Und zwar an jener Stelle, wo vor neun Monaten Besetzer einen kurz vor dem Abriss stehenden baufälligen Wohnblock besetzt hatten.

Günstiger Wohnraum

Nun können dieselben Mieter einziehen, die schon vorher dort gewohnt haben, nämlich Frauen und Männer, die sonst keine Wohnung finden würden: Drogenabhängige, Alkoholkranke, psychisch oder körperlich Behinderte. Ein Teil der Wohnungen wird ausserdem an Personen vermietet, welche die Vermietungskriterien für günstigen Wohnraum erfüllen. Die Einzimmerwohnungen kosten je nach Einkommen 540 bis 600 Franken pro Monat.

Gestern übergaben Gemeinderat Michael Aebersold und Gemeinderätin Franziska Teuscher die Wohnungen dem Verein Wohnenbern, der sie an die sozial benachteiligten Personen weitervermieten wird.

Abbau keine grosse Sache

Das neue Wohnhaus war nicht nur schnell aufgestellt, sondern auch billig: Eine Wohnung kostete die Stadt alles in allem gut 120000 Franken, das ganze Haus 3,3 Millionen Franken. Ebenso schnell wie hergebracht und aufgebaut wären die Wohnungen bei Bedarf auch wieder abgebaut und an einen anderen Ort transportiert, stellte Michael Aebersold gestern vor den Medien in Aussicht. 

Das Steigerhubelquartier gehört zum Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen. Sollte das Wohnhaus dereinst nicht mehr in die Baupläne fürs Quartier passen, wäre ein Abbau keine grosse Sache. Bevor dieser zur Diskussion stünde, dürfte es jedoch eher noch zwanzig als zehn Jahre dauern, stellte Aebersold klar. 

Solche Schnellbauwohnungen wie an der Bahnstrasse gibt es sonst noch nirgends in Bern. In den letzten Jahren hat die Stadt vor allem neue Schulhäuser, etwa auf der Munzingerwiese und im Marzili, im sogenannten Modulbau rasch hingestellt.

Dem ersten Wohnbau im Modulsystem wird in nur gerade fünf Monaten schon der nächste folgen: An der Bahnstrasse 89 ist dann ein weiterer Schnellbau mit 25 Wohnungen bezugsbereit. Wie bis vor kurzem an der Bahnstrasse 69 steht auch dort derzeit noch ein verwahrlosterzweistöckiger Block aus den Sechzigerjahren mit Einzimmerwohnungen ohne Bad, dafür mit einer Gemeinschaftsdusche im Untergeschoss. Auch diese Wohnungen hat die Stadt dem Verein Wohnenbern zur Verfügung gestellt, damit er sie an sozial Benachteiligte weitervermieten kann. Das wird mit dem Neubau so bleiben.

Waschraum und Balkon

Auch wenn die neuen Wohnungen an der Bahnstrasse keinen Luxus aufweisen, sind es vollwertige Wohnungen und keine Containerprovisorien. Sie haben eine Fussbodenheizung und sind gut isoliert.

Die Wohnungen im Parterre sind rollstuhlgängig. Auch einen Waschraum mit je drei Waschmaschinen und Tumblern gibt es. Jede Wohnung hat einen Balkon. Ausserdem betreibt der Verein Wohnenbern im Haus ein Büro, das an Werktagen nachmittags zwei Stunden offen ist für die Anliegen von Bewohnern und Anwohnern.

Berner Zeitung

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