Die Stadt löst die Handbremse beim Carterminal Neufeld

Bern

Die Stadt Bern will am bisherigen Standort im Neufeld einen neuen Carterminal bauen lassen. Bis zu 4,6 Millionen Franken soll die Stadt dafür bezahlen. Der Baustart ist im Jahr 2022 geplant.

Manchmal hats Pfützen: Der Neubau ist auf dem Areal des heutigen Carterminals geplant.

Manchmal hats Pfützen: Der Neubau ist auf dem Areal des heutigen Carterminals geplant.

(Bild: Beat Mathys)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Jetzt geht etwas: Der Gemeinderat will beim Dossier Carterminal Tempo aufnehmen. Gestern hat er bekannt gegeben, dass er sich für den Standort Neufeld entschieden hat. Auf dem Areal des bisherigen Provisoriums will er einen Terminal bauen lassen.

Es soll ein Busbahnhof mit 14 ungedeckten Haltekanten und 6 Abstellplätzen für Busse entstehen. Zudem ist der Bau eines überdachten Terminalgebäudes, von Taxiparkplätzen und Halteplätzen für Autofahrer vorgesehen, die Passagiere zum Terminal bringen.

Bei der Evaluation prüfte die Stadt 19 mögliche Standorte. Eine Variante war auch die Nutzung der Bahnhofplattform, welche heute die Postautos befahren. Dazu hält der Gemeinderat fest, dass die Höhenbeschränkungen der Zufahrt das Passieren der meist relativ hohen Reisebusse verunmöglichen.

Parkhaus AG will bauen

Die Stadt will den Busterminal nicht in Eigenregie bauen. Sie hat die Autoeinstellhalle Waisenhausplatz AG (Awag) beauftragt, die Realisierung und den Betrieb dieses Terminals an die Hand zu nehmen. Die Stadt Bern ist Mehrheitsaktionärin der Awag, sie hält 65,6 Prozent der Aktien.

Für die Realisierung des Projekts rechnet die Awag mit Baukosten von 6,6 Millionen Franken. Die AG ist indes zum Schluss gekommen, dass sich diese Investition nicht rechnet. Deshalb hat sie beim Gemeinderat einen grösseren Zustupf beantragt. Der Gemeinderat will diesen nun gewähren. Wie er mitteilte, beantragt er dem Stadtrat, dass die Stadt 70 Prozent der Baukosten, maximal jedoch 4,62 Millionen Franken bezahlt.

Rund um die Uhr offen

Die Awag will nicht nur Bauherrin des Terminals sein, sondern ihn auch betreiben. Vorgesehen ist, dass der Terminal rund um die Uhr offen ist. Die Awag plant, den Betrieb des Terminals mit dem P+R Neufeld zusammenzulegen, um so von personellen und betrieblich-technischen Synergien zu profitieren.

Jacques Chèvre, Geschäftsführer der Awag, ist überzeugt, dass es möglich sein wird, den Betrieb kostendeckend zu gestalten: «Die Stadt muss sich nicht an einem Betriebsdefizit beteiligen», verspricht er.

Das Areal des Busterminals gehört dem Bundesamt für Strassen. Das Amt ist bereit, es längerfristig der Stadt für den Betrieb eines Carterminals zur Verfügung zu stellen. Das Areal liegt ausserhalb der Bauzone und innerhalb der Baulinien der Nationalstrassen. Deshalb muss die Stadt eine Zonenplanänderung und eventuell eine Überbauungsordnung erlassen. Dazu wird das Stadtberner Stimmvolk das letzte Wort haben.

SP ist dafür

Im Stadtrat stehen die Chancen gut, dass der Kredit eine Mehrheit finden wird. Für Edith Siegenthaler, Präsidentin der SP Stadt Bern, ist klar: «Es braucht einen neuen Carterminal. Die jetzige Situation ist unbefriedigend. Uns ist es wichtig, dass sich die Busunternehmen an den Kosten beteiligen.»

Eine ablehnende Haltung aus ökologischen Gründen gegen Fernbusse ist bei der SP nicht auszumachen. Siegenthaler bringt dazu ein soziales Argument ins Spiel: «Es sind tendenziell Leute mit einem kleinen Budget, die mit einem Fernbus beispielsweise nach Osteuropa oder nach Spanien fahren. Diesen wollen wir den heutigen Terminal nicht länger zumuten.»

Die Grünen beurteilen den Bau eines Carterminals «kritisch», wie Co-Präsidentin Rahel Ruch sagt. Die Wahl des Standorts begrüssen sie dagegen.

Endlich tut sich was

Die bürgerlichen Parteien und die Grünliberalen fordern seit langem, dass die Stadt beim Bau eines Carterminals vorwärtsmacht. Die Stadträtinnen Barbara Freiburghaus (FDP), Milena Daphinoff (CVP) und Marianne Schild (Grünliberale) haben im Jahr 2017 mit Vorstössen mehr Tempo verlangt.

«Endlich tut sich etwas bei der traurigsten Visitenkarte für Bern-Besuchende!», freute sich entsprechend die CVP gestern in einer Medienmitteilung.

Skeptischer Grossrat

Die schleppenden Fortschritte waren schon im Grossen Rat ein Thema. BDP-Grossrat Bernhard Riem hat im 2015 verlangt, dass der Regierungsrat bei den Verantwortlichen interveniert. Er freut sich, dass nun etwas geht.

Doch er bleibt skeptisch: «Ich habe den Eindruck, dass die Stadt den Bau eines Carterminals bewusst verzögert hat.» Er vermutet, dass die drohende Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr dabei eine Rolle spielt.

Berner Zeitung

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