Die überraschende Seite der Aliki Panayides

Ostermundigen

Die bekannte SVP-Funktionärin ist auch eine passionierte Sammlerin. Und eine Kunsthandwerkerin,deren Tonfiguren bis nach Japan und in die USA verkauft werden.

Eine Leidenschaft der Sammlerin Aliki Panayides sind Miniatur-Chalets aus Holz.  Fotos: Christian Pfander

Eine Leidenschaft der Sammlerin Aliki Panayides sind Miniatur-Chalets aus Holz.  Fotos: Christian Pfander

Man kennt Aliki Panayides als Geschäftsführerin der bernischen SVP. Als Ostermundiger Gemeinderätin. Als Frau, die sich für weniger Zuwanderung einsetzt, «damit die Schweiz auch morgen noch Schweiz ist». Sie steht oft in der Öffentlichkeit; an Veranstaltungen, in den Medien. Vielleicht auch deshalb gibt es «viele Leute, die denken, für mich gebe es nur die SVP und die Politik».

Über die Festtage hat der Politbetrieb geruht. Die 54-Jährige mag diese Zeit – um in ihrem Zuhause zu bleiben, das einen fasziniert, kaum hat man es betreten. Denn an den Wänden hängt eine Fülle an Sammlerstücken. Gemalte Bilder im Treppenhaus. Archäologische Fundstücke im Esszimmer. Verzierte Keramikteller aus aller Welt zwischen Ess- und Wohnzimmer. Und das ist erst der Anfang, der erste Eindruck. «Ich bin ein Sammlertyp, ganz klar», sagt sie. «Aber nehmen Sie doch erst einmal Platz.»

«Alikis Art»

Aliki Panayides ist in Bern aufgewachsen, ihr zypriotischer Vater und ihre Schweizer Mutter führten zwei Hotels. Menschen aus aller Welt gingen dort ein und aus, besonders fasziniert haben sie Frauen mit fremdartigen farbigen Gewändern. So begann sie schon in jungen Jahren, Tonfiguren herzustellen und ihnen genauso farbige Gewänder aufzumalen.

Diese verkaufte sie in der Berner «Chramere», einem Kellerladen an der Kramgasse. Irgendwann brachte sie der «Chramere»-Besitzer auf die Idee, auch Figuren mit einheimischer Kleidung herzustellen, mit Tracht und Mutz zum Beispiel. Diese kämen bei den Touristen gut an.

Eine Schublade voll sauber gestapelter Häuser. Die ausgebildete Archäologin hat ein Flair für Kleinformate.

Heute stellt Panayides allerlei Tonfiguren her: Krippenfiguren, Tiere, Schneemänner, Trachtenfrauen. Sie sind nur wenige Zentimeter klein, doch steckt in ihnen eine grosse Arbeit. Das kann erahnen, wer zum Beispiel einen Küher in die Hand nimmt, der links und rechts eine Treichel trägt. Alleine die farbigen Riemenstickereien der Treichel aufzumalen, dürfte wohl fast Stunden gedauert haben. Bis abends spät arbeitet sie jeweils an den Figuren, dazu hört sie Fernsehen.

Ihre Figuren vermarktet Panayides unter anderem über den Instagram-Account @alikis_art, die Käuferschaft reicht bis nach Japan und in die USA. Jedes Jahr hat sie zudem einen Stand am Ostermundiger Weihnachtsmarkt. Dann bringt sie an ihren Figuren ein Preisschild an, «14.–» zum Beispiel.

Wenn dann jemand am Stand ist und die Figuren anschaut, «ist es mir manchmal fast peinlich, so viel zu verlangen». Dann sagt sie guten Kunden schon mal, sie sollen nur 10 Franken geben. «Mich zu verkaufen», sagt Aliki Panayides, «gehört eher nicht zu meinen Stärken. Auch in der Politik nicht.»

Chalets im Miniaturformat

Ebenso gross wie Panayides’ Leidenschaft für Tonfiguren ist ihre Begeisterung für Miniatur-Chalets. Weit über 100 Stück hat sie bereits gesammelt, alle sorgfältig aufbewahrt in einer Holzkommode. Es sind kleine Kunstwerke aus Holz, in Brienz oder anderswo von Hand hergestellt und originalgetreu bis ins Detail bemalt.

Den Küher mit Kuhglocken hat Panayides selber gestaltet.

«Mich fasziniert die Schönheit des Objekts», sagt Aliki Panayides. Ihr erstes Miniatur-Chalet habe sie vor langer, langer Zeit auf einem Flohmarkt entdeckt. 7 Franken habe es gekostet, und etwas defekt sei es gewesen. «Ich dachte: ‹Das kriege ich schon wieder hin.›» Was denn auch stimmte. Und schon war die Chalet-Leidenschaft geboren.

Möglichst viele Wände

Panayides ist promovierte Archäologin. Sie sagt von sich, sie habe gerne den Überblick. Deshalb sammelt sie Dinge im Klein- und Kleinstformat: Briefmarken, Kaffeerahmdeckeli, Trachtenbäbi. Schon ihre Grossmutter habe das Sammler-Gen gehabt. Ihre Leidenschaft galt vor allem Bauernmöbeln, namentlich Stühlen mit aufwendig besticktem Stoffbezug.

Einige von ihnen stehen jetzt bei Aliki Panayides, die seit gut 20 Jahren in einem Reihenhaus in Ostermundigen lebt. Bei der Haussuche spielte damals vor allem die Anzahl der vorhandenen Wände eine Rolle. «Sodass ich möglichst viele Dinge ausstellen kann.»

«Ich glaube, ich könnte gut ohne Politik leben», sagt Aliki Panayides. Die Holzchalets und ihre Sammlungen würde sie aber nicht hergeben. Um keinen Preis der Welt.

Berner Zeitung

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