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Die Unfallserie im Erlebnisbad Bernaqua reisst nicht ab

Der rutschige Boden im Bernaqua gibt weiterhin zu reden. Jüngst haben dort zwei Frauen bei einem Sturz den Arm gebrochen. Im Erlebnisbad Alpamare in Pfäffikon ist man über die hohe Unfallrate im Westside erstaunt.

Christine Schmocker aus Oberthal ging an ihrem 65.Geburtstag im Westside baden, nachdem sie von ihrem Göttibuben einen Eintritt geschenkt bekommen hatte. Die pensionierte Kindergärtnerin rutschte auf dem glitschigen Boden aus und fiel hin. «Es zog mir die Füsse unter dem Körper weg», erzählt sie. Beim Sturz brach Christine Schmocker den rechten Arm oberhalb des Handgelenkes. Eine Freundin brachte die Verletzte in die Permanence-Notfallstation in Bümpliz. Von dort wurde sie dann ins Spital nach Langnau verlegt, wo die Fraktur in einer Operation mit Schrauben fixiert werden musste. Seitdem ist das Bernaqua-Opfer in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. «Ich kann die Gartenarbeiten zu Hause nicht mehr selber erledigen», klagt sie.

Der Sturz kostet sie Geld: «Ich muss den Gärtner und die Haushalthilfe sowie die Reisekosten für die Therapie nach Bern selber bezahlen», sagt sie. Bisher habe sie wegen des Unfalls über 3000 Franken ausgegeben.

Teurer Unfall

Sie sei von der Bernaqua-Betreiberin Migros enttäuscht, weil diese jede Schuld von sich weise. «Leider müssen wir Sie in dieser Angelegenheit an Ihre Unfallversicherung verweisen», schrieb die Genossenschaft Migros Aare in einem Brief an Christine Schmocker.

Einige Wochen später bekam Christine Schmocker auch von der Zürich-Versicherung, bei der die Genossenschaft Migros Aare versichert ist, negativen Bescheid: «Eine entsprechende Sorgfaltspflichtverletzung () ist nicht bekannt (). Aus diesem Grund lehnen wir die Haftung seitens der Migros ab.»

Diese Antwort macht Christine Schmocker wütend: «Ich habe bei meinem Besuch im Bernaqua keinen Fehler gemacht», sagt sie. Sie sei eine geübte Schwimmerin und wisse, wie man sich in einem Bad zu verhalten habe. «Schliesslich habe ich als Kindergärtnerin Hunderten von Kindern das Schwimmen beigebracht.» Jetzt will sie rechtliche Schritte gegen Bernaqua unternehmen. «Ich werde Anzeige erstatten», sagt sie. Auf Anfrage dieser Zeitung sagt Westside-Kommunikationsleiterin Andrea Grepper: «Laut Gesetz muss ein solcher Vorfall zuerst bei der eigenen Versicherung gemeldet werden.» Doch Grepper verspricht: «Wir schauen den Fall nochmals an.» Die Migros zeigt sich üblicherweise kulant.

Das andere Sturzopfer, Sabina Gabi aus Ins, die im Bernaqua den linken Oberam gebrochen hat, reichte gestern auf dem Polizeiposten Erlach eine Anzeige ein: «Bernaqua muss zur Rechenschaft gezogen werden, weil ich keinen Fehler gemacht habe», argumentiert sie. Für die 57-jährige Mentaltrainerin und Krankenschwester ist klar: «Die glitschigen Böden im Bad sind lebensbedrohlich.» «Meine Tochter hatte mich gewarnt, dass es glitschig sei, deshalb war ich überaus achtsam», sagt sie. Trotzdem glitt sie aus und fiel auf die linke Schulter. «Ich spürte kaum erträgliche Schmerzen.» Die Sanitätspolizei Bern brachte sie ins Salem-Spital. Sie hatte sich beim Sturz den Oberarm gebrochen. Die zwei Tage und drei Nächte, die sie im Spital verbrachte, seien für sie schlimm gewesen. «Nach der Entlassung konnte ich nicht arbeiten.» Seither ist sie bei einem Orthopäden und beim Hausarzt in Behandlung. Die Schmerzen und Einschränkungen ihrer Beweglichkeit machen ihr zu schaffen.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung hatte Westside-CEO Anton Gäumann nach einem Testlauf erstmals die von den Böden ausgehende Gefahr im Bernaqua erwähnt. Mittlerweile sind in einem Jahr 57 Badegäste darauf ausgerutscht und mussten medizinisch versorgt werden.

Alpamare: Weniger Unfälle

«Jeder Unfall ist einer zu viel», sagt Westside-Sprecherin Andrea Grepper, ehe sie erwähnt, die Relationen müssten dennoch beachtet werden: «Täglich besuchen 1000 bis 1200 Gäste das Bad, und der Grossteil der 57 Gestürzten hat sich nur leicht verletzt.» Im Alpamare in Pfäffikon allerdings reagiert man erstaunt über die Unfallrate im Bernaqua. Auch im Alpamare würden Gäste hie und da ausrutschen und sich leicht verletzen, erfährt man bei einem Anruf auf der Marketingabteilung. «Aber es sind weit weniger als 50 pro Jahr.»

Ständige Optimierung

Andrea Grepper sagt: «Unsere Böden erfüllen die gesetzlichen Auflagen.» Dennoch seien sie bestrebt, deren Rutschfestigkeit ständig zu optimieren. «Seit kurzem wenden wir ein Reinigungsverfahren an, das die Böden beim Putzen rauer macht», sagt Andrea Grepper. Zudem hätten sie bei den Treppen ein Geländer montiert, beim Übergang von der Nass- zur Trockenzone sei der Boden beschichtet worden. «Das Tragen von Badelatschen empfehlen wir in Saunabereich», sagt Grepper. Eine Tragpflicht werde es jedoch ebenso wenig geben wie flächendeckende Gummimatten auf dem Boden. «Matten sind aus Hygienegründen nicht machbar.»

Für Sabina Gabi ist es unverständlich, dass die Migros so wenig unternehme, um weitere Unfälle zu vermeiden. Ihrer Meinung nach sollte die Sicherheit im Bad wichtiger sein als die architektonische Schönheit. «Migros-Gründer Duttweiler würde sich im Grab umdrehen, wenn er dies sehen könnte.»

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