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Die Wattenwiler atmen auf

Das Dörfli Wattenwil darf wahrscheinlich doch zu einer Weilerzone werden. Damit dürften ehemalige Bauernhäuser umgenutzt werden.

Ein Wechsel von der Landwirtschafts- in die Weilerzone brächte Wattenwil einige Vorteile. Foto: Raphael Moser
Ein Wechsel von der Landwirtschafts- in die Weilerzone brächte Wattenwil einige Vorteile. Foto: Raphael Moser

Ueli Liechti macht wieder einen zufriedenen Eindruck. «So, wie es aussieht, kann sich unser ­Dörfli doch noch weiterentwickeln und wird nicht zu einem zweiten Ballenberg», sagt er.

Der pensionierte Landwirt lebt in Wattenwil, einem Weiler oberhalb von Worb. Hier reicht die Aussicht vom Bantiger bis zum Chasseral, die Bauernhäuser mit der typischen Ründi und den grossen Dächern sind sehr gepflegt. Entsprechend ist das Dörfli im Bundesinventar als «Ortsbild von nationaler Bedeutung» eingestuft. Alles war gut – bis die Ortsplanungsrevision der Gemeinde Worb startete. Laut dieser sollte Wattenwil nämlich in der Landwirtschaftszone bleiben und nicht, wie die Bewohner möchten, zu einer Weilerzone werden.

«Neue Erkenntnisse»

Früher war Wattenwil ein typisches Bauerndorf. Doch heute wird mehr als die Hälfte der Häuser nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Da die Gebäude aber nach wie vor in der Landwirtschaftszone liegen, darf ihre Nutzfläche nicht erweitert werden. Auch der Einbau von Wohnungen ist nur unter strengen Voraussetzungen möglich. «So besteht für Nichtlandwirte kaum ein Anreiz, in ihre Häuser zu investieren», sagt Liechti. Für ihn ist klar: So würde Wattenwil zum Freilichtmuseum.

Deshalb erhoben sechs Wattenwiler Hausbesitzer eine ­Sammeleinsprache gegen die Ortsplanungsrevision. Sie hätten dabei «neue Erkenntnisse eingebracht, welche eine Neubeurteilung des Sachverhaltes rechtfertigen», schreiben die Gemeindebehörden. Konkret legten Liechti und die übrigen Einsprecher dar, dass die kantonalen Vorgaben betreffend Weilerzone in Wattenwil sehr wohl erfüllt sind. Im Dörfli hat es sechs nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Wohnhäuser, die innerhalb einer Rufdistanz von 30 Metern stehen. Ursprünglich sagten die Behörden Nein zur Weilerzone, weil sie von lediglich drei nicht landwirtschaftlichen Häusern ausgingen. Laut Gesetz braucht es mindestens fünf.

«Sorge tragen»

Nun sind die Wattenwiler Chancen deutlich gestiegen. «Das Verfahren läuft noch. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden», sagt der Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP). Aus einer Aktennotiz geht hervor, dass die kantonale Denkmalpflege angesichts der neuen Erkenntnisse der Weilerzone Wattenwil zustimmen wird. Auch das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung wird die Sache neu beurteilen. Zuerst aber müssen noch die anderen Einsprachen zur Worber Ortsplanungsrevision bereinigt werden (siehe Kasten). Voraussichtlich im Juni wird auch noch das Worber Parlament darüber abstimmen.

Falls die Weilerzone durchkommt, wird in Wattenwil nicht wild drauflosgebaut. Davon ist Ueli Liechti überzeugt. «Wir müssen zu unserem Dörfli Sorge tragen», sagt er. «Aber Sorge tragen ist nicht das Gleiche wie zu Tode schützen.»

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