Die Wohninitiative kommt vors Volk

Muri

Preisgünstige Wohnungen sollen bei Neubauten Pflicht sein. Das fordert eine Initiative, über welche die Muriger in rund anderthalb Jahren abstimmen werden.

Die Wohnüberbauung Obstgarten in Muri. (Archivbild)

Die Wohnüberbauung Obstgarten in Muri. (Archivbild)

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Albrecht

Nach Bern und Köniz befasst sich bald auch Muri mit preisgünstigen Wohnungen. Solche sollen bei Neubauten künftig Pflicht werden. Das fordern die SP und die Grünen. Im Juni haben sie deshalb die Gemeindeinitiatve «Bezahlbares Wohnen in Muri-Gümligen» lanciert.

Schon jetzt, zwei Monate vor der Sammelfrist, sind die erforderlichen Unterschriften von mindestens zehn Prozent der Stimmberechtigten zusammengekommen. Gestern haben die beiden Parteien die bereits beglaubigten rund 950 Unterschriften auf der Gemeindeverwaltung eingereicht.

«Leute haben Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum»

Dass sich ausgerechnet im bürgerlich-liberal geprägten Muri derart schnell so viele Unterstützende finden liessen, ist für ein linkes Begehren wie der Wohninitiative nicht ganz selbstverständlich. Carole Klopfstein, grüne Parlamentarierin und Mitglied des Initiativkomitees, erklärt sich das mit dem Wohnraummangel, der mittlerweile auch in Muri bemerkbar sei. Wohnungen seien immer knapper vorhanden, das drücke die Preise rauf. «Ein grosser Teil der Bewohnerinnen und Bewohner spürt diesen Druck.» Das grosse Echo auf die Unterschriftensammlung zeige, dass die Leute «absolut ein Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum» hätten.

Klopfstein rechnet damit, dass das Muriger Stimmvolk in rund anderthalb Jahren über die Initiative abstimmen wird – vorausgesetzt, sie ist juristisch überhaupt umsetzbar. Denn sowohl die Wohninitiative in der Stadt Bern als auch jene in Köniz, die beiderorts an der Urne angenommen wurden, sind nach wie vor Gegenstand von Gerichtsprozessen.

In beiden Fällen hatte der Hauseigentümerverband den Gang durch die Instanzen angetreten, weil er die Vorlage für einen unzulässigen Eingriff in den privaten Besitz hielt. Die Berner Wohninitiative liegt derzeit beim Bundesgericht, jene von Köniz beim kantonalen Verwaltungsgericht.

20 Prozent preisgünstige Wohnungen

«Die Gerichtsentscheide werden sicherlich einen Einfluss auf unsere Wohninitiative haben», sagt Carole Klopfstein. Sie hofft auf einen Präzedenzfall im Sinne ihres Anliegens. Ungeachtet der Entwicklung in den Nachbarsgemeinden, sehen die Initianten in Muri eine etwas abgeschwächte Variante vor. Klopfstein nennt es «einen Kompromiss aufgrund des bürgerlichen Umfelds».

Konkret soll die Pflicht zum preisgünstigen Bauen erst ab einer Gesamtwohnfläche von 4000 Quadratmetern zum Tragen kommen. Zudem sollen lediglich 20 Prozent statt wie in Bern und Köniz 30 Prozent für die preisgünstige Miete reserviert sein.

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