Was wird aus dem Berghaus Gurnigel?

Im nächsten Frühling verlässt das Wirtepaar Thierstein nach 44 Jahren das Restaurant auf dem Gurnigel. Jetzt sucht der Bund einen Käufer. Einen Interessenten gibt es bereits.

Das Berghaus Gurnigel soll auch künftig als Restaurant und Hotel genutzt werden.

Das Berghaus Gurnigel soll auch künftig als Restaurant und Hotel genutzt werden.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Am 31. März 2017 ist Schluss. Dann werden Anita und Ueli Thierstein das Berghaus Gurnigel nach 44 Jahren verlassen. Die Eigentümerin Armasuisse Immobilien hat den Pachtvertrag mit dem Wirtepaar laut Sprecher Kaj-Gunnar Sievert «einvernehmlich» auf diesen Termin hin gekündigt.

Im Frühling hatten Thiersteins noch selbst das Angebot erhalten, das Berghaus zu kaufen. Sie schlugen es aus, auch der Sohn hatte kein Interesse. Wirt Thierstein sagt: «Ich bin jetzt 66-jährig. Es ist Zeit, aufzuhören.» Näher will er sich derzeit nicht zum Abschied äussern.

Viele Plätze, viele Betten

Das Berghaus Gurnigel liegt auf knapp 1600 Metern über Meer in der Gemeinde Riggisberg. Früher wurde es von der Armee als Truppenunterkunft benützt. Schon seit zwanzig Jahren ist die Zukunft ungewiss, steht ein Verkauf des Hauses zur Diskussion. Nun bestätigt Sprecher Sievert: Der Bund will das Haus im Baurecht verkaufen, das Land verbleibt in seinem Besitz.

Das Restaurant zählt 80 Plätze, hinzu kommen ein Saal für 150 Personen und eine Terrasse für 250 Plätze. Das Hotel verfügt über Zimmer für drei, vier, acht, zwölf sowie dreissig Personen. Insgesamt stehen 180 Betten zur Verfügung. Laut Sievert soll das Berghaus auch künftig über ein Restaurant und Betten verfügen. Ansonsten teilt er schriftlich mit: «Über Ideen von möglichen zukünftigen Nutzern können wir uns nicht äussern.»

Im Auftrag von Armasuisse sucht nun die Berner Hotelberaterin Liliane Rentsch nach Lösungen für das Berghaus. Auch sie gibt keine Auskunft.

Käserei im Berghaus?

Involviert in die Planung ist auch der Naturpark Gantrisch. «Wir haben uns in der Region umgehört, welche Ideen für das Berghaus vorhanden sind», sagt Geschäftsführer Christoph Kauz. Wie sich herausstellte, gibt es eine Gruppe, die sich stark dafür interessiert, das Berghaus weiterzubetreiben. Sie will eine öffentliche Käserei einrichten.

Für dieses Ziel haben sich vor einem Jahr zwei Gruppierungen zusammengeschlossen. Einerseits die Interessengemeinschaft Alpmilch Gantrisch, ein Zusammenschluss von rund zehn Alpbewirtschaftern in der Region, und anderseits die Organisation Schwarzsee Tourismus. «Unser Ziel ist es, dass wir die Milch, die im Sommer anfällt, vor Ort zu einem besseren Preis veredeln und vermarkten können», sagt Andreas Schmutz, Initiant des Projekts und Präsident der IG.

Der Preis entscheidet

Zuerst hatte die Gruppe für ihr Projekt die untere Gantrischhütte im Visier, die vom Bund schon seit längerer Zeit zum Verkauf ausgeschrieben ist. Doch nun erweise sich das Berghaus als geeigneter für eine Schaukäserei, da es beispielsweise auch über Kellerräume verfügt. Die Chancen für das Berghaus stünden deshalb besser, sagt Schmutz: «Aber es ist noch nichts spruchreif.»

Letztlich sei der Kaufpreis ausschlaggebend für das Käserei-projekt. «Ich hoffe, dass uns der Bund entgegenkommt und einen guten Preis anbietet.» Derzeit erarbeite die Gruppe einen Businessplan. Weder die IG noch die Tourimusorganisation könnte das Projekt alleine stemmen. Zusammen aber stünden die Chancen gut. Die Liegenschaft sei in einem sehr guten Zustand, die Betriebskosten seien allerdings hoch. «Wir sind auf Geldgeber angewiesen.» Wie die künftige Organisation aussehen könnte, wer etwa das Restaurant betreibt, das sei noch offen.

Hoffen auf kurze Pause

Laut Naturpark-Geschäftsführer Kauz soll sich der Charakter des Berghauses nicht grundsätzlich ändern. Neben der Käserei, dem Restaurant und Hotel soll es weiterhin als Kursort oder Standort für die Vermietung von Langlaufskiern oder Trottinetten dienen.

«Für uns ist es sehr wichtig, wenn das Berghaus weiter existieren könnte», sagt Kauz. Er hofft auf einen nur kurzen Unterbruch nach dem Abschied von Thiersteins.

Berner Zeitung

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