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Digitale Preisschilder im Test

Ab heute probiert die Migros im Westside und in Zollikofen Preisanschriften am Regal aus. Auch elektronische Schilder werden getestet. Die Kunden nehmen es gelassen zur Kenntnis, nervös ist aber der orange Riese selbst.

Eine junge Frau steht am Freitagnachmittag in der Westside-Migros vor den Getränken. An einer Schiene am Regal hängen Vorrichtungen, in die später die Preisetiketten für die Ice-Teas, Mineralwasser und Fruchtsäfte geschoben werden. Im Moment sind die Plastikanhänger noch leer – erst bei rund 30 Prozent aller Produkte hat die Migros Westside auf das neue System umgestellt. Ab heute sollen aber überall die Preise an den Regalen stehen. «Ich finde die Änderung schade», sagt die junge Frau bei den Getränken, die Michelle Bärtschi heisst. «Für mich waren die Preise direkt auf den Verpackungen ein Grund, nicht zur Konkurrenz zu gehen. Denn ich konnte daheim nachschauen, wie viel ich wofür gezahlt hatte.» Alexander Brechtbühl, der neben ihr steht, zuckt mit den Schultern: «Mir ist das egal.»

Alles läuft vollautomatisch

Offiziell beginnt die rund halbjährige Testphase für das neue System heute: In insgesamt 22 Betrieben in der ganzen Schweiz probiert die Migros aus, wie Preisanschriften am Regal ankommen. Im Kanton Bern machen die Filialen im Westside und in Zollikofen mit.

Im Lauf des nächsten Jahres wird der Grossverteiler die Kosten für ein Produkt gar nicht mehr auf den Verpackungen angeben. Doch um die Kundinnen und Kunden nicht vor den Kopf zu stossen, existieren in den Testbetrieben beide Varianten nebeneinander.

Die Migros prüft dabei auch elektronische Schilder. Auf kleinen Flächen, die an die Anzeigen eines Digitalweckers erinnern, stehen Preis und Produktname. Das MElectronics im Westside ist bereits seit einer Woche damit ausgerüstet. «Bei allen kleineren Produkten wie Computerzubehör, Batterien, Druckerpatronen und Haushaltgeräten verwenden wir die Schilder», erklärt Fachmarktleiter Bruno Luginbühl. «Für uns ist diese Lösung viel einfacher. Bisher mussten wir vor Ladenöffnung immer checken, ob wir alle Preisabschläge angegeben hatten, und eventuell neue Etiketten aufkleben.» Nun erfolgen Anpassungen automatisch – von der Marketingstelle in Zürich aus.

Gute Augen sind nötig

Was halten die Kunden von der elektronischen Option? «Solange der Preis stimmt, stört mich das nicht», meint Guido Perrelet lachend. «Aber die Anzeigen müssten schräger angebracht sein, dann wären sie besser lesbar.» Auch seine Frau Marianne sieht hier ein Problem: «Es spiegelt. Schlechter dürfte die Lesbarkeit sicher nicht sein.»

Preise ändern nicht ständig

Die Migros hat noch nicht entschieden, ob sie in ihren Verkaufsstellen auf Elektronik setzen will. Die Kundin Corinne Augsburger findet: «Die digitale Lösung ist ökologisch sinnvoller als Papieretiketten.» Ganz anders sieht dies Kai Münger, der mit einem Kollegen im MElectronics stöbert: «Das Gerät verbraucht doch Energie.»

Ob digital oder nicht, es wird in Zukunft nicht so sein, dass die Preise stündlich ändern. «Die digitalen Daten werden jeweils nachts per Funk übermittelt», erklärt der Migros-Sprecher Urs Peter Naef auf Anfrage. Sie können also höchstens einmal pro Tag angepasst werden. Neue Preisschilder aus Papier würden morgens in jeder Filiale ausgedruckt und an der richtigen Stelle angebracht. Es ist auch nicht vorgesehen, dass alle Produkte jeden Tag plötzlich mehr oder weniger kosten: Im Schnitt sind laut Naef täglich rund 20 Produkte betroffen.

Nervös ohne Grund?

Die Migros erhofft sich vom neuen System vor allem mehr Flexibilität und Einsparungen. Bis zu 30 Millionen Franken dürften es pro Jahr sein. Dieses Geld will der orange Riese nach eigenen Angaben den Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben.

Doch obwohl die Migros nur vollzieht, was alle anderen Detailhändler in Europa schon lange machen, zeigt sich bei ihr eine gewisse Nervosität. So gibt sich die Genossenschaft Migros Aare sehr zugeknöpft bei Anfragen zum Testbetrieb. «Alle Auskünfte erfolgen über Zürich», heisst es. Auch im Westside werden die Journalisten zwar freundlich begrüsst, doch offizielle Informationen von den oberen Chargen gibt es keine. Dabei zeigt der Blick auf den Rivalen Coop, dass der orange Riese kaum Konsequenzen befürchten muss: «Als wir im Jahr 2001 unsere Preise nur noch am Regal anschrieben, waren die Leute sehr skeptisch. Doch heute sind sie sich der Vorteile bewusst», sagt Coop-Mediensprecherin Denise Stadler.

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