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Ein Dorf versorgt sich selber

Um eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf zu erhalten, gründeten Bewohner ihren eigenen Laden. Möglich machen das Projekt Freiwilligenarbeit und viel Idealismus – sowie ein Sortiment, das sich vom Supermarkt abgrenzt.

Sie schmeissen den Laden, Dutzende andere helfen mit: Simone Conrad (l.) und Antonia Miethig.
Sie schmeissen den Laden, Dutzende andere helfen mit: Simone Conrad (l.) und Antonia Miethig.
Raphael Moser

Vor ein paar Jahren noch, da hatte es in Mittelhäusern eigentlich alles, was es in einem Dorf mit nicht einmal 1000 Einwohnern so braucht. Eine Post. Eine Beiz. Ein Lädeli. Und sogar eine Käserei.

Zuletzt bekam der Könizer Ortsteil jedoch zu spüren, was es in der heutigen Zeit bedeutet, ein kleiner, aber gut erschlossener ländlicher Vorort einer grösseren Stadt zu sein. Nämlich, dass die Leute zwar gerne dorthin wohnen gehen. Gearbeitet, eingekauft und konsumiert wird aber im städtischen Gebiet.

In Mittelhäusern hatte dies zur Folge, dass von der Post über das Restaurant bis zur Käserei alles dichtmachte. Vor rund einem Jahr gab mit der Jägerbäckerei schliesslich auch noch das allerletzte Lädeli nach 44 Jahren Geschäftstätigkeit auf.

Kunden arbeiten mit

Das Schicksal von Mittelhäusern als Schlafdorf schien besiegelt – bis die Bevölkerung aktiv wurde. Aus ein paar Dorfbewohnern, die sich laut eine Nachfolgelösung wünschten, wurde bald eine Gruppe, aus der Gruppe schliesslich ein Verein.

Dieser sammelte Ideen für neue Konzepte, führte im Dorf Umfragen durch und setzte sich mit lokalen Lebensmittelproduzenten in Verbindung. Nur ein paar Monate später, im Oktober 2017, eröffnete in der ehemaligen Bäckerei schliesslich ein neuer Dorfladen.

Was damals als Experiment ins Leben gerufen wurde, ist nunmehr seit über einem halben Jahr am Laufen. Nur: Wieso funktioniert das alles auf einmal? Gründe dafür gibt es mehrere. Einer liegt im alternativen Konzept des Ladens. Denn dieser wird nicht etwa von einem einzelnen Betreiber geführt und getragen, sondern gleich von 120 Dorfbewohnern.

Alles ist noch ein Experiment.

Bruno Schmucki, Vorstand

Sie alle sind Mitglieder des Dorfladen-Vereins und bezahlen 100 Franken pro Jahr. Damit sichern sie die Miete des Ladens. Unter den Vereinsmitgliedern hat es zudem zahlreiche Freiwillige, die abwechslungsweise im Laden arbeiten. «Ohne sie ginge es natürlich nicht», sagt Bruno Schmucki vom Vereinsvorstand.

Möglich ist dieses Konzept nur, weil die Öffnungszeiten sehr eingeschränkt sind. So hat der Laden unter der Woche nur rund zwei Stunden pro Tag jeweils um die Feierabendzeit sowie am Samstagmorgen geöffnet. Dies hat ­jedoch System.

«Es zeigte sich, dass ein geöffneter Laden vor allem rund um die Pendlerzeiten Sinn macht», so Schmucki. Nur dann also, wenn die Leute von der Arbeit nach Mittelhäusern zurückkehren und im Laden gleich neben dem Bahnhof noch rasch einkaufen können.

Weniger ist mehr

Der Schlüssel zum erfolgreichen Selbsthilfe-Dorfladen dürfte das Sortiment sein. Es beschränkt sich auf frisches Brot, Gemüse, Früchte, Milch und Käse sowie ein paar vereinzelte Liebhaberprodukte wie Schokolade oder Trockenwürste. «Die Idee ist, die Grundversorgung sicherzustellen», so Schmucki.

Bei allem anderen überlassen die Initianten das Feld bewusst den Grossverteilern. «Uns ist klar, dass wir preislich und vom Angebot her nie mit einem Supermarkt mithalten können.» Das sei aber auch nicht das Ziel. Der Laden soll vielmehr die Möglichkeit bieten, den Grosseinkauf noch mit frischer Ware aus ausschliesslich regionaler Produktion zu ergänzen. «Zudem geht es uns auch um einen sozialen Treffpunkt.»

Das Konzept scheint aufzugehen. Seit März beschäftigt der Verein mit dem Geld, das durch den Verkauf reinkommt, zwei Frauen zu je 20 Prozent. Sie beziehen die Ware bei lokalen Produzenten und leiten den Betrieb. Die freiwillige Mithilfe ist aber nach wie vor nötig.

Ein Laden, bei dem die Kunden die Miete mitzahlen und selber anpacken müssen: Kann das auf Dauer gut kommen? Im Moment funktioniere es, sagt Schmucki, wenn auch «häb-chläb». «Alles ist immer noch ein Experiment.»

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