Ein Haustyp für Ostermundigen

In Zukunft prägt das «Ostermundiger Haus» das Ortsbild an der Bernstrasse. Die Gemeinde wird dadurch städtischer.

«Die Bernstrasse ist die Lebensader der Gemeinde», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Sie soll komplett neu gestaltet werden.

«Die Bernstrasse ist die Lebensader der Gemeinde», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Sie soll komplett neu gestaltet werden.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Mathias Gottet

Ostermundigen wächst weiter. Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) rechnet bis 2030 mit einem Bevölkerungszuwachs von rund 1'600 Personen. Bereits mit den heutigen 18'000 Einwohnern ist Ostermundigen die fünftgrösste Gemeinde des Kantons Bern. Doch die Gemeinde hat ein Problem: Die Wohnungsmieten sind tief, die Quote der Sozialhilfebezüger hoch. Das Resultat: Die soziale Durchmischung droht zu kippen.

Die tiefen Mieten liegen auch an der alten Bausubstanz: Zwei von drei Ostermundigern wohnen in einem Gebäude, das zwischen 1945 und 1980 fertiggestellt wurde. Mit der räumlichen Entwicklungsstrategie, die am Dienstag den Medien vorgestellt wurde, erhält die Zukunft der Agglomerationsgemeinde eine klare Richtung. Ein wichtiger Punkt in der Strategie: eine komplett neu gestaltete Bernstrasse.

Lebendige Bernstrasse

«Die Bernstrasse ist die Lebensader der Gemeinde», sagte Thomas Iten. Und an dieser Lebensader soll praktisch alles erneuert werden. Bis auf drei Gebäude, darunter das Gerberhaus, sollen alle Häuser im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte abgerissen und neu errichtet werden. Um dem Ortsbild einen gewissen Charakter zu verleihen, sollen entlang der Bernstrasse sogenannte Ostermundiger Häuser hochgezogen werden.

Diese Häuser sind vier- oder fünfgeschossig und haben ein oder zwei Attikageschosse. Zudem sind bei den Ostermundiger Häusern überhohe Erdgeschosse vorgesehen, die gewerblich genutzt werden können. Die ersten Gebäude dieses Typs, welche in den Bauvorschriften verankert werden, wird die Gemeinde gleich selber bauen.

Trotzdem soll ein gewisser Spielraum gewährt bleiben. Die neuen Häuser entlang der Bernstrasse werden zwei bis drei Meter zurückversetzt, damit ein Korso – eine Art Prachtstrasse – entstehen kann.

Stadt, Kleinstadt, Dorf

Die Bernstrasse wird dadurch kleinstädtisch. Und verbindet ­damit das städtische und das dörfliche Ostermundigen. Am Bahnhof verleiht der Bäre-Tower städtischen Charakter. Das Strategiepapier sieht vor, dass im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofs weitere höhere Gebäude entstehen können. Die Quartiere behalten ihren dörflichen Einfamilienhaus-Charakter.

Bis zum 31. Oktober liegt der Entwurf der Strategie öffentlich auf. «Die Bevölkerung hat es nun selber in der Hand, ob sie den alten Tell behalten will oder ein weiteres Hochhaus entstehen wird», sagte Iten.

Die erste Möglichkeit zur Beteiligung ergibt sich bereits heute Abend um 19 Uhr im Tellsaal, wo der Bevölkerung die Entwicklungsstrategie vorgestellt wird. Nach einer weiteren Überarbeitung entscheidet der Grosse Gemeinderat über das Strategiepapier voraussichtlich im Jahr 2020.

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