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Ein Liebespaar im Lichtermeer

Andrea und Pascal Baechler sind jeden Abend am Licht-Festival in Murten zu sehen. Nicht persönlich, sondern verewigt in Metall und Licht.

Pascal und Andrea Bächler am Licht-Festival in Murten. Im Hintergrund: Die Statue von Mark Fels, für die Bächler Modell stand.
Pascal und Andrea Bächler am Licht-Festival in Murten. Im Hintergrund: Die Statue von Mark Fels, für die Bächler Modell stand.
Beat Mathys

Die Freiheit in der Hand, die Kette am Bein, die Liebe in der Brust. In dieser Pose steht die eiserne Statue unter einem grossen Baum in Murten, direkt neben der Deutschen Kirche. Ein Scheinwerfer projiziert deren Schatten an die Ringmauer. Erst wenn man ein paar Schritte zurücktritt, erkennt man das volle Ausmass des Kunstwerks. «Es ist ein Sinnbild für die Ehe», erklärt Mark Fels, der das Kunstwerk für das Licht-Festival in Murten angefertigt hat.

Das Thema Beziehung und Liebe zieht sich durch alle drei Installationen des Berner Künstlers, die noch bis zum 27. Januar in Murten zu sehen sind. «Tanz zwischen Nähe und Distanz» nennt Fels seine Werke. Entsprechend erkennt man die Geschichte hinter den Gesichtern aus farbigem Glas in den Schaufenstern erst, wenn man den höchsten Punkt der Treppe zur Kirche erreicht hat. Rechts der Mann, der sehnsüchtig zu seiner Angebeteten hinüberblickt. Links die Frau, die sich schüchtern abwendet und noch Zeit benötigt. Und in der Mitte die Zusammenkunft, der Moment, in dem sich beide fragen: «Kann das die grosse Liebe sein?»

Eine spontane Aktion

Die gläsernen Gesichter gehören Andrea (31) und Pascal Baechler (40). Das frisch verheiratete Paar diente Mark Fels als Vorlage, als dieser im November mit der Arbeit anfing. Und, wie es der Zufall will, passt die vom Künstler erdachte Liebesgeschichte auch gut zur Vergangenheit des Paares. Sie lernten sich während der Arbeit kennen, beide tätig für eine grosse internationale Firma, zum ersten Mal in einem Projektteam vereint. Pascal Bächler gefiel die gebürtige Deutsche mit den strahlenden Augen auf Anhieb. Sie hingegen musste sich erst vom kecken Freiburger überzeugen lassen. Nach fünf Jahren Beziehung gaben sie sich im Juni schliesslich das Jawort.

«Schauen Sie durch Ihre Handykamera – dies erschafft die nötige künstliche Distanz.»

Mark Fels

Spontan seien sie schon immer gewesen, meint Andrea Baechler auf die Frage, weshalb sie am Fotoshooting teilgenommen hätten. Über Facebook suchte Mark Fels nach einem Pärchen, dass bereit war, sich vom Fotografen Patrick Pellegrini ablichten zu lassen. Das Hauptauswahlkriterium sei dabei die zeitliche Verfügbarkeit gewesen, verrät Fels mit einem breiten Lächeln: «Auch ich habe mich erst im November fürs Festival beworben – stand also relativ unter Zeitdruck.»

Durch das Handy

Die Idee für die Teilnahme kam ursprünglich vom Freund seiner Tochter. Dieser kannte das Festival und fand, die Kunst des Berners passe hervorragend nach Murten. Tatsächlich hat das Zusammenspiel von Licht und Schatten in Fels’ Kunst schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Etwa 2010, als er die frisch entlassenen Mitarbeiter der Kartonfabrik in Deisswil porträtierte. Auch dort galt es den richtigen Abstand zu wahren. Oder aber das Handy zu zücken. Mark Fels empfiehlt den Besuchern des Festivals, seine Werke durch die Kamera des Smartphones zu betrachten: «Dies erschafft die nötige künstliche Distanz.»

Schmeichelndes Ergebnis

Die Wochen zwischen dem Fotoshooting im November und den fertigen Kunstwerken, die jetzt zu sehen sind, waren für Mark Fels anstrengend. Zuerst bearbeitete der 54-Jährige die Bilder am Computer, steigerte den Kontrast und fügte spezielle Filter sowie ein Raster hinzu. Dies übertrug er als Skizze auf die Metallplatten und begann mit Bohrmaschine und Plasmaschneider, die verschiedenen Löcher auszuschneiden.

Die Glasgesichter wiederum entstanden durch eine spezielle Methode, genannt «Fusing»: Die einzelnen farbigen Glasteile werden angeordnet und im Ofen miteinander verschmolzen.

Frisch aus den Flitterwochen zurück, stehen Andrea und Pascal Baechler in Murten vor ihren gläsernen und stählernen Abbildern. Die Besichtigung vor Ort ist für das Liebespaar eine Überraschung: Seit sie im November am Fotoshooting teilnahmen, haben sie nichts mehr vom Berner Künstler gehört.

Das Endergebnis der spontanen Aktion sehen sie in Murten zum ersten Mal. «Die Bilder schmeicheln uns wirklich sehr», meint Pascal Baechler zufrieden. Seine bessere Hälfte ergänzt: «Was Mark Fels aus den Fotos gemacht hat, ist wirklich beeindruckend.»

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