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Ehemaliger Berner Kultursekretär Peter J. Betts gestorben

Vom Schriftsteller zum Klassenfeind der Reitschule-Bewegung und zurück: Der ehemalige Berner Kultursekretär Peter J. Betts ist am Dienstag 78-jährig gestorben.

Er war Schriftsteller. Doch bekannt wurde Peter J. Betts, als Bern brannte. 1978 bis 2003 war er städtischer Kultursekretär und streitbare Figur.

1941 kam Peter John Betts in Livingstone, im heutigen Sambia, als Sohn einer Schweizerin und eines Briten zur Welt. Damals gehörte die Stadt zum britischen Protektorat Nordrhodesien. Bereits als er vier Jahre alt war, starb seine Mutter, zwei Jahre später wurde er von seinem Vater zur Ausbildung in die Schweiz geschickt.

In Huttwil besuchte er die Schule, in Bern studierte er Anglistik und Germanistik. Er wusste, was er wollte: schreiben. Nach dem Studium jobbte er als Lehrer, Journalist und Übersetzer. Als Schriftsteller erhielt er nach seinen ersten Veröffentlichungen 1976 den Förderpreis der Stadt Bern. Zwei Jahre später wurde er zum Kultursekretär ernannt – und kümmerte sich so um die Berner Kulturförderung.

Obwohl Peter J. Betts zunächst einen guten Draht zu den Kulturschaffenden hatte und die Kulturförderung auf deren Bedürfnisse abzustimmen suchte, wurde er in den 80er-Jahren von der Berner Alternativkultur als Behördenvertreter abgelehnt. Betts' Amtszeit fiel mit den grössten kulturpolitischen Umbrüchen in der Stadt Bern zusammen: Die bewegte Jugend eroberte die Reitschule und die Dampfzentrale und machte sie zu Kulturorten.

Journalist Fredi Lerch, selbst ein Aktivist in den 80er-Jahren, wurde zu einem Gegenspieler Betts' und kritisierte seine Arbeit hartnäckig. «Wir erlebten ihn als städtischen Funktionär, der konventionell und wenig mutig agierte und zu stark auf Distanz ging zur Bewegung.»

2003 trat Betts nach 25 Jahren von seinem Posten zurück. Christoph Reichenau wurde sein Nachfolger. «Peter Betts war eine sensible Persönlichkeit, die einen Panzer um sich herumgebaut hatte, der sie schützen sollte», sagt Reichenau auf Anfrage. «Ideologisch war er mit den Bewegten der 80er-Jahre verwandt. Aber nicht in seinem Auftreten.»

Kennen gelernt hatten sich die beiden bereits zu Betts' Anfangszeit als Kultursekretär, damals arbeitete Reichenau beim Amt für kulturelle Angelegenheiten des Bundes. «Er war treibende Kraft einer ersten Berner Kulturstrategie», sagt er. 1996 schrieb Betts im noch bürgerlich regierten Bern einen bemerkenswerten kulturpolitischen Grundsatz fest: «Der Gemeinderat fördert Kultur auch dann, wenn er sie im Moment der Förderung nicht richtig versteht.»

Nach seinem Rücktritt veröffentlichte Peter J. Betts mehrere Romane, zuletzt erschien von ihm 2017 der Gedichtband «Fährten im Wind». Wie seine Frau Christine Betts am Mittwoch am Telefon erzählte, war er seit längerem schwer krank, was ihn aber nicht von der Arbeit und regelmässigen Spaziergängen abhielt.

Im September schrieb er innerhalb von sechs Wochen noch sein letztes Buch nieder, welches das Tauchen zum Thema hat. «Das Tauchen war eine grosse Leidenschaft von ihm.» Sie wolle das Buch jetzt herausbringen. Trotz der Krankheit trat der Tod abrupt ein. Peter J. Betts' Herz hörte nach einem stürmischen, aber glücklichen Tag auf zu schlagen.

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