Ein Spiel mit strengen Regeln

Auf der Berner Allmend trafen sich Cricketspieler aus der ganzen Schweiz zu einem Turnier. Bei dieser Sportart liefern sich hier wohnhafte Tamilen, Singhalesen und Inder einen fairen Kampf.

Voller Einsatz des Schlagmanns: Cricketspieler auf der Allmend. Fotos: Iris Andermatt

Voller Einsatz des Schlagmanns: Cricketspieler auf der Allmend. Fotos: Iris Andermatt

Sonntag auf der Berner Allmend: Hier, wo sich jedes Wochenende sportfreudige Gruppen treffen, ist ein Teil des Geländes für ein Cricketturnier reserviert. Wortfetzen in einer fremden Sprache hallen über den Platz, und auf den ersten Blick herrscht ein wildes Durcheinander. Dann wird klar: Das Ganze hat System, ist gut durchorganisiert.

Der Veranstalter ruft Namen wie Red Bull, King Makers und Jung Tigers. Muskulöse Männer – offensichtlich die Kapitäne – melden sich. Ein 20-Rappen-Stück wird in die Luft geworfen, und der Gewinner kann wählen, ob seine Mannschaft zuerst schlägt oder wirft. Die Wankdorf-Allmend gehört an diesem Morgen den Cricketspielern.

Kleinere Teams als üblich

Teams aus der gesamten Schweiz, einige auch aus dem ­benachbarten Ausland, sind angereist. Erstmals wollen sie ihre Spielstärke in diesem Rahmen messen. Organisiert hat das Turnier der Cricketverein aus Bern. Waran Velauthapillai ist als OK-Präsident der Mann mit dem Durchblick. Inmitten der Sportler weiss er auf jede Frage eine Antwort.

Waran Velauthapillai ist OK-Präsident.

Was lange als Sport der reichen Kolonialherren gegolten habe, sei heute mit leicht abgeänderten Regeln eine Volkssportart geworden, erläutert er. Statt eines Elferteams kommen jetzt pro Mannschaft oft acht Leute zum Einsatz. «Hier in der Schweiz elf Männer für eine Mannschaft zu finden, ist etwas schwierig», gesteht der gebürtige Tamile. «Und die Frauen, die haben eher Interesse an Volley- oder Fussball.» Doch es gebe sie auch, die hervorragenden Cricketspielerinnen. In Sri Lanka sei vor einigen Jahren ein Umbruch im Denken erfolgt, und heute sei das Frauencricket akzeptiert.

An diesem Morgen sind die asiatischen Männer allerdings unter sich. Keine Frauen und keine Schweizer sind auf den Spielfeldern zu sehen. 22 Mannschaften treten gegeneinander an. Nebst Tamilen auch Singhalesen, Pakistaner und Afghanen. Streit gebe es selten, trotz der unterschiedlichen Ethnien, sagt Velauthapillai.

Die Cricketgruppe Bern existiere seit 23 Jahren, und man habe streng darauf geachtet, klare Regeln aufzustellen. Schimpfwörter und obszöne oder sonst anstössige Gesten werden nicht geduldet. «Spieler, die sich nicht daran halten, sperren wir sofort», so Velauthapillai. Doch die Flagge der Tamil-Tigers darf auf die Leibchen gedruckt werden, auch Namen wie Jung-Tigers werden geduldet.

Mehr als nur Teamgeist

Velauthapillai ist als 13-Jähriger mit seinen Eltern in die Schweiz geflüchtet. Das Cricketspiel kannte er von klein auf, und später spielte er jeweils im Kulturunterricht in Bern mit. Den Verlauf und die Spielchancen sieht er im Vergleich mit dem Fussball als klarer geregelt. Jeder Werfer komme sechsmal zum Einsatz, das sei vorgegeben. Wer sich besser für den Abschlag des Balls eignet, hat dort seine Chance.

Noch etwas möchte Velauthapillai nicht missen: «Wir lassen den Teamgeist auch sonst nicht aussen vor.» Kommen Flüchtlinge in die Gruppe, wird ihnen bei der Arbeitssuche, den administrativen Hürden und vielem mehr geholfen. So gesehen sei der Cricketverein auch eine gute Integrationshilfe.

Zudem bieten Spieltage, wie sie nun erstmals in Bern stattgefunden haben, eine gute Vernetzungsmöglichkeit. «Wir sehen diesen Anlass auch als Kennenlernchance.» Und was rät Velauthapillai interessierten Schweizern? «Kommt vorbei und spielt einmal mit. Diese Sportart hat Suchtpotenzial.»

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