Entsorgungshof will Kunden loswerden

Köniz

Um den Andrang auf dem überlasteten Werkhof zu entschärfen, motiviert die Gemeinde Köniz die Leute seit dem neuen Jahr, ihren Abfall in Bern abzugeben.

Dichtestress auf dem Entsorgungshof: Weil der Werkhof zu klein geworden ist, spannt Köniz nun mit Bern zusammen.

Dichtestress auf dem Entsorgungshof: Weil der Werkhof zu klein geworden ist, spannt Köniz nun mit Bern zusammen.

(Bild: Raphael Moser)

Christoph Albrecht

Autos mit geöffnetem Laderaum, Velos mit Anhänger, Fussgänger mit Einkaufstrolleys: Im Sekundentakt biegen sie an diesem Januarnachmittag in den Werkhof in Köniz ein, manövrieren aneinander vorbei, entsorgen ihre Kartons und Elektrogeräte – und schlängeln sich wieder hinaus.

Es herrscht Dichtestress auf dem Entsorgungshof in Köniz, dem einzigen in der Gemeinde mit ihren 42000 Einwohnern. Der Platz ist knapp, der Andrang gross. «Es ist eine mühsame Geschichte», sagt Pascal Müller. Als Werkhofmitarbeiter sorgt er eigentlich dafür, dass die Leute ihre Abfälle in die richtige Mulde werfen. Genauso beschäftigt ist er mittlerweile aber auch mit dem Regeln des Verkehrs. «Hier wird auf engem Raum viel Material herumgeschoben.»

«Es ist zu eng geworden»

Besonders im Winter erfordert das viel Nerven. «Wenn es schneit, haben wir hier wirklich ein Problem», so Müller. Der Grund: Dann fahren auf dem Werkhof auch Schneefahrzeuge des Winterdienstes ein und aus, denn neben den Mulden und Containern befinden sich die Salzsilos der Gemeinde. Die Folge: Autos, die sich bis auf die Strasse stauen, genervtes Winterdienstpersonal – und hie und da auch mal ein Blechschaden.

Das Platzproblem auf dem Areal, das lediglich eine Handvoll Kurzzeitparkplätze bietet, ist der Gemeinde seit längerem bekannt. Vor einigen Jahren versuchte sie mit einer neuen Verkehrslenkung die Situation zu entschärfen. 2015 erweiterte sie zudem die Öffnungszeiten auf heute drei Nachmittage pro Woche und den Samstagmorgen in der Hoffnung, den Kundenzulauf so etwas zu verteilen. Genützt hat es wenig. «Es ist einfach zu eng geworden», sagt Gemeinderat Hansueli Pestalozzi (Grüne). 

Deal mit der Stadt Bern

Weil der Bau eines zusätzlichen Entsorgungshofes finanziell nicht drinliegt, versucht die Gemeinde den Werkhof nun anderweitig zu entlasten: Sie will einen Teil ihrer Kunden ganz einfach loswerden. Gelingen soll das dank eines Vertrags, den Köniz mit der Stadt Bern per Anfang dieses Jahres abgeschlossen hat. Der Deal: Köniz bezahlt Bern jährlich eine Pauschale von 42000 Franken, im Gegenzug dürfen die Könizer die städtischen Entsorgungshöfe ohne den Aufpreis für Auswärtige von 5 Franken pro Entsorgung mitbenützen. «Wir hoffen, dass wir so die Besucherzahl auf unserem Werkhof von bisher 18000 auf 15000 Personen im Jahr reduzieren können», sagt Pestalozzi. 

Nebst den engen Platzverhältnissen auf dem eigenen Entsorgungshof sieht Pestalozzi noch weitere Vorteile, die für die Entsorgungstour ennet der Gemeindegrenze sprechen. «Die Entsorgungshöfe in Bern sind modern, grosszügig und komfortabel», wirbt der Könizer Gemeinderat für die Infrastruktur der grossen Nachbarin. Die verhältnismässig langen Öffnungszeiten in Bern ermöglichten zudem mehr Flexibilität. Und: «Für Einwohner der Könizer Ortsteile Niederwangen und Oberwangen liegt der Entsorgungshof in Bümpliz ohnehin näher.»

Hier Strafe, da Anreiz

Zu guter Letzt soll das neue Entsorgungsangebot in Bern, auf das die Könizer derzeit aufmerksam gemacht werden, auch mit tieferen Kosten locken. Tatsächlich zeigt der direkte Vergleich zwischen den Tarifen auf Berner Entsorgungshöfen und dem Könizer Werkhof auf den ersten Blick, dass die Stadt Bern gerade beim Sperrgut in der Regel leicht günstiger ist. Dies rührt daher, dass Köniz in diesem Bereich seine Bürger gewissermassen bestraft: Wenn diese ihr Sperrgut nämlich in ihrem Entsorgungshof abgeben, anstatt es bei der wöchentlichen Kehrichtabfuhr an den Strassenrand zu stellen, bezahlen sie doppelt so viel. Damit will die Gemeinde zusätzliche Fahrten zum Werkhof vermeiden.

Paradoxerweise ködert sie die Kundschaft gleichzeitig mit einem Goodie. So kann man in Köniz sämtliche Sonderabfälle wie alte Farben, Öle, Düngermittel oder Chemikalien gratis abgeben. Es ist ein Anreiz, den die Gemeinde aus ökologischen Überlegungen anbietet. In der Stadt Bern hingegen, wo die Könizer ihren Müll künftig vermehrt entsorgen sollen, fallen für diesen Service Kosten an. Die Sonderabfälle gehören dort zur teureren Sorte.

Berner Zeitung

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