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Er malte schwarz und doch in allen Farben

Er schuf atmosphärische Gemälde und entdeckte im Alter die Computerbearbeitung für seine Grafiken. Nun ist der in Schüpfen lebende Künstler Egbert Moehsnang 89-jährig gestorben.

Egbert Moehsnang: 1927–2017. Hier nachdenklich im Dokumentarfilm «Moehsnang» von 2011.
Egbert Moehsnang: 1927–2017. Hier nachdenklich im Dokumentarfilm «Moehsnang» von 2011.
zvg

Ein altes Holzhaus aus dem 18. Jahrhundert in Schüpfen war Egbert Moehsnangs Wirkungsstätte. Im Dachstuhl hatte er sein Atelier eingerichtet. Im Dokumentarfilm «Moehsnang» (2011) beobachtet ihn die Kamera dort, wie er immer wieder auf Distanz zu seinen grossformatigen abstrakten Gemälden geht, um im gegebenen Moment mit seinem Spachtel Farbe aufzutragen. Es sind komplexe, atmosphärische (Farb-)Kompositionen, die manchmal über Jahre entstehen und am Ende spontan wirken.

Im Gegensatz zu seinem farbigen Frühwerk wirken die späteren Gemälde in ihrer facettenreichen Schwärze recht düster. Die subtilen Hell-dunkel-Abstufungen geben dem Betrachter das Gefühl, in einen Raum einzutreten. «Als ich als Kind meinen Vater fragte, welche Farbe das Meer habe, antwortete er, es habe alle Farben», erinnerte sich der Künstler 2007. Damals richtete dem am 9. Dezember 1927 in Amberg (Oberpfalz) geborenen Künstler das Kunstmuseum Bern eine Retrospektive zum 80. Geburtstag aus.

Kurz zuvor hatte Moehsnang den Computer für seine Druckgrafiken entdeckt. «Meine Jungmannschaft nannte mich einen digitalen Obdachlosen», erzählte er damals im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Entstehungsprozess war komplex: Ausgangsmaterial waren dem Künstler Fotografien von Alltagsgegenständen, etwa ein Küchenutensil, das in seiner Form an einen Dämon erinnert. Dieses Motiv wiederum wurde durch die digitale Bearbeitung vervielfältigt, bis eine ganz eigene Architektur entstand.

Natur und Mythologie waren Egbert Moehsnangs grösste Inspirationsquellen. «Die Odyssee und all diese Geschichten, das begleitet mich, seit ich ein Kind bin», führte er einmal aus. Und der Natur, der könne man nicht entkommen, war er überzeugt. Den Tannenbaum fällte Familienmensch Moehsnang jeweils selbst. Dieses Jahr kommt es nicht mehr dazu. Am Sonntag ist der Künstler kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben.

hl/stc

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