Es rumpelt in den Wäldern

Rüschegg

Winter – das ist die Hochsaison der Holzfäller. Im Revier Rüschegg-Nord werden seit Jahren Forstwarte ausgebildet. Einer davon ist Joel Hostettler. Ein Besuch bei ihm und seinem Ausbildner.

Die Tanne ist gefällt: Joel Hostettler (links) mit Ausbildner Christian Zürcher.

Die Tanne ist gefällt: Joel Hostettler (links) mit Ausbildner Christian Zürcher.

(Bild: zvg)

Mit seiner orangefarbenen Jacke fällt der junge Mann im verschneiten Wald sofort auf. Mit konzentriertem Blick beurteilt er die optimale Fällrichtung der 120-jährigen Weisstanne. Er überlegt, welche Fälltechnik er einsetzen soll. Bevor er mit dem eigentlichen Fällen beginnt, definiert er seinen Rückzugsort und hängt dort ein gut sichtbares ­rotes Tuch auf. Er klappt das Helmvisier herunter, startet die Motorsäge und beginnt mit den Fällarbeiten.

«Es ist jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn die Bäume korrekt zu Boden fallen.»Joel Hostettler, Auszubildender

Der junge Mann heisst Joel Hostettler. Beim Forstbetrieb der Gemeinde Rüschegg absolviert er sein drittes Ausbildungsjahr zum Forstwart. Er liebt seine Arbeit: «Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn die Bäume korrekt zu Boden fallen», erklärt der 18-Jährige aus Hinterfultigen. Nach wie vor habe er aber grossen Respekt vor den Holzmonumenten.

Wissen auffrischen

Für Joel Hostettler war früh klar, dass er einmal Forstwart werden will. Er kennt den Beruf von Kindesbeinen an – sein Vater ist ebenfalls Forstwart. Arbeitsluft geschnuppert hat Joel Hostettler auch in anderen Berufen, aber das Arbeiten unter freiem Himmel hat ihm am meisten zugesagt.

Inzwischen hat der junge Forstwart den Baum angeschrotet, die Fallkerbe herausgesägt und den Fällbereich abgesichert. Vor dem Schnitt ruft er ein lautes «Achtung!» in den Wald. Seine Teamkollegen und allfällige Passanten, die sich im Wald aufhalten, sollen gewarnt sein. Dann wird geschnitten.

Der Baum beginnt zu ächzen und fällt mit Getöse zu Boden – in der korrekten, geplanten Richtung. Ausbildner Christian Zürcher ist zufrieden mit dem, was er sieht. Er nickt ­anerkennend: «Das war gute Arbeit.» Für Christian Zürcher ist Joel Hostettler der erste Lernende, den er ausbildet. Die neue Aufgabe macht ihm Freude.

«Ich möchte den Lernenden so gut instruieren, dass er später besser sein wird als ich», erklärt der 34-jährige Forstwart aus Rüschegg. Auch er lernt dank der Zusammenarbeit immer wieder Neues dazu: «Joel kommt von den Kursen und von der Schule mit ak­tuellem Fachwissen zurück. So bleiben auch wir am Ball.»

Dem Beruf treu bleiben

Rund 25 Lernende starten jeweils im August im Kanton Bern und im Oberwallis ihre Ausbildung zum Forstwart. Es ist ein typischer Männerberuf, junge Frauen sind nach wie vor selten in Schnittschutzhosen anzutreffen. Die Lehre dauert drei Jahre. Die Lernenden werden in ihren Betrieben, in den überbetrieblichen Kursen und in der Berufsfachschule ausgebildet.

«Bei unsorgfältiger Holzerei kann an Siedlungen, Verkehrswegen und Schutzbauten viel Schaden entstehen»Simon Rieben, Ausbildner

«Es ist wichtig, gute Forstwarte zu haben. Bei unsorgfältiger Holzerei kann an Siedlungen, Verkehrswegen und Schutzbauten viel Schaden entstehen», erklärt Simon Rieben von jener Organisation, die für die Ausbildung der Forstwarte zuständig ist.

Im Revier Rüschegg-Nord wurden seit dem Jahr 2008 insgesamt vier Lehrlinge ausgebildet. Die Lehre von Joel Hostettler ist in wenigen Monaten zu Ende. Er möchte der Forstbranche danach weiter treu bleiben und später vielleicht die Weiterbildung zum Ausbildner absolvieren. Seinen Platz im Team vom Forstbetrieb Rüschegg wird dann ein neuer Lernender aus Riggisberg einnehmen.

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