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Wie Leserinnen und Leser die Mondlandung erlebt haben

Wer konnte, sass in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 vor dem TV: Die ersten Menschen betraten den Mond. Leserinnen und Leser erzählen, wie sie dieses Ereignis miterlebt haben.

Vor 50 Jahren stand Bruno Stanek im Studio des Schweizer Fernsehens und erläuterte die Übertragung der Mondlandung.
Vor 50 Jahren stand Bruno Stanek im Studio des Schweizer Fernsehens und erläuterte die Übertragung der Mondlandung.
Archiv SRF

«Artikel und Bilder aus Zeitungen gesammelt»

Ich war damals 9 Jahre alt und kann mich noch sehr gut erinnern. Wir hatten bereits ein Fernsehgerät. Ich und meine Familie verfolgten die Mondlandung im Wohnzimmer. Die interessanten Sendungen mit Raumfahrtexperte Bruno Stanek habe ich mir wenn möglich immer angesehen. Wir haben zu Hause oft über das Thema Raumfahrt diskutiert. Ich habe Artikel und Bilder aus Zeitungen und Magazinen gesammelt. Momentan erlebe ich durch dieses Jubiläum auch ein wenig ein Revival meiner Jugendzeit.

Stephan Niklaus (59),Walkringen

«Für Kinderlager einen Fernseher gemietet»

In jenem Jahr verbrachte ich einige Wochen in der Lenk als Co-Leiterin eines Lagers für Auslandschweizerkinder. Die Leiterin hatte sich erkundigt, wo wir für wenige Tage einen Fernseher mieten könnten. Einen Tag vor der Mondlandung fuhren wir nach Spiez, um in einem TV-Geschäft den kleinen Schwarzweissfernseher abzuholen. So gegen 3 Uhr in der Nacht weckten wir jene Kinder auf, die am Vorabend mitgeteilt hatten, dass sie die Mondlandung mitverfolgen möchten. So versammelte sich eine kleinere Runde im Aufenthaltsraum vor dem Fernseher. Am folgenden Nachmittag mussten wir den Fernseher dann wieder zurückbringen.

Heidi Egger (70),Urtenen-Schönbühl

«Brachte Gesprächsstoff in den RS-Alltag»

Ich war im Juli in der Rekrutenschule in Kloten. Unser Kompaniekommandant war Franz Jaeger, später Nationalrat und heute emeritierter Hochschulprofessor. Er war ein sehr strenger, aber auch korrekter Offizier. Ihm ist es zu verdanken, dass die ganze Kompanie, circa 150 Personen, im grössten Saal der Kaserne die Mondlandung am Schwarzweiss-TV miterleben konnte. Ich sehe noch vor mir, wie Neil Armstrong den Mond über eine schmale Leiter betritt und sofort die News über die geglückte Landung ans Kontrollzentrum auf der Erde weitergibt. Ja, es war eine aussergewöhnliche Nacht, die viel Gesprächsstoff in den RS-Alltag brachte.

Niklaus Bürge (70), Murten

«Gus Backus’ Hit über den Mann im Mond»

Im Jahre 1961 war ich 9 Jahre alt. Der Schlagerstar Gus Backus landete mit «Der Mann im Mond» einen Riesenhit. Dieser Ohrwurm begleitete uns bei jeder Tages- und Nachtzeit. Abends, besonders bei Vollmond, trafen wir Kinder uns vor dem Haus und schauten neugierig zum Mond hinauf. In der Hoffnung, den Mann im Mond zu sehen.

8 Jahre später sass die ganze Familie vor der Glotze und schaute die Livesendung dieser spektakulären Mondlandung. Für uns war das ein unglaublich spannender Moment, kaum zu glauben, dass so was möglich war. Wir weinten vor Freude und sangen Gus Backus’ Hit: «Der Mann im Mond, der hat es schwer, denn man verschont ihn heut nicht mehr. Er schaut uns bang von oben zu und fragt: Wie lang hab ich noch Ruh?!»

Hans Arni (67), Burgdorf

«Auf Campingplatz herrschte Ergriffenheit»

Ich war gut 20 und sah auf einem Campingplatz im italienischen Marina di Pisa früh am anderen Morgen die TV-Bilder. Ein Campinggast hatte neben seinem Wohnwagen einen tragbaren Fernseher aufgestellt, damals war das noch keine gewöhnliche Sache. Rundum standen viele Mit-Camper, die meisten von ihnen in Badehosen. Kaum jemand sprach. Es herrschte eine Ergriffenheit am Strand.

Beat Kappeler (72) Hinterkappelen

«Gross war die Überraschung»

Mit gemischten Gefühlen bin ich an diesem Tag als 20-Jähriger in die Sommer-Rekrutenschule der Übermittlungstruppen eingerückt. Nach dem Fassen der Bekleidung und der Ausrüstung wurde uns befohlen, uns nach dem Abendessen in der grossen Turnhalle einzufinden. Wir befürchteten, dass uns bereits die erste Nachtübung bevorstand. Gross war dann die Überraschung, als wir an den Wänden der Turnhalle mehrere grossformatige TV-Geräte vorfanden. Auf Holzbänken durften wir die gesamte Übertragung der Mondlandung miterleben. Dieser Einstieg in die RS hat mein vorgefasstes Bild des Führungskaders nachhaltig beeinflusst.

Kurt Huber (70), Innerberg

«Die Trägerrakete mit eigenen Augen gesehen»

Meine Frau Elisabeth und ich lebten von 1966 bis 1969 in Spartanburg, South Carolina. Ich arbeitete dort bei der Firma Sulzer. Während unserer Ferien im Frühling 1969 reisten wir nach Florida und besuchten das John F. Kennedy Space Center. Eindrücklich war für uns, dass wir die Trägerrakete, welche dann im Juli Richtung Mond abhob, auf dem Startplatz sahen. Dann, Wochen später, sassen wir gemeinsam vor unserem Schwarzweissfernseher in unserem Wohnzimmer und sahen die Mondlandung. Dass wir zuvor die Trägerrakete vor Ort mit eigenen Augen gesehen hatten und ihr so nahe gekommen waren, verlieh diesem Ereignis zusätzlich etwas Besonderes. Auch in bester Erinnerung geblieben ist mir jene Szene am Fernseher, als die beiden Astronauten wieder zurück auf der Erde eintrafen und da glücklich im Wasser gelandet sind.

Walter Weber (75), Niederönz

«Patin verliess Taufe, um das Ereignis zu schauen»

Unsere Tochter Silvia wurde am 20. April 1969 geboren. Genau 3 Monate später, am Sonntag, 20. Juli 1969, wurde sie in der Kirche Belp getauft. Nach Kaffee und Kuchen, am späteren Nachmittag, sagte die eine Patin, sie wolle jetzt nach Hause gehen, um dann die Mondlandung zu sehen, welche am TV übertragen werde. Zu dieser Zeit besassen wir noch keinen Fernseher. Das war ein Erlebnis, das mir auf eindrückliche Art geblieben ist.

Verena Burren (75), Belp

«Ein Billett zum Mond als Andenken»

Wir waren die Einzigen im Mehrfamilienhaus an der Bernstrasse in Burgdorf, die einen Fernseher besassen. Etwa um 2 Uhr in der Nacht trafen Freunde und Mitbewohner bei uns ein, und wir assen und tranken etwas, einige klopften einen Jass. Gemeinsam erlebten wir dann die Mondlandung vor dem Fernseher. Unser Sohn Heinz wurde am 21. Juli 1955 geboren und feierte auch noch seinen 14. Geburtstag. Es war eine aufregende und interessante Nacht. Die Mondlandung veranlasste Peter Lüdi, den Wirt des Landgasthofs Heimiswil, «Billette zum Mond» zu drucken – analog der damaligen Bahnbillette. Bei jedem Mittagessen befand sich auf der Serviette ein solches Billett zum Andenken an dieses Ereignis.

Werner Leibundgut(85)Burgdorf

«Die Weltgeschichte interessierte uns wenig»

Ein Freund und ich trampten mit 18 Jahren zusammen zum ersten Mal in die weite Welt hinaus, genauer von Bern nach München. Mit Rucksack, Schlafsack und Gitarren zogen wir los. Übernachtet haben wir im Englischen Garten in München und wurden morgens von der Polizei, hoch zu Ross, geweckt und weggescheucht. Danach sind wir stundenlang durch die Strassen von München geschlendert. Bei einem Radio-TV-Geschäft blieben wir einen kurzen Moment stehen. Es wurden die ersten Schritte eines Menschen auf dem Erdtrabanten gezeigt. Wir sahen einen Moment zu, aber die Weltgeschichte interessierte uns in diesem Moment wenig. Wichtiger waren die Fragen, in welche Diskothek wollen wir heute gehen, besuchen wir am Abend den Hippiemarkt in Schwabing, und wo wollen wir in der nächsten Nacht unsere Schlafsäcke ausbreiten.

Gerhard Huber(68)Herrenschwanden

«Das Sonnenwindsegel wurde zu einem Begriff»

Meine Begeisterung für die Raumfahrt nahm ihren Anfang 1961, als der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch im Weltraum die Erde umrundete. Er hat übrigens am selben Tag Geburtstag wie ich.

8 Jahre später wurde dann mit der Landung zweier amerikanischer Astronauten auf dem Mond ein weiterer Höhepunkt erreicht. Unvergessen bleibt mir der 21. Juli 1969. An diesem Tag begann meine Rekrutenschule in der Freiburger Kaserne La Planche. Gleich nach dem Antrittsappell beorderte der Oberst die ganze Mannschaft in den Innenhof, wo wir an einem grossen Fernseher eine Direktübertragung sehen durften. Die Bilder lösten Bewunderung und Staunen aus. Und das Sonnenwindsegel der Universität Bern wurde zu einem Begriff. Ich bin der Armee dankbar, dass wir die Möglichkeit erhielten, mediale Zeitzeugen dieses denkwürdigen Ereignisses zu werden.

Rudolf Aregger (70), Bern

«Einen Fernseher im Spitalzimmer installiert»

Am 18. Juli 1969 gebar ich in einem Berner Privatspital unseren Sohn Christian. Da lag ich nun mit meinem Bébé und konnte dieses Jahrhundertereignis nicht mitverfolgen. Dazumal hatte man noch keinen Fernseher im Spitalzimmer. Mein Mann schuf Abhilfe und brachte mir einen tragbaren Schwarzweissfernseher. Als eine der mich betreuenden Schwestern diesen Fernseher sah, fragte sie, was ich damit wolle. Ich erklärte ihr, dass ich die Mondlandung schauen werde. Schnell wussten alle im Spital darüber Bescheid. Die Geschichte verlief dann so, dass während der Mondlandung bei mir im Zimmer die ganze Zeit ein reges Kommen und Gehen von Ärzten und Krankenschwestern war.

Helen Wymann-Merlo (76), Kirchberg

«Das Leben war nicht mehr wie vorher»

Am Abend des 22. Juli erhielt ich einen Telefonanruf von meiner Mutter. Mein Bruder Hans-Jürg war mit dem Auto verunglückt, tödlich. Was war passiert? Er hatte oberhalb Yverdon in Donneloye ein Heimwesen gekauft. Jeden Morgen stand er früh auf, um daheim das Vieh zu versorgen, fuhr dann mit seinem Auto nach Donneloye, um dort weiterzuarbeiten. Am Abend des 21. Juli fuhr er nach Freiburg zu einem Kollegen, um die Mondlandung zu schauen, weil daheim noch kein TV stand.

Am Morgen des 22. Juli fuhr er wieder ins Welschland und am Abend wieder nach Hause. Er hatte noch einen 20-jährigen tschechischen Studenten mitgenommen. Auf der Landstrasse bei Treize-Cantons ist er wohl eingeschlafen, geriet auf die linke Fahrbahnseite und kollidierte mit einem Mühle-Camion. Mein Bruder, mehrfacher Familienvater, war auf der Stelle tot und der Student nach 14 Tagen im Koma auch. Das Leben in meiner Familie war nicht mehr, wie es vorher war. Die Mondlandung, indirekt die Ursache des ganzen Schicksals, können wir alle nie mehr vergessen.

Nicolas Langenegger (81), Flamatt

«So einen Tag vergisst man nie»

Gespannt verfolgten meine Brüder und ich vor unserem Schwarzweissfernseher dieses Spektakel. Interessant war, wie Bruno Stanek uns bis in die frühen Morgenstunden fachlich unterhielt. Dann hiess es Kühe melken. Ja, dieses Datum vergesse ich nie. Ich musste nämlich am Vormittag in die Motorfahrer-Rekrutenschule nach Wangen an der Aare einrücken. Nach den obligaten Appellen, Materialfassen und Umkleiden waren unsere Offiziere so nett und liessen uns am Abend im Speisesaal diese erste Mondlandung via Fernseher miterleben. Total übermüdet, war es für mich nicht nur ein Genuss, sondern auch ein bisschen eine Qual, zum zweiten Mal die Mondlandung mitzuverfolgen. Aber so einen Tag vergisst man nie.

Urs Haslebacher (70), Wasen

«Wir waren so glücklich, als hätten wir selbst diese Leistung vollbracht»

Es waren schöne, heisse Sommertage. Das Thema Mondlandung beschäftigte wie kein anderes sonst. Wir besassen seit kurzem ein TV-Gerät und waren damit eine der wenigen Familien in Grünenmatt. Während Mutter mit uns vier Kindern das Wohnzimmer in ein Fernsehzimmer umgestaltete, Stühle, Sessel und Liegebetten installierte, konstruierte unser Vater in seiner Werkstatt einen massiven Gartentisch aus Stahl. Der Abend kam, etliche unserer Nachbarn auch. Aus dem Abend wurde Nacht, wir lauschten den spannenden Erklärungen von Charles Raedersdorf und Bruno Stanek. Ich war damals etwas verliebt in ihn.

Mutter kochte pfannenweise Tee und servierte Brot und Käse. Die Spannung stieg und stieg, und irgendwann – ich weiss nicht mehr genau, wann, es muss gegen drei Uhr früh gewesen sein – setzte Neil Armstrong seinen Fuss auf den Mond. Wir waren so glücklich, so freudig erregt, als hätten wir selbst diese Leistung vollbracht. Ja, und endlich konnten wir zu Bett. Am nächsten Tag bereitete Mutter Spaghetti bolognese zu, Vater schrieb das Datum der Mondlandung, 21. Juli 1969, auf den rot gestrichenen neuen Gartentisch, und genau zwölf Stunden später, um 15 Uhr, assen wir zu Mittag im Schatten der Bäume in unserem Garten. Der Tisch blieb über 40 Jahre in Familienbesitz, bis der Rost ihm sein wohlverdientes Ende bereitete...

Christine Blaser-Leibundgut (65), Burgdorf

«Drückte mir am Schaufenster die Nase platt»

Zur Zeit der Mondlandung war ich im Langstrecken-Flugbetrieb tätig, und natürlich war dieses Ereignis das Thema Nummer eins. Auf dem Weg ins Rudertraining drückte ich mir am Schaufenster die Nase platt und verfolgte am Fernseher interessiert die kompetenten Informationen von Charles Raedersdorf und Bruno Stanek. Im Bootshaus angekommen, sah ich auf der anderen Seeseite das Studio Bellerive des damaligen Schweizer Fernsehens. Wir realisieren heute gar nicht mehr, was für spätere Entwicklungen die Mondfahrt ausgelöst hat.

Edi Lörtscher (74), Niederscherli

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