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EWB will tief im Boden Wärme einlagern

Energie Wasser Bern plant einen Geospeicher: Abwärme aus der Kehrichtanlage soll für den Winter bis zu 500 Meter tief im Boden eingelagert werden.

Auf dem Gelände der Energiezentrale Forsthaus soll der Geospeicher entstehen.
Auf dem Gelände der Energiezentrale Forsthaus soll der Geospeicher entstehen.
Andreas Blatter

Jetzt steht auch Bern eine Erdbohrung für ein grösseres Thermieprojekt bevor. Es geht aber nicht um die umstrittene Nutzung von Tiefengeothermie. Zur Erinnerung: Projekte für Erdwärmekraftwerke sind in Basel und St. Gallen abgebrochen worden, weil sie Erdbeben ausgelöst hatten. Im Forsthaus will Energie Wasser Bern (EWB) nun nicht Erdwärme aus 4000 bis 5000 Metern Tiefe gewinnen, sondern Abwärme aus der Kehrichtverbrennung in 200 bis 500 Metern unter dem Boden einlagern.

Ziel ist, Abwärme saisonal zu speichern. Dazu soll im Sommer Wasser erhitzt und in die Tiefe gepumpt werden, um Sandsteinschichten, die von undurchlässigem Mergel und Ton umgeben sind, auf etwa 90 Grad zu erwärmen. Im Winter soll die Wärme zurückgewonnen und ins Fernwärmenetz abgegeben werden.

So funktioniert der Wärmespeicher.
So funktioniert der Wärmespeicher.

«Kein Erdbebenrisiko»

Die nötigen Bohrungen würden bezüglich Tiefe und eingesetzter Bohrmaschinen herkömmlichen Bohrungen für Erdwärmesonden gleichen, sagte der Projektleiter von EWB, Martin Jutzeler, gestern vor den Medien. «Neu ist, dass wir Wärme hinunterpumpen und speichern.»

Eine Hauptbohrung und mehrere Nebenbohrungen sollen einen Wasserkreislauf ermöglichen. Der Sandstein ist laut dem Projektleiter porös genug. Daher sei keine hydraulische Risse­erzeugung nötig, um die Wasserdurchlässigkeit zu erhöhen. «Entsprechend gibt es kein Erdbebenrisiko», betonte Jutzeler.

Geländehebungen möglich

Aber es sei ein Pilotprojekt, bei dem zuerst die technische Machbarkeit nachgewiesen werden müsse. So würde bei Bedarf in den unteren Sandsteinschichten auch dünn horizontal gebohrt. Es könne zu «kleinen Geländehebungen und -setzungen» kommen. «Das wollen wir mit einer Beobachtungsbohrung analysieren. Wenn wir in dieser Pilotphase eine unzulässig grosse Erhebung feststellen sollten, würden wir reagieren», sagte Jutzeler.

Die EWB will vom westlichen Rand ihrer Energiezentrale Forsthaus schräg unter ein kleines Waldstück bohren. Damit sei weder das Gebäude von möglichen Erhebungen betroffen, noch müsse Wald gerodet werden. Der Standort ist aber pikant, weil in der Umgebung Eisenbahnlinien und Autobahnen vorbeiführen.

Jutzeler betonte aber, dass der Radius des Geospeichers auf 50 Meter veranschlagt sei und damit höchstens die Autobahn am Rande tangiert wäre. Es habe im Untergrund auch keine Gipsschicht, die sich mit Wasser vollsauge und deshalb grössere Geländeverformungen verursachen könne, wie dies andernorts passiert ist. Das Grundwasser werde auch nicht erwärmt, denn im obersten Bereich würden die Bohrlöcher speziell isoliert.

Die Kosten für das Projekt schätzt die EWB auf bis zu 20 Millionen Franken. Der Geospeicher allein soll 6,8 bis 13,8 Millionen Franken kosten, je nachdem, ob nur drei oder bis zu sechs Bohrungen nötig sind. 40 bis 60 Prozent dieser Kosten sollen mit Subventionen unter anderem aus der CO2-Abgabe finanziert werden. Zusätzliche Investitionen sind für die Rückgewinnung der Kaminabwärme und für die Einbindung in die Energiezentrale nötig. «Wir glauben, dass die Anlage rentabel sein kann», sagte EWB-Chef Daniel Schafer.

Erste Bohrungen Ende 2018

Die EWB beantragt nun die Bohrbewilligung. Die Bohrlochtests sollen im vierten Quartal 2018 beginnen. Nach einer Testphase und dem nötigen Ausbau soll der Betrieb 2022 starten.

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