Facelift für die alte Holzbrücke

Die rund 450 Jahre alte Aarberger Holzbrücke muss im Juli saniert werden. Früher wurde sie mehrmals überschwemmt und zerstört. Heute machen ihr nur noch Kleinlaster zu ­schaffen.

Orhan Kesenci löst die grossen Schrauben als Vorbereitung auf die Sanierung der Holzbrücke.

Orhan Kesenci löst die grossen Schrauben als Vorbereitung auf die Sanierung der Holzbrücke.

(Bild: Beat Mathys)

Hie und da knarrt es leise unter den Füssen, oder es vibriert leicht, wenn ein Auto vorbeifährt. Wer die 86 Meter lange Holzbrücke in Aarberg überquert, wandelt auf einem bedeutenden Stück Geschichte. «Bis 1921 musste man die Holzbrücke überqueren, um Aarberg zu passieren», erzählt Hans Pfäffli vom Ortsarchiv Aarberg. Seit rund 450 Jahre ist sie das Tor zum Stedtli.

Die Holzbrücke war der Hauptzugang zum Stedtli. Bild: zvg

Notwendige Arbeiten

Die Gemeinde Aarberg ist für die Strasse und deren Unterhalt verantwortlich. Die Brücke selbst gehört aber dem Kanton. Das Tiefbauamt liess diese letztes Jahr von einem Ingenieurbüro kontrollieren. Dabei wurde festgestellt, dass sie komplett saniert werden muss. «Die Abdichtungen weisen Schwachstellen auf, und einige Elemente der Konstruktion sind verrostet», sagt Bernard Progin, Projektleiter beim kantonalen Tiefbauamt. So wird die Holzkonstruktion abgedichtet, und wo nötig werden Holzteile ausgetauscht.

Auch der Fahrbahnbelag wird ersetzt. Die Kosten von 650'000 Franken übernimmt der Kanton. Während der Sanierung wird der Verkehr umgeleitet (siehe Kasten). «Alle nötigen Arbeiten wurden vorab mit dem Denkmalschutz und der Gemeinde abgesprochen», sagt der Projektleiter. Das Gesamtbild der Holzbrücke werde sich nicht verändern.

Im Gegensatz zur Brücke hat sich ihre Umgebung über die Jahrhunderte stark verändert. Unterhalb der Brücke, wo heute Leute an der Alten Aare spazieren gehen oder gemütlich auf einem Bänkli sitzen, war einst nur Wasser. «Die Aare floss direkt nach Büren, und die um 1568 erbaute Holzbrücke hatte es mit mächtigen Wassermassen zu tun», sagt Hans Pfäffli.

Dem Hochwasser ausgesetzt

Das Grosse Moos wurde regelmässig überschwemmt. Da sich das Wasser im flachen Gelände ungehindert ausbreiten konnte, waren Hochwasser für die Menschen im Seeland besonders verheerend. Auch die Holzbrücke wurde dadurch im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals zerstört. Die erste Juragewässerkorrektion 1868 bis 1891 beruhigte die Lage schliesslich. Die Aare wurde fortan durch den Hag­neckkanal in den Bielersee umgeleitet.

Unfälle mit Kleinlastern

Die Brücke besteht hauptsächlich aus Fichten- und Eichenholz. Die wuchtigen Tragebalken aus etwa 20 Meter langen Douglasfichtenstämmen wurden bereits vor rund 20 Jahren ausgetauscht. Immer wieder ersetzt werden müssen die Balken unterhalb des Brückendaches. Grund dafür sind zahlreiche Unfälle mit Kleinlastern, die an der Holzbrücke anecken. Obwohl die zulässige Höhe der Durchfahrt mehrfach ausgeschildert ist und das Tempolimit bei 30 Kilometern pro Stunde liegt.

Zudem ist auf beiden Seiten der Brücke eine Holzleiste mit hängenden Ketten als Warnung angebracht. Es nützt alles nichts. Die Unfälle schaden der Struktur der Brücke und erfordern jeweils eine Sicherheitskontrolle durch das Tiefbauamt.

Die Suche nach einer besseren Schutzmassnahme gestaltet sich schwierig. «Für einen echten Schutz bräuchte es eine massive Metallkonstruktion ausserhalb der Brücke. Bisher haben wiraber noch keine Lösung gefunden, die dann auch optisch zum Stadtplatz passen würde», sagt Fritz Affolter (SVP), Gemeindepräsident von Aarberg.

Berner Zeitung

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