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Fahrende wollen nur bis Freitag bleiben

Fahrende sorgten in den letzten Wochen im Oberaargau für rote Köpfe. Nun ist eine Familie in Belp stationiert. Sie will den Rastplatz schnell wieder verlassen. Der Landbesitzer ist zuversichtlich, dass sie dies auch tut.

Auf ihrem Rastplatz am Jägerheimweg in Belp leben die Fahrenden seit Donnerstag. Der Landbesitzer gibt ihnen eine Woche Zeit.
Auf ihrem Rastplatz am Jägerheimweg in Belp leben die Fahrenden seit Donnerstag. Der Landbesitzer gibt ihnen eine Woche Zeit.
Andreas Blatter

«Wir wollen keinen Zeitungsbericht.» Das sagt eine der Fahrenden, die seit Donnerstag in Belp wohnt. Die Frau – sie ist um die Vierzig, spricht gut Französisch und will ihren Namen und ihre Herkunft nicht sagen – weiss warum. Fahrende aus dem Elsass haben diesen Monat in Wynau für Schlagzeilen gesorgt. Statt wie mit dem Landbesitzer abgemacht nach drei Tagen weiterzuziehen, blieben die Fahrenden schliesslich zwei Wochen. Nicht nur das. Es kamen immer mehr Familienmitglieder dazu. Aus den anfänglich 3 wurden schliesslich 14 Wohnwagen. Dass die Familien das Feld als Toilette benützten und den Abfall nicht entsorgten, sorgte bei Anwohnern für Ärger.

In Wynau sei sie nicht gewesen, sagt die Frau in Belp, als sie die Zeitungsausschnitte sieht. Sie ist in Begleitung einer vielleicht 15-jährigen Jugendlichen. Diese zeigt aber auf den Mann auf dem Zeitungsfoto und sagt: «Es sind meine Verwandten.»

Spontan zugesagt

In Belp sind es 7 Wohnwagen. Sie stehen auf der Wiese bei Jörg Gassers Hof am Jägerheimweg 270. Gasser hat den Bauernbetrieb aufgegeben. Die Wiese braucht er nur noch als Parkplatz für die Gäste seiner «Präriebar», die er vor zehn Jahren im Hof eingerichtet hat. Wie beim Landwirt in Wynau haben die Fahrenden bei Gasser an der Tür geklingelt und gefragt, ob sie hier rasten dürfen. Gasser hat spontan für eine Woche – und 300 Franken – zugesagt.

«Chemische Toiletten»

Das war am vergangenen Donnerstag. Diesen Freitag wollen die Familien abreisen, bestätigt die 40-Jährige. Werde diese Abmachung wie in Wynau nicht eingehalten, habe seine Freundlichkeit ein Ende, kündigt Landbesitzer Gasser an. Die Wiese braucht er dann nämlich wieder als Parkplatz für seine Barbesucher. Bisher sei das Areal sauber geblieben, es gebe chemische Toiletten an Bord, wie die Frauen und auch Jörg Gasser sagen.

Die 40- und die 15-Jährige wissen nicht, dass im gleichen Dorf seit Jahrzehnten Fahrende leben. Sie kennen die Familien nicht, die sich im Industriegebiet Aemmenmatt niedergelassen haben und dort sogar ein Grundstück im Baurecht besitzen. Ausserhalb dieses Standplatzes heisse Belp auf Gemeindeland keine Fahrenden willkommen, sagt Gemeindepräsident Rudolf Neuenschwander (SP). Er wusste gestern noch nichts von den Gästen am Jägerheimweg. Weil es sich um ein privates Grundstück handelt, hat die Gemeinde dort nichts zu melden. Die Familien dürften legal bis zu einem halben Jahr bleiben. Solange es keine Probleme mit Lärm und Abfall gebe, sagt Neuenschwander.

«Gerüchte»

Mit den Fahrenden tauchten in Belp Gerüchte auf. Die Leute hätten Bedenken, schreibt eine Leserin, die namentlich nicht genannt sein will. Bei einer kleinen Umfrage dieser Zeitung kann aber niemand etwas Handfestes sagen. «Man hat halt Bedenken. Aber sie sind freundlich», sagt auch Gassers Mutter Hanni Gasser. Am Wasserhahn vor ihrem Haus füllen die Familien mehrmals täglich grosse Plastikkanister auf. Auch die 40-Jährige und die Jugendliche tun dies. Ihnen gefalle es in Belp, in der Schweiz generell. Das ganze Land hätten sie schon bereist. Eine der Stationen war Kloten. Dort war der Fluglärm viel grösser als hier im Belpmoos.

Auf ihrem Rückweg zum Standplatz säumen ein paar schwarze Kehrichtsäcke den Weg. Also doch Freiluftklos und Abfälle, denkt man schnell. Falsch. Es ist die improvisierte Stromversorgung, die Jörg Gasser so vor Nässe schützt.

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