«Fahrlehrer mit Nerven wie Drahtseilen»

Wir wollten wissen, welche Erinnerungen Leserinnen und Leser mit ihrer Zeit als Fahrschülerin oder Fahrschüler verbinden. Hier eine Auswahl an Geschichten.

Üben, üben, üben. Fahrlehrer und Fahrschüler unterwegs auf einer Lernfahrt (Symbolbild).

Üben, üben, üben. Fahrlehrer und Fahrschüler unterwegs auf einer Lernfahrt (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Als Landei durch die Stadt Bern gefahren

«Meine erste Fahrstunde ist mir noch in bester Erinnerung, ich war damals 19-jährig: Am 1. Juni 1962 fuhr ich morgens mit der Eisenbahn ab Herzogenbuchsee durch die, man glaubt es kaum, verschneite Landschaft Richtung Bern. Auf dem Waisenhausplatz war ich mit meinem Fahrlehrer verabredet. Ich musste mich gleich hinter das Steuerrad setzen und auf der mit Nassschnee belegten Strasse aus der Stadt Richtung Bremgartenwald fahren. Ich hatte noch überhaupt keine Erfahrung mit Fahren, da wir in unserer Familie weder ein Auto noch einen Traktor besassen. Wenn ich mich heute daran erinnere, so muss ich mich als Landei sicher unmöglich angestellt haben. Und mein Fahrlehrer brauchte wohl Nerven wie Drahtseile. Ich benötigte etliche Stunden mit Stadtfahrten, vorbei am Loeb-Egge oder übte seitwärts parkieren. Aber Ende Sommer bestand ich gleichentags und mit Erfolg die theoretische und die praktische Prüfung. Heute bin ich auf das Auto angewiesen, da wir an keiner Bus- oder Bahnverbindung wohnen.» Elisabeth Uebersax-Allemann, Bleienbach

Bei der Anfahrt am Berg rückwärtsgerollt

«Als Automechanikerlehrling durfte ich mit einer Sonder­genehmigung meinen Führerschein bereits mit siebzehneinhalb Jahren machen. Das war 1958 in Ehingen an der Donau. Mein Lehrmeister betrieb auch eine Fahrschule, und so erhielt ich den Unterricht zu einem vergünstigten Tarif. Jedoch hatte ich insgesamt nur drei Fahrstunden und verfügte kaum über Fahrpaxis. Denn zum Reparieren durften wir Lehrlinge die Autos nur in die Werkstatt schieben und fuhren nur, wenn der Meister nicht da war. Die Theorieprüfung wurde mündlich abgefragt und fand im Haus meines Chefs im Theoriesaal statt. Der Experte kam alle vierzehn Tage für diese Prüfungen zu uns ins Haus, dann musste ich immer seinen VW Käfer waschen. So kannten wir uns gut, und ich erhoffte mir für die Prüfung einen Bonus, was ich wohl auch hatte. Denn an der Fahrprüfung bin ich vor lauter Aufregung und im Wissen darum, mit so wenig Praxis eigentlich nicht fahrtauglich zu sein, mit dem Auto beim Anfahren am Berg einige Meter rückwärtsgerollt. Das hätte im Normalfall schon genügt, durchzufallen – aber ich habe bestanden.» Roland Schuck, Hilterfingen

Eine Fahrprüfung extra für Spanien

«Als junger Fachmann erhielt ich vor 51 Jahren von meinem damaligen Schweizer Arbeitgeber die Gelegenheit, in der Tochterfirma in Spanien an einem Fabrikneubau und später daselbst als Betriebsleiter tätig zu sein. Vorgesehen war ein mehrjähriger Einsatz mit Familie. Abgesehen vom alltäglichen Papierkrieg, sei es beruflich oder privat, waren viele Dinge für mich neu oder vollkommen ungewohnt, so auch der amtliche Bescheid, dass ich meinen vor vielen Jahren in der Schweiz rechtsgültig erworbenen Führerausweis nicht gegen den spanischen Ausweis umtauschen könne. Begründung: Mein Schweizer Ausweis sei eine Fälschung. Alle meine eingeholten Bestätigungen seitens Konsulat fruchteten nicht. Ich war gezwungen, im Alter von 30 Jahren die Fahrprüfung mit Theorie und Praxis nochmals abzulegen, und das in spanischer Sprache. Aufgrund ungenügender Sprachkenntnisse versagte ich bei der ersten Theorieprüfung knapp. Beim zweiten Versuch klappte es dann jedoch. Nach einer zwanzigstündigen Fahrschule mit einem Fahrschulwagen, ausgestattet mit Doppelsteuerung, konnte ich die Prüfung endlich erfolgreich ablegen.» Edgar Peter, Fraubrunnen

Suche nach dem Schalter für den Scheibenwischer

«Es ist bald 40 Jahre her, dass ich im heissen und trockenen Sommer 1979 Auto fahren lernte. Ich war 18 Jahre alt. Mein Fahrlehrer fuhr damals einen Golf 1, und während meiner vielen Fahrstunden regnete es nie. Meine Fahrprüfung stand am 16. August in Bern an, und der Himmel verdunkelte sich. Ich fuhr mit dem Experten über das damals noch recht neue Felsenauviadukt der Autobahn A1, und es begann zu regnen. Worauf ich den Scheibenwischerschalter betätigen wollte und ihn dort vermutete, wo er bei Vaters altem Mercedes war. Fehlanzeige. Schüchtern fragte ich den Prüfungsexperten, wo denn beim Golf dieser Schalter sei. Verdutzt schaute er mich an und zeigte mir, wo. Noch heute denke ich ab und zu daran und muss darüber lachen. Die Fahrprüfung habe ich damals problemlos bestanden.» Adrian Bitterli, Steffisburg

Ein Schreckensmoment an der Theorieprüfung

«1972, im Alter von 21, sass ich mit zwanzig anderen Kandidaten an der theoretischen Fahrprüfung in Bern. Vor mir lag ein Bogen mit 40 Multiple-Choice-Fragen. Nach zehn Minuten war ich bereits fertig und wartete darauf, dass die Zeit verging. Endlich forderte die Aufsichtsperson uns dazu auf, das Ausfüllen der Bögen langsam abzuschliessen. Ich ging mit meinem Bogen nach vorne, und die Aufsichtsperson sagte zu den anderen Kandidaten: ‹Nehmen Sie sich ein Beispiel an diesem jungen Mann, er hat den Mut, seine Arbeit abzugeben. Tun Sie es ihm gleich.› Die Aufsichtsperson legte eine Schablone auf mein Blatt, mit welcher meine Arbeit überprüft werden konnte. Gemäss Schablone hatte ich nur gerade mal drei bis vier Antworten richtig angekreuzt. Was für ein Schreckensmoment! Mir rutschte fast das Herz in die Hose, und Peinlichkeit schnürte mir den Hals zu. Zum Glück bemerkte der Prüfer, dass er die Schablone falsch herum auf mein Blatt gelegt hatte. Er korrigierte sofort, und ich hatte bestanden!» Gerhard Huber, Herrenschwanden

Nach Fahrstunde jeweils pflotschnass

«Ich wuchs in Thun auf, die Stadt war punkto Verkehr ein Provinznest. 1973, als ich 22-jährig war, verschlug es mich berufshalber nach Basel. Hier lernte ich Auto fahren. Damals galt Basel als die grösste Baustelle Europas, alle zwei bis drei Meter Verkehrssignale, dann die vielen Trämli, die Busse und die Fussgänger. Nach meiner Fahrstunde war ich jeweils pflotschnass und der alte Fahrlehrer mit den Nerven fast am Ende. Während der dritten Lektion, als der Lehrer schon wieder im Begriff war, die Nerven zu verlieren, stoppte ich kurzerhand auf dem Aeschenplatz das Fahrzeug, stieg aus und kündigte den Unterricht. Mit einem jüngeren Lehrer schaffte ich die Prüfung dann auf Anhieb.» Thomas Bächler, Thun

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