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Fan in der Höhle des Löwen

Er ist im Raum Basel geboren und lebt noch heute dort. Dennoch hält Roland Probst den Bernern die Treue. Das hat auch mit dem legendären Karli Odermatt zu tun.

Gelb-schwarz statt rot-blau: Roland Probst, YB-Fan.
Gelb-schwarz statt rot-blau: Roland Probst, YB-Fan.
Marcel Bieri

Der kleine Wimpel am Rückspiegel und der unscheinbare Kleber am Heck sind definitiv zu wenig. Jetzt, da YB allen den Meister gezeigt hat, wird Roland Probst sein schwarzes Auto analog zu den Clubfarben mit zwei gelben Streifen verzieren. Auch zu Hause reicht es nicht mehr, zum Heimspiel die einfache Match­tag-Fahne vors Fenster zu hängen. «Ich werde mir eine Fahnenstange zulegen und dann die richtige YB-Fahne hissen», sagt der 46-Jährige und strahlt.

Denn Roland Probst wohnt dort, wo die ärgsten fussballerischen Rivalen den Ton angeben. In Ramlinsburg im basellandschaftlichen Waldenburgertal gehört es sich, den FC Basel zu unterstützen. Jenen Club also, der in den zurückliegenden Jahren jeweils wie von selber zum Meistertitel kam – und jetzt von den Bernern kurzerhand vom Thron gestürzt worden ist.

Ob es da nicht heikel ist, quasi in der Höhle des Löwen seine Liebe zu den Gelb-Schwarzen derart offensiv zu zeigen? Roland Probst lacht und schüttelt energisch den Kopf. Einverstanden, gibt er zu, in seinem Tal seien die YB-Fans tatsächlich an einer Hand abzuzählen. Und derart fokussiert auf die Berner sei neben ihm kaum einer, wobei: Zu befürchten habe er trotzdem nichts. Offene Feind­seligkeiten seien ihm bisher je­denfalls nicht widerfahren. Und mit den Kommentaren der Kollegen zum Beispiel aus seiner Basler Fasnachtsclique habe er zu leben gelernt.

«Du wirst 100 Jahre alt . . .»

Der Spott ist ohnehin längst verstummt und offener Anerkennung, ja ersten Gratulationen ­gewichen. Zu Recht, wie Roland Probst hörbar stolz anfügt: «Du wirst 100 Jahre alt, bis YB Meister ist», würde zum aktuellen Formstand der Berner genauso wenig passen wie der mitleidige Kommentar nach einem vermasselten Spiel: «Ihr habt es mal wieder veryoungboyselt . . .»

Im YB-Trikot zur Schule

Wie ein gebürtiger Baselbieter überhaupt dazu kommt, YB-Fan zu werden? Jetzt blickt Roland Probst zurück in seine Jugend, erzählt von seinem Vater. Dieser war in jungen Jahren tatsächlich Fan des FC Basel und insbesondere des legendären Karli Odermatt, der damals am Rheinknie spielte. Als dieser Mitte der 1970er-Jahre zu YB wechselte, änderte auch der Vater seine fussballerischen Vorlieben. Und mit ihm die ganze Familie: «Ich bin mit YB grossgeworden.»

In ähnlicher Art wachsen nun seine zwei Töchter und vor allem sein Sohn in die Berner Fanwelt hinein. Der 7-Jährige hat schon Rückgrat bewiesen: «Er wollte unbedingt im YB-Trikot zum Turnunterricht und ins Training. Ich warnte ihn vor den Sprüchen der Schul- und Fussballkollegen, doch darob liess er sich bis heute nicht beirren.»

Für Roland Probst selber sieht die Welt künftig noch etwas bernischer aus. Anfang Mai wechselt er als Aussendienstmitarbeiter von den Basler (!) Versicherungen zu den Innova-Versicherungen in Gümligen. Nicht dass die ständige Erinnerung an die Stadt der Erzrivalen für ihn zur Belastung geworden wäre, ganz im Gegenteil.

Er habe gerade über den Beruf sehr nette Leute kennen gelernt, sagt er und erzählt von einem Paar, das heute zu seinen guten Freunden zählt. Er traf die beiden beim ersten Besuch im rundum rot-blauen Look des FC Basel an. Das ist bis heute so geblieben, aber: «Wenn sie an einen Match nach Bern fahren, machen sie ­immer einen Abstecher in den YB-Fanshop und kaufen etwas für mich ein.»

Nun im Berner Auto

Trotzdem bringt der berufliche Wechsel einen unbestreitbaren Vorteil mit sich. Roland Probst kommt zurück auf den kleinen YB-Wimpel: Ihn an den Rückspiegel eines Autos mit Berner Nummernschildern hängen zu können, ja, das ist natürlich viel stilechter.

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