Fast vergessener Nobelpreisträger soll zu Ehren kommen

Kaum jemand weiss noch, dass der Berner Regierungsrat und Pazifist Charles Albert Gobat 1902 den Friedensnobelpreis erhielt. Das soll sich nun ändern.

Die Universität Bern war Charles Albert Gobats Wirkungsstätte.

Die Universität Bern war Charles Albert Gobats Wirkungsstätte.

(Bild: Walter Pfäffli)

Anders als etwa Rotkreuz-Gründer Henry Dunant ist der Berner Friedensnobelpreisträger Charles-Albert Gobat heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Nun will der Kanton das Wirken Gobats im Berner Rathaus sichtbar machen: zum Beispiel mit einer Bronzetafel.

Der Regierungsrat zeigt sich bereit, eine entsprechende Forderung von Grossrätinnen und Grossräten von Grünen, FDP und SP anzunehmen, allerdings nur in der abgeschwächten Form eines Postulats.

Dies deshalb, weil es zunächst diverse Abklärungen zu tätigen gilt, namentlich mit der Denkmalpflege und der Stadt Bern, die alle baulichen Veränderungen am historischen Rathaus genehmigen muss.

Zum andern verweist die Kantonsregierung auf verschiedene Aktivitäten, die derzeit im Gang sind, um Gobat einer breiten Bevölkerung wieder bekannt zu machen. Namentlich in der Stadt Bern ist ein Vorstoss hängig. In Tramelan, der Herkunftsregion von Gobat, laufen Vorbereitungen für eine Gobat-Friedensstiftung.

Es sei wichtig, dass die verschiedenen Bestrebungen untereinander koordiniert würden und am Schluss «ein stimmiges Gesamtgefüge» entstehe, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf den Vorstoss.

Einsatz für den Weltfrieden

Gobat, der Pfarrerssohn aus Tramelan, studierte 1862-64 Rechtswissenschaften, Geschichte und Literatur an der Universität Basel. Nach Promotion und Habilitation übernahm er 1868 eine Kanzlei im damals noch zum Kanton Bern gehörenden Delsberg.

Seine politische Karriere startete Gobat als freisinniger Berner Grossrat. Kaum drei Monate später wurde Gobat in die Berner Kantonsregierung gewählt.

Gobat galt als charismatischer Mann mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Als bernischer Erziehungsdirektor eckte er mit seinem autoritären Führungsstil bisweilen an, wie aus dem Historischen Lexikon der Schweiz hervorgeht. Als unbestritten gelten seine Verdienste um die Reform der Primarschulgesetzgebung 1894 und die materielle Besserstellung der Lehrkräfte.

Preisträger 1902

Auf Bundesebene politisierte Gobat im Stände- und im Nationalrat. Dabei setzte er sich mit Nachdruck für die Entstehung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches ein. Neben seinem politischen Engagement auf kantonaler und nationaler Ebene fand Gobat auch noch Zeit, sich für den internationalen Frieden einzusetzen.

Von 1892-1909 amtierte er als erster Generalsekretär der Interparlamentarischen Union für den Frieden. Gemeinsam mit dem befreundeten Elie Ducommun erhielt er 1902 den Friedensnobelpreis.

Nach dem Tod von Generalsekretär Ducommun hatte Gobat 1906 bis zu seinem Tod im Jahr 1914 die Leitung des Internationalen Friedensbüros in Bern inne.

Vergeblich hatte Gobat versucht, die weltumspannende Tragödie des 1. Weltkriegs zu verhindern. Einen Gutteil seiner Schaffenskraft setzte er für pazifistische Anliegen ein.

ss/sda

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