FDP schlägt SVP

Wichtrach

Der neue Wichtracher Gemeinderat ist gewählt. Erstmals holte sich die FDP mehr Stimmen als die SVP. Auch das Gemeindepräsidium wird mit Bruno Riem von einem Liberalen besetzt.

Bruno Riem (FDP) ist Wichtrachs neuer Gemeindepräsident (Archivbild).

Bruno Riem (FDP) ist Wichtrachs neuer Gemeindepräsident (Archivbild).

(Bild: zvg)

Sheila Matti

Einer nach dem anderen traf ein, jeder gab dem anderen freundlich die Hand, fragte nach dem Befinden. Vor der Gemeindeverwaltung Wichtrach bildete sich gestern Nachmittag ein grosser, geschlossener Kreis. Von Konkurrenzkampf konnte kaum mehr die Rede sein.

Neben der Neubesetzung des Gemeinderats ging es vor allem um den begehrten Posten des Präsidenten. Drei Kandidaten buhlten um die Nachfolge von Hansruedi Blatti (FDP), der Ende Jahr abtritt: Regula Ramseyer (SVP), Bruno Riem (FDP) und Daniel von Rütte (SP plus).

Als sich die Tür zur Verwaltung öffnete und Kandidierende, Parteikollegen, Freunde und ­Familienmitglieder eingelassen wurden, stieg die Aufregung langsam. Besonders in der Ecke von Daniel von Rütte machte sich die Anspannung bemerkbar: Der 64-Jährige sitzt seit zwölf Jahren im Gemeinderat und müsste ­wegen Amtszeitbeschränkung eigentlich aufhören. Die einzige Möglichkeit, weiter Teil des Gemeinderats zu bleiben, ist das Präsidium.

Jubel bei der FDP

Gemeindeverwalter Andreas Stucki verkündete die Ergebnisse, schnell und unkompliziert. Zuerst jene der Gemeinderatswahlen: Es war die FDP, die jubelte. Sie erreichte zum ersten Mal einen höheren Wähleranteil als die SVP. Damit holte sich die Partei einen zusätzlichen Sitz – neben dem Bisherigen Bruno Riem schafften auch Marc Niederhäuser und Stéphanie Mohler den Sprung in den Rat. Die SVP hingegen verlor einen Sitz.

Und einer der begehrten Plätze ging tatsächlich an die SP plus. Gut 20 Prozent der Stimmen konnte sich Daniel von Rütte sichern. Er und sein Parteipräsident Klaus Kehl zeigten sich erleichtert. Der erste Schritt war geschafft.

Es folgte der Moment, auf den alle gewartet hatten. Die Präsidiumsstimmen. Stucki machte es wieder kurz, als würde er ein Pflaster abreissen. Bruno Riem stand in der vordersten Reihe, umgeben von seinen Parteikollegen. Als sein Name fiel, machte sich ein Grinsen auf seinem Gesicht breit. Es würde bis zum Abend halten. 644 Stimmen hatte der FDP-Mann erreicht, 11 Stimmen mehr, als für das absolute Mehr nötig gewesen wären. Entgegen den allgemeinen Erwartungen entfällt damit der zweite Wahlgang, der neue Gemeindepräsident steht fest.

«Ich bin überwältigt», sagte Riem später, als sich alle wieder auf dem Parkplatz sammelten. Es sei ein Tag zum Feiern, die FDP habe alle Ziele erreicht. «Natürlich bedeutet das Amt auch viel Verantwortung», meinte Riem, «aber ich konnte mich bisher immer auf meine Gemeinderatskollegen verlassen. Das wird in der neuen Konstellation sicher nicht anders sein.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Im Inneren der Gemeindeverwaltung blieb die SP zurück. Daniel von Rütte lächelte, wirkte gefasst. Weil er den Sprung ins Präsidium nicht geschafft hat, darf er auch den Ratssitz nicht einnehmen. «Traurig bin ich aber nicht», meinte er, «immerhin haben wir ein tolles Ergebnis erreicht.» Zehn Tage bleiben der SP nun, um einen Ersatzkandidaten zu finden. Gelingt ihr das nicht, kommt es zur Nachwahl um den freien Sitz, und die Wichtracherinnen und Wichtracher werden erneut zur Urne gebeten.

Es sei eine schwierige Aufgabe, sagte auch Parteipräsident Klaus Kehl. Bereits im Vorfeld der Wahlen habe man «alles abgegrast» – ohne Erfolg. Ob sich doch noch ein Ersatz finden lässt? «Ich bin skeptisch», so Kehl. Aber die Hoffnung sterbe zuletzt. Immerhin zeige der Stimmenanteil von 20 Prozent, dass die SP in der Gemeinde durchaus geschätzt werde.

«Es ist halt wie bei jeder Wahl: Es gibt immer Gewinner und Verlierer», meinte Daniel von Rütte. Er blieb versöhnlich: «Ich hatte eine tolle Zeit im Gemeinderat, wir hatten es immer gut zusammen.» Und so trat er aus dem Gemeindehaus, zurück auf den Parkplatz. Er gratulierte Bruno Riem, beide lachten. Und wieder stand Wichtrach geschlossen in einem Kreis.

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