Ferienzeit ist Wahlkampfzeit

Belp

Noch zehn Tage bis zur Wahl: Benjamin Marti und Stefan Neuenschwander kämpfen bis zuletzt um das Belper Gemeindepräsidium.

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Johannes Reichen

Wenige Menschen am Bahnhof, kaum Passanten auf der Strasse, keine Leute auf dem Dorfplatz. Am gestrigen Mittag machte Belp einen verschlafenen Eindruck – kein Wunder, es sind Ferien. Nur zwei Männer finden gerade keine Ruhe. Benjamin Marti (SVP) und Stefan Neuenschwander (SP) erleben strenge Tage.

Am 23. Oktober wollen sie zu Belps erstem hauptamtlichem Gemeindepräsidenten gewählt werden. Dabei gehen sie ganz normal ihren Jobs nach, beide arbeiten sie ja in einem Notariatsbüro. Aber nun müssen sie Wahlkampf betreiben. Deshalb sind sie über Mittag rasch nach Belp gekommen. Marti mit dem Zug aus Thun, Neuenschwander mit dem E-Bike aus Muri.

Umstrittene Unterstützung

Ferienzeit? Marti winkt ab. «Davon merke ich nichts.» Die Leute, die er kontaktiere, erreiche er in der Regel auch. Belp sei ein politisches Dorf, beide Seiten investierten viel in den zweiten Wahlgang, das freue ihn. Er spüre auch viel Unterstützung.

Marti wird auch von der EDU und der FDP zur Wahl vorgeschlagen. Nicht aber von der BDP, die sich wie die GLP und die GFL für Neuenschwander ausspricht. «Das muss die BDP wissen», sagt Marti dazu, und auch SVP-Präsident Jan Griessen nimmts locker: «Das wundert mich nicht wirklich, die BDP Belp weicht häufig von bürgerlichen Positionen ab.»

Marti im ersten Wahlgang Erster

Dafür wird Marti von Christoph Neuhaus unterstützt. Der SVP-Regierungsrat aus Belp, der sich schon mehrmals in Onlinekommentaren zu den Wahlen geäussert hat, empfiehlt Marti in dessen Wahlprospekt zur Wahl. «Das hat mich doch sehr erstaunt», sagt SP-Präsidentin Kristin Arnold. Neuenschwander sagt: «Das ist sein gutes Recht.»

Im ersten Wahlgang holte Marti 1120 Stimmen und setzte sich wie erwartet an die Spitze des Feldes. Neuenschwander erhielt 967 Stimmen und qualifizierte sich als Zweiter klar für den zweiten Wahlgang. Zudem war er der Sieger der Gemeinderatswahlen und sorgte so für die grosse Überraschung. Die SVP konnte mit einem zweiten Durchgang rechnen, die SP hatte sich nicht darauf eingestellt. «Deshalb läuft uns etwas die Zeit davon», sagt Neuenschwander. Er merke, dass viele Leute verreist seien.

Die Herausforderung

Es ist klar, er braucht neue Wähler, sonst hat er geringe Chancen, sein Ziel zu erreichen. «Ich sehe mich als Brückenbauer», sagt der 31-Jährige. Ihm sei wichtig, den Puls der Bevölkerung zu spüren. Zum Beispiel bezüglich der Dorfentwicklung.

«Belp ist stark gewachsen, da gibt es gewisse Ängste, die muss man ernst nehmen.» Belp müsse sich aber gesund weiterentwickeln. Mit einer höheren Steueranlage als den aktuellen 1,34 Einheiten? «Sollte das einmal nötig werden, braucht es gute Argumente, damit das die Bevölkerung versteht.»

Die Abläufe verbessern

Marti sieht es anders: «Ich gehe davon aus, dass eine Steuererhöhung keine Chance hätte, deshalb müssen wir mit den Mitteln arbeiten, die wir haben», sagt der 46-Jährige. «Wir wollen in den Werterhalt unserer Strassen, Gebäude und Anlagen investieren.» Dies in Einklang mit einer gesunden Finanzlage zu bringen, sei die grösste Herausforderung. Deshalb brauche es ein massvolles Wachstum mit Neuzuzügern und neuen Steuerzahlern.

Was will Benjamin Marti ändern? «Ich möchte die Abläufe auf der Gemeindeverwaltung ver­bessern.» Er habe den Eindruck, dass die Abteilungen der Gemeindeverwaltung zu wenig übergreifend arbeiteten.

Und was stört Stefan Neuenschwander? Aktuell ein Schlüsselproblem. Jeder Verein habe während der Ferienzeit nur einen Schlüssel für die Dreifachturnhalle. «Das ist nicht optimal gelöst.» Dann ist die verlängerte Mittagspause um, die Arbeit im Notariatsbüro ruft. Für einen der beiden endet sie in zwei Monaten.

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