Fitnesscenter oder Vita-Parcours?

Ittigen

Sport im Fitnesscenter? Oder draussen? Im Verein? Oder allein? Wir haben mit Vita-Parcours-Liebhaber Peter Brunner ein neuartiges Fitnesscenter besucht. 

Dario Johner (l.) und Peter Brunner – beides Sportler, aber aus völlig unterschiedlichen Branchen.

Dario Johner (l.) und Peter Brunner – beides Sportler, aber aus völlig unterschiedlichen Branchen.

(Bild: Christian Pfander)

Annic Berset

Peter Brunner sieht skeptisch aus, als er den Raum betritt. Der 32-jährige Bolliger ist häufig im Wald auf dem Vita-Parcours anzutreffen und hat nicht viel am Hut mit der Art, sich drinnen sportlich zu betätigen, ausser im Turnverein Ittigen, wo er Mitglied ist.

Brunner ist trotzdem heute zu Gast im neuen Fitnesscenter von Dario Johner, wo dieser versuchen wird, Brunner sein Konzept schmackhaft zu machen. Denn Johner ist überzeugt, dass er mit der hierzulande noch unbekannten Trainingsmethode Calisthenics, dem Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht und ohne die handelsüblichen Geräte, eine Nische gefunden hat. Aus diesem Grund hat der 29-Jährige im Frühling das UCT Fitness in Ittigen eröffnet. 

Ringe, Seile, Autoreifen

Betritt man den grossen Raum an der Worblentalstrasse, sieht man als Erstes eine riesige Installation, die an ein Klettergerüst erinnert. Von der Decke hängen Seile, Ringe und Boxsäcke. Daneben gibt es eine grosse Fläche mit Trainingsmatten, ausserdem warten einige Autoreifen darauf, als Gewichte herumgetragen zu werden. Und was meint der Outdoorsportler dazu? Peter Brunner schaut sich um. «Einiges ähnelt der Infrastruktur eines Vita-Parcours oder den Geräten, die wir im Turnverein benutzen.»

Johner: «Macht es dir nichts aus, dass du auf dem Vita-Parcours immer dem Wetter ausgeliefert bist?»

Brunner: «Genau das sucht jemand, der draussen unterwegs ist, verschiedene Temperaturen, Gerüche, frische Luft.»

«Aber bei Regen geht ja wohl niemand gerne raus, oder?»

«Das stimmt, Nässe mag ich nicht. Aber bei Hitze zu trainieren zum Beispiel, macht mir überhaupt nichts aus.»

«Wenn es sehr heiss ist, erhitzen sich aber auch die Stangen bei den Übungen so sehr, dass man sie nicht berühren kann.»

«Diese Übungen lass ich dann weg», sagt Brunner und lacht. 

Besseres Körpergefühl

Dario Johner hat festgestellt, dass viele sich schwertun, mit einem Training überhaupt anzufangen. «Für diejenigen, die sich aufraffen, ist es besser, in einem optimalen Ambiente zu trainieren, ohne ungünstige Voraussetzungen, wie sie das Wetter manchmal mit sich bringt», so der 29-Jährige.

Der Personaltrainer, der schon vor der Eröffnung seines Raums in einem Fitnesscenter gearbeitet hat, findet aber auch, dass das konventionelle Training an den verschiedenen Kraftmaschinen zu wenige Vorteile mit sich bringt. Die beiden Sportler sind sich einig: «Übungen ohne Geräte sind viel besser für das Körpergefühl. Der Körper profitiert im Alltag mehr davon, als wenn man an einer Maschine einzelne Muskeln aufpumpt», sagt Peter Brunner.

Johner: «Ist es nicht ein Nachteil, dass du im Turnverein mit einer Übung nie alle zufriedenstellen kannst?»

Brunner: «Bei so vielen Leuten findet sich immer eine Übung, die dem einen oder anderen Typ entgegenkommt.»

«Haben all diese Teilnehmer nicht ganz individuelle Ziele, die man im Turnverein nur schwer verfolgen kann?»

«Klar, aber wir machen Breitensport auch, weil wir etwas in der Gruppe erleben wollen.»

«Es gibt auch diejenigen, die sich schämen und nicht vor anderen trainieren wollen. Dafür eignet sich ein individuelles Fitnesstraining besser.»

Gerade Frauen würden sich zu wenig zutrauen. «Es ist schade, dass der Anteil von Frauen bei mir im Moment noch gering ist», sagt Dario Johner. Denn das Training mit dem eigenen Körpergewicht sei für alle geeignet. Im Turnverein sei das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgeglichen, meint Brunner, im UCT Fitness trainieren nur 20 Prozent Frauen.

Am Ende der angeregten Diskussion hat es Dario Johner zwar nicht geschafft, Peter Brunner zu hundert Prozent zu überzeugen, aber dass Sport zusammenschweisst ist sofort klar. «Trainieren wir noch ein bisschen zusammen?», fragt der Personaltrainer den Turner, der keine zwei Sekunden überlegt, bevor er das Angebot annimmt.

Nur kurze Zeit später hat er bei Dario Johner gar einen Termin abgemacht, um mit der ganzen Turnabteilung vorbeizukommen.

Berner Zeitung

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