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Flüchtlingsbiografien auf Schwimmwesten

Am Dienstagnachmittag führte der Berner Entertainer Michael «Grosi» Grossenbacher drei Politiker durch Bern. Zusammen hörten sie sich im Rahmen des «Project Life Jacket» die Lebensgeschichten von Flüchtenden an.

Sibel Arslan, Nationalrätin der Grünen, hörte sich mit «Grosi» Grossenbacher die Lebengeschichte von Mohammed an. «Wir Schweizer können gar nicht wissen, wie es ist um sein Leben zu fürchten», kommentiert sie.
Sibel Arslan, Nationalrätin der Grünen, hörte sich mit «Grosi» Grossenbacher die Lebengeschichte von Mohammed an. «Wir Schweizer können gar nicht wissen, wie es ist um sein Leben zu fürchten», kommentiert sie.
zvg/Johannes Dörig
FDP-Politiker Kurt Fluri hörte sich die Geschichte von Farooq an, der in Syrien als Tierarzt auf einer Geflügelfarm. Er und seine Familie führten ein gutes, sorgloses Leben, bevor der Krieg begann.
FDP-Politiker Kurt Fluri hörte sich die Geschichte von Farooq an, der in Syrien als Tierarzt auf einer Geflügelfarm. Er und seine Familie führten ein gutes, sorgloses Leben, bevor der Krieg begann.
zvg/Johannes Dörig
Chantal Galladé von der SP hörte sich die Geschichte von Gahlia (48) an, die früher in Aleppo wohnte. Gahlia ist Mutter von 9 Kindern, sie hatte sich nie vorstellen können ihre Heimat zu verlassen. Doch er Krieg zwang sie dazu.
Chantal Galladé von der SP hörte sich die Geschichte von Gahlia (48) an, die früher in Aleppo wohnte. Gahlia ist Mutter von 9 Kindern, sie hatte sich nie vorstellen können ihre Heimat zu verlassen. Doch er Krieg zwang sie dazu.
zvg/Johannes Dörig
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Aus Flüchtenden wieder Menschen machen, Einzelfälle aus der Masse hervorheben - dies sei das Ziel des «Project Life Jacket» (siehe Box), erklärte Mitinitiant Michael «Grosi» Grossenbacher Sibel Arslan (Nationalrätin Grüne BS), während sich zusammen durch die Speichergasse in Richtung Bahnhof laufen.

Ihr Ziel ist das Plakat neben den Bahngleisen. Auf weissem Grund ist dort eine orangefarbene Schwimmweste zu sehen, die mit schwarzen Bildern bemalt ist: Ein Mann mit Tätowierungen, dahinter Szenen aus einem Wohnzimmer, einer Garage, einem Fussballfeld - es ist die Lebensgeschichte von Mohammed, auf die Schwimmweste gezeichnet, die ihn auf der Überfahrt aus der Türkei schützen sollte.

Unter der Weste ist ein QR-Code abgebildet, der zu einem Podcast führt, in dem Mohammed seine Geschichteerzählt. Sibel Arslan und «Grosi» Grossenbacher hören sie sich zusammen an. Es ist die Geschichte eines fast normalen Lebens: Mohammed war ein Automechaniker, der viel arbeitete und Sport trieb. Bis er dazu gezwungen wurde der Syrischen Armee beizutreten, wo er die brutalen Zustände nach einer Weile nicht mehr aushielt und keine andere Lösung mehr sah als in die Türkei zu fliehen.

«Diese Geschichte erinnert mich daran, wie wenig wir aus unserer sicheren Position hier in der Schweiz verstehen, was es bedeutet, Angst um sein Leben haben zu müssen», kommentierte Sibel Arslan Mohammeds Geschichte. Es sei unsere Aufgabe als wohlhabendes Land die Verantwortung wahrzunehmen und die Leben dieser Menschen zu schützen. Sie ist überzeugt, dass dies zu schaffen sei, wenn man es wirklich will.

Hier darf man nicht weghören

Ob das Projekt es schaffe, die Flüchtenden als Menschen darzustellen, fragt Michael Grossenbacher Sibel Arslan zum Abschluss. «Das Projekt schafft es, mit etwas Abstraktem die Person dahinter zu beschreiben. Es verbindet Kunst und Menschlichkeit. Das ist eindrücklich», antwortet sie.

Ähnlich angetan seien auch Kurt Fluri (FDP) und Chantal Galladé (SP), die sich das Projekt früher am Tag angsehen hätten, fasste Johannes Dörig, Mitinitiant von «Project Life Jacket» den Nachmittag zusammen. «Die Schicksale der Personen berührten jeden», stellte er fest. Auch wenn nicht jeder Politiker die gleichen Lösungsansätze bereithielt. In einem Punkt waren sie sich einig: Bei diesen Lebensgeschichten darf man nicht einfach weghören.

Alle Portraits und weitere Infos auf: https://projectlifejacket.com

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