Folgen der Frostnacht

Region Bern

Nach der vergangenen Frostnacht vermelden Berner Obst- und Beerenproduzenten erste Schäden. In der Nacht auf Dienstag droht erneut flächendeckender Frost.

Der Bodenfrost setzt den Pflanzen arg zu.<br><i>(Symbolbild/Keystone)</i>

Der Bodenfrost setzt den Pflanzen arg zu.
(Symbolbild/Keystone)

Im ganzen Mittelland kam es in der Nacht auf Montag zu Bodenfrost. Direkt über dem Boden in Zollikofen zeigte das Thermometer -7,7 Grad an. So kalt wie sonst nirgends im Flachland.

Weiter über dem Boden lag die Temperatur ebenfalls flächendeckend unter dem Gefrierpunkt. Einzig das Tessin und die Ufer der grösseren Seen blieben vor Minustemperaturen verschont. Das kalte Wetter im Frühling erinnert an das Jahr 2017.

Damals ruinierte eine Kaltfront Ende April vielen Obst- und Weinbauern die Jahresernte. Die Kälte der vergangenen Nächte wird auch dieses Jahr die Ernte beeinträchtigen. Jedoch nicht so drastisch wie vor zwei Jahren. Damals blieben trotz Schutzmassnahmen wie Frostkerzen und Vlies ganze Obstplantagen ohne Ertrag.

Kälte schadet Kirschen

Seine Kirschbäume hat Urs Grunder in der Nacht auf Montag mit Paraffinkerzen gewärmt. Auch viele seiner Berufskollegen haben sich mit Frostkerzen eingedeckt. Der Obstbauer ist Präsident des Verbands Berner Früchte und kennt sich mit der Kälteresistenz der unterschiedlichen Obstsorten aus. «Kirschen halten höchstens –1 Grad aus, Äpfel sind ein wenig robuster», erklärt Grunder.

Deshalb habe er nur die Kirschen beheizt. Doch auch bei den Äpfeln drohen je nach Sorte und Standort Ernteeinbussen. «Schäden gibt es, allerdings sind diese regional sehr unterschiedlich», bestätigt Grunder. Zudem will er noch die kommende Nacht abwarten, bevor er ein genaues Urteil fällt.

Kennt sich mit Obstbäumen aus: Urs Grunder.
(Archivbild/Christian Pfander)

Auch den Beeren schadete der Bodenfrost. «Wie die meisten Produzenten haben wir unsere Erdbeeren mit Vlies abgedeckt», sagt Grunder. Dieses schützt die Pflanzen normalerweise sehr gut vor der Kälte. Wegen des Niederschlags seien die Abdeckungen jedoch nass geworden. «Wo die Sträucher das feuchte Vlies berühren, entstehen Frostschäden», erklärt der Zäziwiler.

Bielersee schützt Reben

Besser ist es den Winzern am Bielersee ergangen. Der Rebbaukommissär Jürg Maurer bestätigt: «Am Bielersee gab es keinen Frost in den Reben.» Der See konnte die Ufer genügend warm halten. Ansonsten sei die Situation aber noch unübersichtlich, und er betont, dass noch eine weitere Frostnacht folge. Erst dann sei klar, was Sache sei.

Der deutliche Frost im Berner Mittelland schadet nicht nur den sensiblen Früchten. Auch Mais leidet unter den Minustemperaturen. Ab rund –3 Grad entstehen Frostschäden an den Blättern. Diese verfärben sich dunkel.

Wenn die Entwicklung der Maispflanze noch nicht zu weit fortgeschritten ist, erholt sich der Mais wieder, und gesunde Blätter spriessen. Der Verlust der abgefrorenen Blätter führt jedoch zu Ertragseinbussen im Herbst.

Abdecken oder beheizen ist beim Mais praktisch unmöglich. Den Landwirten bleibt nur zu hoffen, dass die Pflanzen robust genug sind und sich schnell von der Kälte erholen.

Berner Zeitung

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