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Frau übergibt falschen Polizisten 150'000 Franken

Dreiste Betrüger riefen eine Frau aus Bern unter der Notrufnummer 117 an und gaben sich als Polizisten aus. Die Täter brachten die Frau dazu, «Interpol-Mitarbeitern» an der Haustür 150'000 Franken in bar auszuhändigen.

Wenn auf dem Display die 117 aufleuchtet, ruft nicht die Polizei, sondern ein Betrüger an (Symbolbild).
Wenn auf dem Display die 117 aufleuchtet, ruft nicht die Polizei, sondern ein Betrüger an (Symbolbild).
Fotolia

Betrügern ist es letzte Woche in Bern gelungen, einer Frau rund 150'000 Franken abzuknöpfen. Sie glaubte falschen Polizisten, die ihr vorgaukelten, sie ermittelten in einem Einbruch- oder Raubdelikt.

Wie die kantonale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte und die Berner Kantonspolizei am Dienstag mitteilten, übergab die gutgläubige Frau an der Haustüre das Geld angeblichen «Interpol-Mitarbeitern». Sie war zuvor telefonisch dazu aufgefordert worden, grosse Summen Bargeld abzuheben.

Anrufe von Nummer 117 aus

Der Fall gehört zu über 70 Anrufen, welche Bewohner von Stadt und Region Bern seit Mitte Dezember erhielten. Stets meldeten sich akzentfrei hochdeutsch sprechende Personen, die angeblich von der Nummer 117 aus anriefen, also der Polizeinotrufnummer.

Ihr eigenes Telefon hatten die Betrüger zuvor so manipuliert, dass auf dem Display der angerufenen Person die 117 erschien. Die Betrüger sagten, sie ermittelten in einem Einbruch- beziehungsweise Raubdelikt. Dabei hätten sie bei verhafteten Tätern Bankdaten der angerufenen Person gefunden. Nun gehe es darum, deren Wertgegenstände in sicheren Gewahrsam zu nehmen.

Die falschen Polizisten wollen dazu eine Übergabe vereinbaren und die Wertsachen oder Bargeld in Empfang nehmen - so, wie das bei der erwähnten Frau klappte. Die Anrufer konnten bisher nicht identifiziert werden.

Swisscom ist machtlos

Bei der aktuellen Serie an Betrugsversuchen handelt es sich um sogenanntes «Spoofing». Bedeutet: Der Betrüger verschleiert seine Identität, indem er vortäuscht, jemand anderes zu sein. Im Internet hinterlegen Betrüger beispielsweise als Absender eine falsche IP-Adresse. Entsprechende Programme findet man im Internet.

Bei den aktuellen Telefonfällen wird dem Empfänger nicht die effektive Telefonnummer des Anrufers angezeigt, sondern eben die Notrufnummer 117.

Der Swisscom ist das Problem bestens bekannt. Mediensprecherin Annina Merk betont jedoch: «Verbindungen mit falschen Nummern stammen in der Regel nicht aus unseren Netzen, sondern kommen meistens von anderen Telekomnetzen in die Netze von Swisscom.»

Swisscom könne aufgrund der Absendernummer nicht beurteilen, ob der Anruf mit einer vorgetäuschten Nummer kommt, oder ob die Nummer dem abgehenden Anschluss zugeordnet sei: «Zahlreiche internationale Telekomanbieter können zwischen dem Anrufenden und dem Angerufenen liegen, was die Rückverfolgung und die Beurteilung verunmöglicht oder mindestens massiv erschwert», so Merk.

Auch Sperrungen nützen gemäss Swisscom nur begrenzt etwas, da die Ausprägungen von Spoofing vielfältig sind und sich die Muster der Betrüger laufend verändern. Auch wechseln die Täter ihre Nummern offenbar laufend.

Nie Persönliches preisgeben

Die Berner Kantonspolizei sagt zu diesen Fällen, sie rufe nie von der Telefonnummer 117 aus an. Diese Nummer sei eine schweizweit gültige Notrufnummer und könne von der Polizei gar nicht für Anrufe an die Bevölkerung verwendet werden.

Sie rät der Bevölkerung, am Telefon keine persönlichen Daten, Passwörter oder Angaben zu den finanziellen Verhältnissen preiszugeben. Im Zweifelsfall seien verdächtige Anrufe der Polizei zu melden.

SDA/sny/chh

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