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Für das Gericht war es eine Entführung

Das Obergericht bestätigt bedingte Gefängnisstrafen gegen ein Paar, das zwei Kinder nach Spanien entführt hatte.

Das Obergericht in Bern.
Das Obergericht in Bern.
Keystone

Mitte Juli 2015 verstaute ein Paar aus dem Oberaargau das Reisegepäck in seinem Auto und machte sich auf den Weg in Richtung Spanien. Mit an Bord waren die knapp 14-jährige Tochter und der noch nicht 9-jährige Sohn der Frau, die getrennt von ihrem Ehemann lebte. Es war aber keine normale Reise in die Sommerferien.

Das Paar beabsichtigte, in Marbella eine neue Existenz aufzubauen. Den Vater der beiden Kinder und die Behörden informierte es nicht. Einzig bei der Schule meldete es die Kinder später ab. Mit E-Mails legten die Frau und der Mann auch eine falsche Fährte. Sie wurden international zur Fahndung ausgeschrieben und Anfang Dezember 2015 in Spanien verhaftet.

Im Juni 2017 verurteilte das Regionalgericht in Burgdorf die beiden Beschuldigten wegen qualifizierter Entführung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 16 Monaten. Bei der Frau kam eine Geldstrafe dazu, weil sie bei einer Beurkundung für eine Firmengründung falsche Angaben gemacht hatte.

Nun hat das Berner Obergericht die Strafen bestätigt. Es änderte nur die Geldstrafe der Frau leicht ab. Auch für das zweitinstanzliche Gericht war der Fall klar: Die Reise war heimlich geplant sowie ausgeführt worden und war damit eine Entführung.

Neues Obhutsverfahren

Die Kinder standen zwar gemäss der Vereinbarung unter der Obhut der Mutter. Dem Vater wurde jedoch ein Besuchs- und Ferienrecht eingeräumt. Kurz vor der Abreise war gerade ein neues Verfahren hängig zur Obhut für die zwei Kinder. Ein Gutachten kam zum Schluss, dass das Mädchen und der Knabe unter den eskalierenden Konflikten der Eltern leiden würden.

Der fachpsychologische Bericht wies darauf hin, dass ein Wegzug der Muter mit den Kindern aus dem aktuellen Umfeld gegen das Kindeswohl sei. Die Mutter habe gewusst, dass sie ohne Zustimmung der Behörden und des Vaters nicht ins Ausland umziehen dürfe. Trotzdem sei sie kurz darauf mit Partner und Kindern nach Spanien gereist.

Aussagen der Kinder

Das Gericht stützte sich unter anderem auf die Aussagen der beiden Kinder. So sagte die Tochter, dass der Umzug ein kurzfristiger Entscheid gewesen sei. Die Mutter habe sie zudem angewiesen, niemandem zu sagen, wo sie sich aufhalten.

Der Sohn erzählte, dass er nicht habe umziehen wollen. Auch sei ihm verboten worden, seinen Vater anzurufen. Als Schutzbehauptung bezeichnete das Gericht die Aussagen der Mutter, sie hätten sich erst in Spanien entschieden, dort zu bleiben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann beim Bundesgericht angefochten werden. Die Tochter lebt heute bei der Mutter und ihrem Partner in Spanien, der Knabe bei seinem Vater in der Schweiz.

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