Ostermundigen

Fusions-Idee stösst in Ostermundigen auf Goodwill

OstermundigenSoll Ostermundigen ein Stadtteil von Bern werden? In der Vorortsgemeinde konnten sich erstmals die Bürgerinnen und Bürger äussern.

Ob Befürworter oder Gegner: Den meisten der 120 Leute im Ostermundiger Tell-Saal ist bewusst, dass der Weg zu einer Fusion noch lang ist.

Ob Befürworter oder Gegner: Den meisten der 120 Leute im Ostermundiger Tell-Saal ist bewusst, dass der Weg zu einer Fusion noch lang ist. Bild: Nicole Philipp

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21 Ja zu 10 Nein. Überraschend deutlich sagte das Ostermundiger Gemeindeparlament unlängst Ja zu Fusionsverhandlungen mit der Stadt Bern. Bis weit ins bürgerliche Lager hinein gab es Stimmen, die sagen: «Wir sollten lieber heute als morgen fusionieren.» Der Berner Gemeinderat empfängt Ostermundigen mit offenen Armen.

Stapi Alec von Graffenried (GFL) spricht von einer «Signalwirkung für die ganze Region». Und: Die viel zitierten Ängste der Bevölkerung vor Fusionen seien unter Umständen gar nicht vorhanden. Ist das tatsächlich so? Zum ersten Mal den Puls der Bevölkerung fühlen konnten von Graffenried und die übrigen Politiker am Donnerstagabend im Ostermundiger Tell-Saal. SP und Grüne luden zum Podium mit dem Titel: «Soll Ostermundigen ein Teil der Stadt Bern werden?»

Nebengeräusche

Rund 120 Leute folgten der Ein­ladung. Sie hörten der Nationalrätin Regula Rytz (Grüne) zu, die «Bern neu gründen» vorstellte – die Idee eines Gross-Bern mit zwölf Gemeinden von Wohlen bis Kehrsatz. Sie verfolgten die Diskussion von sechs Mundiger Lokalpolitikerinnen und -politikern aus diversen Parteien, die einer Fusion mehrheitlich wohlgesinnt sind.

Mehr kritische Stimmen gab es in der Publikumsdiskussion. «Zusammenarbeit ist wichtig. Man kann nicht alle Probleme selbst lösen», sagte ein Votant. Aber: «Der Zentralismus macht mir Angst.» Wenn er mit einem Anliegen auf die Ostermundiger Gemeindeverwaltung gehe, kenne er seine Ansprechpartner. Früher dagegen, als er im Tscharnergut gelebt habe, habe er sich als Nummer gefühlt. Eine ältere Bürgerin gab zu bedenken, dass «uns Bern in der Vergangenheit auch mehrmals im Stich gelassen hat», zum Beispiel bei der Schliessung des Schermenwegs. «Wenn diese Sachen nicht in Ordnung gebracht werden, bin ich gegen eine Fusion.»

Oder, wie es ein anderer Ostermundiger auf den Punkt brachte: «Das Thema Fusion wird noch für viele Nebengeräusche sorgen.»

«Zusammenarbeit ist wichtig. Aber der Zentralismus macht mir Angst.»

Votant im Tell-Saal

Euphorie

Aber auch bei den Voten aus dem Publikum waren die Befürworter einer Fusion in der Überzahl. Er freue sich über den mutigen Entscheid des Parlaments, die Fusionsabklärungen mit Bern zu starten, sagte etwa ein Mann, der selbst einmal im Mundiger Parlament politisierte und nun einige Kilometer weiter westlich wohnt.

Er erinnerte an den mutigen Entscheid der Neunzigerjahre, als Ostermundigen den Schiessplatz im Oberfeld aufhob und den Bau eines neuen Quartiers in die Wege leitete. Das sei ein sehr weiser Entscheid gewesen, so, wie es auch eine Fusion wäre. Ein anderer Bürger rief die Leute im Saal auf: «Wir dürfen nicht am Alten kleben, sondern müssen an die Jugend denken. Wir sind die Baumeister der Zukunft.»

Geduld

Sowohl Befürwortern wie Gegnern ist allerdings bewusst, dass ein allfälliger Zusammenschluss mit Bern mehrere Jahre dauert. Bis Ende 2020 hat der Ostermundiger Gemeinderat Zeit, dem Parlament Entscheidgrundlagen für eine Fusion oder andere Zusammenarbeitsformen vorzulegen. Womöglich bereits vorher wird das Volk erstmals offiziell nach seiner Meinung gefragt – nicht im Tell-Saal, sondern an einer Konsultativabstimmung an der Urne. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2018, 22:42 Uhr

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